Mißbräuchliche Anwendung des Würde-Arguments

Anregungen zum Nachdenken und Diskutieren

Wir können zwar nicht uneingeschränkt zustimmen, denn unser hiesiges Nachdenken über Menschenwürde erfolgt jedenfalls ohne Betrugsabsicht. Die Berufung auf Menschenwürde als Totschlag-Argument FÜR oder GEGEN irgendwas ist allerdings sehr beliebt. Es ist sicher nützlich, über einige Fälle dieser Art nachzudenken. Wir versuchen deshalb eine Sammlung von Problemen (nicht von Lösungen!), die unserer Meinung nach mit mißbräuchlicher Berufung auf Würde oder falsche Interpretation von Würde zu tun haben.

Die Formulierungen sind evtl. lückenhaft oder etwas spitz. Das hat nichts zu tun mit Mißachtung der angesprochenen Probleme. Vielmehr tun wir erste Schritte differenzierenden Nachdenkens. Wer anderer Meinung ist, hat das erwünschte Nachdenken schon begonnen. Denkergebnisse dürfen gerne mitgeteilt werden. Am Ende besteht die Möglichkeit der Ergänzung oder des Widerspruchs ohne E-Mail-Client, den erkennt man meistens an dem doofen Fenster mit der Mitteilung, man habe ihn zuerst einzurichten.

Ihre Mitteilungen werden, wenn von Ihnen gewünscht und von der Redaktionskonferenz als geeignet empfunden, in die Seite eingebaut.

Täterschutz geht vor Opferschutz

(1) Erweiterte polizeiliche Mittel zum Schutz der Opfer (Beispiel der Metzeler-Entführung!) ohne Willkür zu ermöglichen.

(2) Haftbedingungen: So erstrebenswert die Resozialisierung des Täters auch sein mag, jegliche Erleichterung muß gemessen werden nicht an der Rachsucht, wohl aber an der Würde des Opfers

(3) Wer sich dauerhaft den gesellschaftlichen Regeln verweigert, die Würde seiner Mitmenschen mißachtet, muß es ertragen, daß er dauerhaft und effektiv daran gehindert wird. Die Würde des Straftäters wird nicht verletzt, wenn der Aufwand für ihn denjenigen nicht übersteigt, der für unbescholtene Bürger im Falle ihrer Bedürftigkeit getrieben wird.

Die Lehrer sind an "PISA" schuld

(1) Kann das Verhältnis von Wissensgeber und Wissensnehmer, um es etwas verfremdend auszudrücken, beliebig weit "demokratisiert" werden? Worunter man versteht, daß die Lehre im Idealfall keine Rechte, die Schüler keine Pflichten mehr haben. Wie soll der Schüler seinem Lehrer etwas abnehmen, wenn er keine Achtung vor ihm hat?

(2) Zerstörung des gesellschaftlichen Ansehens des Lehrers, Arztes, Pastors, Beamten bleibt nicht ohne Auswirkung auf das Berufsethos, das man bei diesen Menschen erwartet.

(3) Ist es wahr, daß die Beseitigung der 'alten' Autoritäten, der 'Talarträger', der 'Studierten', der Fachleute und Sachkundigen Befreiung bedeutete? Offenbar geht es ja nicht ohne Autoritäten. Da die 'alten' verbraucht sind, braucht man neue: Schauspieler, Sportstars, 'Superstars' setzen Maßstäbe in ethischen Fragen, werden zu Vorbildern. Ist das die bessere Lösung?

(4) Der modische Ruf nach Leistungsbewertung von Lehrern, Professoren, Beamten blendet ein klitzkleines Problem aus: Wie soll die Leistung gemessen werden? Und ist es meßbare "Leistung", die man diesen Berufsgruppen abverlangt? Man teste es: Welche Lehrer sind einem aus der Rückschau die wichtigsten und weshalb erinnert man sich ihrer? Sind nicht Eigenheiten wie Haltung, Vorbild, Einfühlsamkeit in der Rückschau wichtiger als Beliebtheit, Unterhaltsamkeit oder Fleiß des Lehrers? Hat nicht jeder bei irgendeinem 'faulen' Lehrer mehr gelernt, als bei drei 'fleißigen'?

Der Sozialstaat wird zerstört

Es gibt Analysen, Überlegungen, Entwürfe, Gesetze, Verordnungen einerseits und die dadurch ausgelösten Bedenken, Einwände, Verdächtigungen, Anwürfe, hysterische und Propagandareden etc. pp. andrerseits. Die Diskussion ist ja eher selten anzutreffen. Sie ist nicht nur deshalb so schwierig, weil die Probleme so groß sind. Sie muß sich auch immer wieder mit gefühlsbesetzten Begriffen wie Würde, Gerechtigkeit, Armut und Reichtum, Almosen und Anspruch, Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit etc. auseinandersetzen. Sobald solche Worte unkonkret, als Kampfbegriffe auftauchen, geht die Sachlichkeit der Auseinandersetzung verloren. Vermintes Gelände!

Ich würde ...

"Wenn ich Kaiser wäre, würde ich unwürdiges Verhalten unter Strafe stellen und jeden Bürger verpflichten, seine Würde wie ein Kind sorgsam aufzuziehen.
Das Nähere würde kein Gesetz regeln, ich würde es den Bürgern anheim stellen."

Was fällt Ihnen ein?

Es äußert sich:
aus:
Die Mitteilung, mein Problem, meine Problemlösung>>>
Kampf dem Spam! Bitte lösen Sie die nebenstehende Rechenaufgabe. Das kann doch jedes Kind!
 

Keine Angst, mit dem Klick werden nur die unverschlüsselten Einträge versandt. Es wird nichts auf Ihren Rechner geladen und Sie aktivieren damit keinen Dialer!

© Pfarramt Ahrenshagen, 15.07.2004
 ValidCSS-Validierung