Die Tribohmer Kirche und ihre Schäden

.. die seit etwa 2001 beseitigt werden

Wer heute die Tribohmer Kirche besichtigt, kann kaum glauben, wie schlimm es wirklich um sie stand. Sie drohte offenbar, einzufallen und ihr historischer Wert wurde infolge falscher Datierungen unterschätzt. Der Zustand zu Beginn des Jahrtausends sowie einige bauliche Eigenheiten sollen hier kurz dokumentiert werden.

Von Weitem fiel der Turm besonders auf, erst bei genauerer Betrachtung wurden auch die Schäden des Mauerwerks erkennbar.


Offenbar begannen die neuen Patrone sofort mit dem Wiederaufbau der im Krieg beschädigten Kirche.

Der Turm ist im unteren Teil quadratisch und verjüngt sich bis zur Dachtraufe. Das Dach besitzt den Grundriß eines regelmäßigen Achtecks.

Südlicher Blick auf den Turm

Blick von Südwesten auf Turm und Westgiebel bei weniger finsterem Wetter mit dem schon frisch gedeckten Dach des Langhauses.

Was die atemberaubend schiefen Winkel angeht, ob ursprünglich beabsichtigt oder nicht, man könnte meinen, moderne Stararchitekten wie Paul Getty oder Daniel Libeskind hätten in Tribohm abgeguckt.

Die Reste der Uhr

Das Turminnere bedarf wegen seines komplizierten Aufbaus besonderer Würdigung.

Die zunächst unsichere Datierung des Turmes bzw. eines umfassenden Turmumbaus wird gestützt durch eine der Glocken. Sie stammte aus dem Jahr 1650, wurde vermutlich dem Krieg 1870/71 geopfert und 1873 ersetzt.

Glocke
Schwelle

Der Turmeingang, mit seiner beeindruckenden, von Zeitläuften und Nässe gezeichneten Schwelle. Der Turm, dessen Inneres, ein höchst komplexes Balkengewirr, nicht nur Laien beeindruckt, ist nicht etwa nur ein Glockenturm. Auch wenn der Turm flüchtig besehen so aussieht, als müßte er ohne die Kirche umfallen, er enthält eine schon historische Stützkonstruktion, die den Westgiebel der Kirche am Einfallen hindert. Wer's nicht glaubt, studiere die folgenden Bilder oder besser, das Turminnere selbst.

verrotteter Balken

Wie schwer die Schäden in der Substanz sind, wird an einem herausgenommenen Balkenteil aus dem unteren Bereich des Turmes sichtbar.

Riss an der Südostecke

Aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges (ca. 1625) wird über diesen Westgiebel (der ja im Bild durch den Turm und die Stützmauer fast völlig verdeckt ist) berichtet, daß er einzustürzen drohe. Damals wurde die Kirche von den kaiserlichen Truppen Wallensteins als Magazin genutzt. Altar, Kanzel, Chor und Kirchengestühl wurden zerstört, auch eine der Glocken, schließlich fiel auch das Dach teilweise ein.

Der aufmerksame Laie in Baufragen fragt sich, was die ausgerechnet im Riß sitzenden Anker wohl bewirken (sollen).

Der Riss markiert etwa die Stärke der Giebelwand und belegt, daß diese eine gewisse Kippneigung besitzt. Die Reparatur kann sich hier nicht darauf beschränken, von außen die Fugen zu vermörteln.

Mauerspaltung

Wie man dank ausführlicher Untersuchungen von 1998 weiß, ist der Bestand auch der anderen Mauern akut gefährdet. Sie bestehen aus der sichtbaren Außenschale und einer Innenschale, verbunden durch vermörtelte Sammelsteine. Der Mörtel ist weitgehend zerfallen, erhebliche Reste von Wurzelwerk im Inneren der Wände beweisen, daß die Mauern über längere Zeit ohne das schützende Dach dem Wetter ausgesetzt waren. Dies wird wahrscheinlich nach den Zerstörungen des Nordischen Krieges, zwischen etwa 1712 und dem Wiederaufbau 1745 der Fall gewesen sein. Auch äußerlich ist dieses Problem zu erkennen, wie diese Fensterlaibung zeigt.

Schubschaden

Das schwere Dach hat infolge schon älterer Schäden im Dachstuhl seine Schubkräfte auf die Außenschale gelenkt. Über dem Zuganker erkennt man herausgeschobenes Mauerwerk der Außenschale. Durch die Sanierung des Dachstuhles sollte dieser Prozeß gestoppt sein. Das Mauerwerk des Schiffes konnte allerdings noch nicht saniert werden.

Fenster

Das in der Südwand gelegene spätgotische Fenster von innen. Das Grüne gehört nicht zur originalen Bemalung!

Die Kirche ist zuletzt 1885 malerisch gestaltet worden. Unter diesem Wandschmuck finden sich umfangreiche Reste mittelalterlicher Ausmalungen. Mehr dazu verrät das 2002 erstellte Gutachten zur Innengestaltung.

Die Figuren gehören zum Patronatsgestühl.

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