Wer heute die Tribohmer Kirche besichtigt, kann kaum glauben, wie schlimm es wirklich um sie stand. Sie drohte offenbar, einzufallen und ihr historischer Wert wurde infolge falscher Datierungen unterschätzt. Der Zustand zu Beginn des Jahrtausends sowie einige bauliche Eigenheiten sollen hier kurz dokumentiert werden.
Von Weitem fiel der Turm besonders auf, erst bei genauerer Betrachtung wurden auch die Schäden des Mauerwerks erkennbar.

Ein Urbild von einem Turm. Die häßlichen Wunden können ihm nichts von seiner Großartigkeit nehmen.
Der Glockenturm, für den früher verschiedene Datierungen bis ins 18. Jahrhundert hinein diskutiert worden sind, ist den Ergebnissen dendrochronologischer Untersuchungen des Jahres 2002 zufolge viel älter, als bisher vermutet. Denn aus den Jahren 1420/1421 stammen die meisten tragenden Balken. Für Umbauten in den Jahren 1648 bis 1650 gibt es einige Indizien.
Infolge des Dreißigjährigen Krieges war die Gegend unter schwedische Hoheit geraten und im Jahre 1648 wurde von Christine von Schweden die Familie von Thun mit Tribohm neu belehnt, welche dort bis 1861 vertreten blieb.
Offenbar begannen die neuen Patrone sofort mit dem Wiederaufbau der im Krieg beschädigten Kirche.
Der Turm ist im unteren Teil quadratisch und verjüngt sich bis zur Dachtraufe. Das Dach besitzt den Grundriß eines regelmäßigen Achtecks.

Blick von Südwesten auf Turm und Westgiebel bei weniger finsterem Wetter mit dem schon frisch gedeckten Dach des Langhauses.
Was die atemberaubend schiefen Winkel angeht, ob ursprünglich beabsichtigt oder nicht, man könnte meinen, moderne Stararchitekten wie Paul Getty oder Daniel Libeskind hätten in Tribohm abgeguckt.

Detailbild vom Turm
Das alte Zifferblatt, gut geschützt gegen das Wetter. Die Uhr selbst (Bild rechts) gibt es noch. Ein Uhrenfreund kümmert sich um ihre Wiedeherstellung
So komisch, so wahr: In dem Maße, wie die Zeit wichtiger genommen wurde, nahm die Bedeutung von Turmuhren ab. Heute finden sie meist erst dann Aufmerksamkeit, wenn Ihr Stundenschlag jemanden stört.

Das Turminnere bedarf wegen seines komplizierten Aufbaus besonderer Würdigung.
Die zunächst unsichere Datierung des Turmes bzw. eines umfassenden Turmumbaus wird gestützt durch eine der Glocken. Sie stammte aus dem Jahr 1650, wurde vermutlich dem Krieg 1870/71 geopfert und 1873 ersetzt.


Balken im Turmdach mit Meisterinschrift, es folgt die Jahreszahl 1650. Der Balken ist bei einem Umbau des Glockenstuhles entweder 1745 oder auch beim Einbau der Stahlglocken 1873 in veränderter Lage eingebaut worden.
Fachleute meinen, der Balken hätte ursprünglich zu einer Empore gehört. Daß sich der Herr Werckmeister auf einem Recycling-Balken verewigt, kann man wohl ausschließen. Wenn diese Theorie stimmt, dann kann die Jahreszahl nichts über den Turm aussagen.

Der Turmeingang, mit seiner beeindruckenden, von Zeitläuften und Nässe gezeichneten Schwelle. Der Turm, dessen Inneres, ein höchst komplexes Balkengewirr, nicht nur Laien beeindruckt, ist nicht etwa nur ein Glockenturm. Auch wenn der Turm flüchtig besehen so aussieht, als müßte er ohne die Kirche umfallen, er enthält eine schon historische Stützkonstruktion, die den Westgiebel der Kirche am Einfallen hindert. Wer's nicht glaubt, studiere die folgenden Bilder oder besser, das Turminnere selbst.

Ein Blick in das Innere des Turmes, das man, wenn man Schmutz nicht fürchtet, mit Gewinn durchsteigt. Erkennbar ist, daß zwischen Giebelwand und Turm Feuchtigkeit eindringt, was ernstere Schäden verursacht hat.
Der imposante Glockenstuhl mußte 1873, beim Einbau der stählernen Ersatzglocken, verändert werden.

Wie schwer die Schäden in der Substanz sind, wird an einem herausgenommenen Balkenteil aus dem unteren Bereich des Turmes sichtbar.

In mehreren Metern Höhe hängen hier zenterschwere Klamotten aus der Wand. Potentielle Selbstmörder seien allerdings darauf hingewiesen, daß diese Steine schon längere Zeit so hängen. Der Turm ist auch noch nicht so verfault, daß es sich lohnt, auf den Absturz der Steine zu warten. Übrigens ist dieser Westgiebel aktenkundig spätestens seit dem Dreißigjährigen Krieg einsturzgefährdet. Dafür zeugen außer dem Turm auch die möglicherweise schon kurz nach dem Bau errichteten Stützmauern (Rechts die südliche).

Aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges (ca. 1625) wird über diesen Westgiebel (der ja im Bild durch den Turm und die Stützmauer fast völlig verdeckt ist) berichtet, daß er einzustürzen drohe. Damals wurde die Kirche von den kaiserlichen Truppen Wallensteins als Magazin genutzt. Altar, Kanzel, Chor und Kirchengestühl wurden zerstört, auch eine der Glocken, schließlich fiel auch das Dach teilweise ein.
Der aufmerksame Laie in Baufragen fragt sich, was die ausgerechnet im Riß sitzenden Anker wohl bewirken (sollen).
Der Riss markiert etwa die Stärke der Giebelwand und belegt, daß diese eine gewisse Kippneigung besitzt. Die Reparatur kann sich hier nicht darauf beschränken, von außen die Fugen zu vermörteln.

Der gleiche Bereich aus anderer Perspektive gibt einen Eindruck vom komplizierten Zusammenspiel von Turm und Schiff. Wie oben schon erwähnt, ist die Konstruktion des Turmes so ausgelegt, daß der Turm den Giebel unterstützt. Ohne den Turm würde der Giebel seiner Mauerstärke wegen nicht einfach umkippen, wohl aber könnte er wegen des stark geschädigten Mauergefüges in sich zusammenfallen.

Wie man dank ausführlicher Untersuchungen von 1998 weiß, ist der Bestand auch der anderen Mauern akut gefährdet. Sie bestehen aus der sichtbaren Außenschale und einer Innenschale, verbunden durch vermörtelte Sammelsteine. Der Mörtel ist weitgehend zerfallen, erhebliche Reste von Wurzelwerk im Inneren der Wände beweisen, daß die Mauern über längere Zeit ohne das schützende Dach dem Wetter ausgesetzt waren. Dies wird wahrscheinlich nach den Zerstörungen des Nordischen Krieges, zwischen etwa 1712 und dem Wiederaufbau 1745 der Fall gewesen sein. Auch äußerlich ist dieses Problem zu erkennen, wie diese Fensterlaibung zeigt.

Auch dieses Problem kann nicht ganz neu sein, an der nebenstehenden Laibung erkennt man sogar historische Flickarbeit (mit eingezogenen Ziegeln), die auch nicht auf Dauer erfolgreich war.

Das schwere Dach hat infolge schon älterer Schäden im Dachstuhl seine Schubkräfte auf die Außenschale gelenkt. Über dem Zuganker erkennt man herausgeschobenes Mauerwerk der Außenschale. Durch die Sanierung des Dachstuhles sollte dieser Prozeß gestoppt sein. Das Mauerwerk des Schiffes konnte allerdings noch nicht saniert werden.

So wirken massive Mauerschäden, hier im Chor, sich innen aus. Die eindringende Feuchtigkeit zerstört kontinuierlich den Verbund in der Wand, der bei Feldsteinmauerwerk ohnehin problematisch ist. Diese spezielle Ecke befindet sich auf gutem Wege. Die Choraußenwand ist inzwischen vermörtelt und das Mauerwerk kann nun austrocknen, was einige Zeit dauern wird.
Die hohe Luftfeuchtigkeit in der nicht heizbaren Kirche zerstört auf Dauer alles hölzerne Inventar, die Orgel, die mittelalterliche und die sichtbare Wandbemalung.
Das schön gerade Installationsrohr bildet zwar einen reizvollen Kontrast zum Riß, es ist aber so entbehrlich wie der Riß, wenn auch leichter zu beseitigen.

Das in der Südwand gelegene spätgotische Fenster von innen. Das Grüne gehört nicht zur originalen Bemalung!
Die Kirche ist zuletzt 1885 malerisch gestaltet worden. Unter diesem Wandschmuck finden sich umfangreiche Reste mittelalterlicher Ausmalungen. Mehr dazu verrät das 2002 erstellte Gutachten zur Innengestaltung.
Die Figuren gehören zum Patronatsgestühl.