
1839 reiste im Auftrag der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde der gebürtige Stettiner Franz Kugler, damals Kunsthistoriker in Berlin, durch das Land, um eine Kunstgeschichte Pommerns zu verfassen. In dieser 1840 erschienenen Arbeit äußert er sich zur Datierung pommerscher Kirchen so: "Um 1210. Die älteren Theile am Chor und Querschiff der Domkirche von Cammin (...), Die alten Theile der Kirche von Loitz. Die Kirche von Tribohm."
Heute nimmt man an, daß die Kirchen von Tribohm und Semlow die beiden ältesten Gebäude im Kreis Nordvorpommern sind. Zur Datierung lese man die Angaben in der Zeittafel nach. Abgesehen von dem in Tribohm fehlenden steinernen Turm und unterschiedlichen Ausmaßen ist die Form des Grundrisses und die Anordnung der Fenster bei diesen Kirchen gleich. Beide haben für die Fenster und z.T. auch für die Türen den romanischen Rundbogen; doch der Triumphbogen zwischen Chor und Schiff ist sowohl in Semlow wie auch in Tribohm schon mit gotischem Spitzbogen versehen.
Das obige Bilder zeigt noch den Stand des Jahres 2000. Inzwischen ist das Dach von Chor und Schiff erneuert, das Mauerwerk des Chores instandgesetzt. Wie die folgenden Bilder erkennen lassen, werden wir auf eine erfreuliche Gesamtansicht warten müssen, bis die Mörtel- und die Turmreparaturen abgeschlossen sind.

Der Ostgiebel, bis zum Dachansatz vermutlich auch der älteste Teil. Das Rundfenster soll das hohe Alter belegen. Anders als im benachbarten Semlow, wo Tür- und Fensterlaibungen z.T. in Backstein ausgeführt sind, sind in Tribohm die Laibungen aller originalen Bauwerksöffnungen mit behauenem Granitstein ausgeführt
Den Blick auf Chor und Ostgiebel gibt es auch größer, es handelt sich aber um das Aussehen vor der Reparatur und es dauert etwas Zeit:

Eine Detailaufnahme der südlichen Ecke des Chores vor der Reparatur. Bemerkenswert ist die Sorgfalt, mit der die Steine äußerlich geglättet sind. Der große Eckstein bildet ein für die stilistische Einordnung und Datierung der Kirche wichtiges Detail.
Man erkennt die Risse, die Anlaß zu großer Sorge gaben, weil sie innerhalb der Längswand verlaufen und deren Zerfall in Außen- und Innenschale belegen. Bei der Sanierung der Wand wurde versucht, durch Mörtelspritzen ins Wandinnere dieses Problem zu beheben.

Der Blick auf den imposanten Baukörper von Nordosten. An der Nordseite des Chores gibt es einen Anbau, der heute "Garvekammer" genannt wird. Der untere Teil der Wand sieht so aus, als sei sie mit dem zusammen Giebel errichtet. Dafür spricht auch der große Eckstein. Wäre der aus ursprünglicher Lage an der Giebelkante versetzt worden, dann müßten dort eigentlich stärkere Störungen im Fugenverlauf zu sehen sein.
Mehr über die Kammer erfahren wir aus dem "Lagerbuch" der Gemeinde, welches die Vermögenswerte auflistet. Im August 1888 wurde dort eingetragen: "Im Norden ist ein Anbau, massiv, gewölbt, früher sog. Garbekammer, Carmentaria = Gewänder, dann Erbbegräbniß der Familie von Thun; jetzt nicht mehr gebraucht, lang 6m, tief 4½ hoch 2¼"
An diesem Eintrag ist erstens die Aussage "gewölbt" interessant. Denn davon gibt es keine Spur (mehr).
Zweitens die Erklärung zum Namen: Wie man von Carmentaria, was -heutigen Lateinbüchern zufolge- nicht wirklich "Gewänder" heißt, und auch ein eingeklammertes "armentaria" = Rinderhirte sein könnte, wie man also zu Garbekammer kommt, bleibt rätselhaft.

Der Chor von Süden
Eine spätere Zutat stellt das spätgotische Fenster dar. Nur an der Fugendichte ist erkennbar, daß diesem Fenster zwei der originalen schmalen Fenster zum Opfer fielen.
Die geschnittene Kante in der Dachdeckung des Schiffes läßt erkennen, daß sich der östliche Giebel, ebenso wie seine westlicher Bruder, stark nach Westen neigt. Diese Neigung ist bei einer Wandstärke von etwa einem Meter nicht bedrohlich.

Das kurze Langhaus von Norden.
Der Kirchenhistoriker Biederstedt schreibt in seinen "Beyträge(n) zur Geschichte der Kirchen und Prediger in Neuvorpommern" etwa um 1820 über diese Kirche: "Ihr Bau zeigt noch Elemente der byzantinischen Architektur, mit dem Spitzbogen des Übergangsstiles wechselnd. Sie ist ganz aus Feldsteinen erbaut und von höchst einfacher Anlage.
Das Schiff (natürlich ohne Pfeilerstellung) ist länglich viereckig, der Altarraum schmaler und ebenfalls von viereckiger Form (ohne Nische) - beide werden durch einen schweren einfachen Spitzbogen voneinander getrennt. Die Türen sind ebenfalls im einfachen Spitzbogen, mit mehreckiger Gliederung, gebildet. Die sehr schmalen Fenster sind durch 3 Halbkreisbogen überdeckt. Je drei Fenster finden sich an den Wänden des Schiffes, je eins an den Seitenwänden des Altarraumes (eins der letzteren ist später erweitert worden),
zwei an der östlichen Wand und zwischen diesen ein kleines Rundfenster. Die Einfassung der Türen und Fenster besteht hier nicht aus Ziegelstein." Letztere Tatsache unterscheidet die Tribohmer Kirche von vielen anderen Feldsteinkirchen der Epoche.
Die meisten Fenster lassen, wie rechts eines aus der Südwand, erkennen, daß sie nachträglich nach unten verlängert worden sind.

Die Tür ist ein "Denk mal" für sich. Könnte es sein, daß sie nicht für diese Türöffnung gebaut wurde? Diese ist sicher nicht nachträglich angelegt, denn innen gibt es noch die Löcher, in die man Sperrbalken schob, wie das nächste Bild zeigt.
Stammen die Beschläge von einem Scheunentor oder einem früheren Eingangstor im Westgiebel? Dafür spricht nicht die Größe selbst, die ist in der Gegend üblich (vgl. die Schwesterkirche in Schlemmin), sondern die Stärke der Angeln.
Die Tür ist 2002 repariert worden, das Foto zeigt den neuesten Stand. Das Mauerwerk in Bodennähe verbirgt nicht, daß Sanierung not tut.

Das Balkenloch an der Innenseite. Erkennbar ist, daß die Tür, anders als die aktuelle, ursprünglich nach innen öffnete.

Dieser Blick entlang der Südwand des Langhauses (vor dem Beginn der Turmsanierung aufgenommen) erklärt, warum es seit vielen Jahrzehnten keine frontale Gesamtansicht dieser Wand gibt.
Bemerkenswert der mächtige "Angstpfeiler", hier der südliche, der gemeinsam mit seinem nördlichen Bruder den schiefen Westgiebel stützt.
Wie man nun aus dem Mörtelgutachten weiß, gehören beide bereits der zweitältesten Bauphase an. Im oberen Bereich des Giebels sind die schweren Mörtelschäden zu erkennen, die im Zuge der Turmsanierung nur teilweise beseitigt wurden. Die Außensanierung des Langhauses ist finanziell noch nicht abgesichert.

Daß an der Kirche schon Generationen von Handwerkern ihr täglich Brot verdieneten, wird an mehreren Stellen, hier durch ein Maurerzeichen von 1903 deutlich. Hoffen wir, daß auch künftige Handwerker hier noch Arbeit finden.

Die oben schon beschriebene Garbe- oder Garvekammer, also angeblich ein Raum für die Aufbewahrung der priesterlichen Gewänder. Später als Sakristei genutzt. Als 1651, nach dem Dreißigjährigen Krieg, die Kirche wieder hergestellt wurde, sei die verwüstete und teils verfallene Sakristei als Begräbniskapelle der Patrone von Thun umgewidmet worden. Methling, der Ortschronist berichtet, nach dem letzten Begräbnis von Angehörigen der Familie von Thun, etwa um 1840, sei die Kammer vermauert worden. Wie wir nach den Grabungen des Jahres 2005 wissen, stimmt das wahrscheinlich so nicht. Die Begräbnisse der wichtigsten von Thuns erfolgte in Kammern, die im Bereich des Chores liegen. Dazu gibt es den Grabungsbericht. Heute ist die Garvekammer zugänglich (natürlich nur mit Schlüssel), vermauert ist der Zugang zur Kirche.
Ein weiterer Eintrag im oben schon erwähnten "Lagerbuch" lautet: "Der Anbau im Norden wurde zur Leichenhalle ausgebaut, mit einer zweiflügligen Bogentür in der Mitte der Nordwand versehen und mit alten Grabplatten ausgelegt. (1958)" - und das stimmt.
Der Mauerverbund im westlichen Anschluß an das Chorgebäude spricht für späteren Anbau der Garvekammer. Das über dem Dach der Garvekammer erkennbare zweite Chorfenster, das vermauert ist, spricht nicht unbedingt dafür, weil ja die Kammer -noch 1888- gewölbt war, demnach der Fachwerkaufbau sehr jung ist.

Diese interessante Schmiedearbeit, die in drei Exemplaren als Schmuck am Giebel der Sakristei angebracht ist, soll Grabsteine des Tribohmer Friedhofs bekrönt haben. Es war weitgehend vergessen, woher sie stammen: Gibt es eine liturgische Bedeutung, wenn ja, welche? Oder handelt es sich um ein Zeichen für "drei Bäume", Anspielung also auf den Ortsnamen, der allerdings wahrscheinlich gerade nicht diese Bedeutung hat? Warum schmückt man damit Grabsteine? Oder, ist dieses Zeichen vielleicht sogar wendischen Ursprungs und erinnert an das slawische Pendant zu Neptun mit seinem Dreizack? Inzwischen sind wir (wieder) klüger: Es war eine örtliche, sehr schöne Mode des Schmucks von Gräbern. Mehr dazu hier ...