| Restauratorisches Gutachten | |||
| 2. Auswertung der Restauratorischen Befunduntersuchung Chor
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| Als 2. Fugenmörtel wurde ein ebenfalls noch mittelalterlicher, evtl. um 1500?, Kalkmörtel festgestellt, der mit dem Setzmörtel der westlichen Pfeiler sowie dem Mörtel in der Verniauerung der ursprünglichen Schlitzfenster und Errichtung des Segmentbogenfensters der Chorostwand identisch ist (Probe Nr. 2), und als Verputz an der Ostwand eine farbige Gestaltung aufweist. Befunde einer farbigen Gestaltung sind am Chor in den Laibungen der Fenster erhalten. Diese Architekturfarbigkeit zeigt eine Rötelung der Fensterlaibungen. Aufgrund des nur noch fragmentarischen Zustandes und der spärlichen Befundsituation kann ein genaues Gestaltungssystem aber nicht nachvollzogen werden (siehe Fotodokumentation). Das mittelalterliche Prinzip der Rot-Weiß-Farbigkeit an Repräsentationsbauten wurde aber sicher auch in Tribohm verwirklicht. Auf dem 2. Mörtel konnten zudem keine Fugenritzungen mehr nachgewiesen werden, die Oberfläche ist bereits zu stark verwittert. Charakteristisch für den Mörtel ist jedoch, dass dieser qualitativ wesentlich bessere Eigenschaften hat, als der erste Mörtel und somit auch in einem stabilen Erhaltungszustand ist. Er besitzt eine gute Druckfestigkeit und Härte und entspricht in seinen Zuschlägen eher bekannten zeitgleichen Mörteln (siehe Probenbeschreibung 2). Er wurde am Chor zudem großflächig als Fugenmörtel verwendet, eine Verputzung der Feldsteinkuppen dazu wird aber nicht angenommen. | ||
| Als 3. Fugengestaltung wurde ein sehr heller Mörtel nachgewiesen, der einen hohen Bindemittelgehalt hat und in seinen Eigenschaften (Probe 3) eher sehr weich und elastisch in Erscheinung tritt. Eine Datierung des Mörtels kann nicht vorgenommen werden, da zu diesem Mörtel keine Bauphase eindeutig zugeordnet werden konnte. Hierbei handelt es sich demnach lediglich um einen Reparaturmörtel in der Verfugung. Der 4. Mörtel (Mörtelprobe 4) ist ebenfalls lediglich ein Reparaturmörtel, der bezüglich des verwendeten Sandes sehr viel Gemeinsamkeiten mit dem 2. Mörtel aufweist, im Bindemittelgehalt und den weiteren Zuschlägen aber deutlich differenziert werden kann. Die 5. Mörtelphase (Mörtelprobe 5) steht neben weiteren Reparaturen am Ostgiebel und in der Verfugung an sämtlichen Wänden in Verbindung mit der Vermauerung der südlichen Laienpforte des Schiffes (siehe Schift), der Giebelerrichtung der Sakristei und war am Ostgiebel offensichtlich auch als flächiger Fugenmörtel vorhanden. Die Luke im Ostgiebel weist ebenfalls diesen Mörtel auf. | Dieser Mörtel ist qualitativ jedoch eher minderwertig. Daher treten insbesondere hier Schäden durch Risse und Abschalungen auf, auch die Struktur scheint durch das Vorhandensein von Salzen stark geschwächt. Hier wurde durch die Verwendung eines ungewaschenen Flusssandes vermutlich bereits leichtlösliches Salz mitverarbeitet. Der 6. Mörtel ist vermutlich einer Reparaturphase des 19. Jh.'s zuzuordnen, evtl. in Zusammenhang mit der Umgestaltung des Kircheninneren. Er besitzt bereits hydraulische Zuschläge und die damit verbundenen, häufigen Schäden wie Risse und Abschalungen des Putzes. Die hydraulischen Komponente wirken sich zudem gerade in bezug auf die vorhandenen Salze negativ aus und beinträchtigen den Erhaltungszustand der historischen Mörtel des Mittelalters. Die folgenden Mörtel sind Reparaturen des Mauerwerkes mit Zement und sollten unbedingt entfernt werden, da sie in bezug auf Salze, Diffasionsfähigkeit und Haltbarkeit bauschädigend wirken und somit den überkommenen Bestand gefährden. Eine bauhistorische Relevanz wird ihnen nicht beigemessen. | ||
| Sakristei Der historische Mörtelbestand an der Sakristei entspricht in etwa dem des Chores. Der Setzmörtel (Probe Nr. 2) entspricht eher dem 2. Mörtel am Chor, was schlussfolgen lässt, dass Chor und Sakristei nicht baueinheitlich errichtet wurden. Das belegt zudem die Baunaht zischen Sakristei und Chor, sowie die sichtbaren Eckquader an der ursprünglichen Chorecke. Trotzdem hat man offensichtlich versucht, eine Verzahnung des Mauerwerkes wenigstens optisch zu erreichen, denn die Eckquader wurden im unteren Bereich wahrscheinlich ausgetauscht. Beachtlich ist die Verwendung eines Riesenquaders an der Ostwand der Sakristei. Da dieser Quader gleichzeitig ein Eckquader ist, mag ihm im Mittelalter eine besondere Bedeutung beigemessen worden sein2. Befunde an Außenfarbigkeit wurden an der Sakristei jedoch nicht mehr festgestellt. Auch der Giebel der Sakristei wurde vermutlich im 18. Jh. zum Fachwerkgiebel verändert (Mörtelprobe 5). Am Giebel zeigt sich daher der Mörtelbestand in einem relativ guten Erhaltungszustand, auch wenn der Mauermörtel selbst keine hohe Druckfeste und Qualität aufweist. Außerdem zeigen sich an der Sakristei zementhaltige Reparaturmörtel aus dem 20. Jahrhundert (Probe Nr. 7,8), die in Verbindung mit der Dachdeckung der Sakristei stehen.
| Schiff Am Schiff konnte im Wesentlichen in den zugänglichen Bereichen dieselbe Mörtelabfolge ermittelt werden wie am Chor, lediglich der Umfang der einzelnen Reparaturphasen differiert an den einzelnen Wandabschnitten, was aber für die Auswertung der Untersuchung lediglich im Zusammenhang mit dem Erhaltungszustand des überkommenen Bestandes Relevanz hat. Wesentlich sind aber Farbbefunde an der südlichen Laienpforte, die der ersten, ursprünglichen Gestaltung zugeordnet werden können. Hier sind die aus Backstein errichteten Abtreppungen des Portals farbig gefasst gewesen. Alternierend wurde hier in rotem, weißen und schwarzgrauem Farbwechsel eine bunte Quaderung illusioniert, partiell sind schwarze Fugenlinien noch erkennbar. Leider sind die Befunde zu fragmentarisch, um eine vollständige Rekonstruktion des Gestaltungssystems zu ermitteln. Die Befunde sind aber unbedingt erhaltenswert (siehe auch Fotodokumentation). Der historische Mörtelbestand an den einzelnen Schiffwänden ist zudem unterschiedlich stark beschädigt. Schäden sind durch Absandungserscheinungen, Schalenbildung und oberflächige Strukturauflösung gekennzeichnet, was durch die klimatischen Beanspruchungen verursacht wurde in Verbindung mit dem Vorhandensein von Salzen. Partiell wurde der Fugenmörtel regelrecht ausgewaschen. Das zeigt sich sowohl in Traufbereichen als auch in der Sockelzone. Die zementhaltigen umfangreicheren Reparaturen sind zusätzlich eine Schadensursache, insbesondere in bezug auf die Salze. An der Nordwand zeigt sich der Mörtelbestand stark verwittert durch Alveolen und den Belag mit Grünalgen. Zusätzlich gibt es an der Südwand, aber in noch stärkerem Maße an der Nordwand, Fehlstellen der Verfugung und kleinere Risse. Diese Bereiche bedürfen dringend einer Neuverfagung, da die Innenraumgestaltung der Kirche durch das Eindringen von immenser Feuchtigkeit bereits umfangreiche Schäden aufweist und weiter stark geschädigt wird. | ||
© Pfarramt Ahrenshagen, 30.11.2002 | |||