Restauratorisches Gutachten
2. Auswertung der Restauratorischen Befunduntersuchung

Chor
Der Chor ist neben dem Schiff der älteste Bauteil der Kirche und wurde vermutlich gleichzeitig mit dem Schiff zwischen 1240 und 1260 errichtet1. Es zeigt sich zwar zwischen Chor und Schiff eine deutliche Baunaht, jedoch konnte als Setzmörtel eindeutig derselbe Mörtel an beiden Bauteilen festgestellt werden. Hier befinden sich demnach die ältesten Mörtel.
Als eindeutig ältester Mörtel konnte der mittelalterliche Setzmörtel am Chor und am Schiff von vermutlich 1250 mit einem in der Matrix fast identischen, kaum voneinander unterscheidbaren Fugenmörtel festgestellt werden (siehe Probe Nr. 1 - Bild und ausgewählte Texte der Auswertung sind hier als Beispiel im rechten Kasten zu sehen). Dieser Fugenmörtel war keine flächige Überputzung der Feldsteinquader, nur die weniger unregelmäßigen Randbereiche der zu Quadern behauenen Steine wurden verputzt, die Feldsteinkuppen blieben sichtbar. Eine Gestaltung des ersten Fugenmörtels mit Ritzung und aufgemaltem Quaderfugennetz konnte nur partiell in Fragmenten als einfache Ritzung festgestellt werden, partiell sind zudem Reste der ursprünglichen, geglätteten Putzoberfläche erkennbar (dazu enthält das Gutachten eine Fotodokumentation, die dem Laien wenig sagt). Der erste Fugenmörtel befindet sich jedoch meist in einem bereits stark beeinträchtigten Erhaltungszustand. Er entspricht in seiner Festigkeit nicht unbedingt den sonst vergleichsweise bekannten, zeitgleichen Mörteln. Absandungen und Abschalungen sind deutlich erkennbar und erklären die zahlreichen Reparaturphasen am Objekt. Zudem präsentiert sich der Mörtel mitunter sehr weich und ist vermutlich auch durch Salze in seiner Struktur geschwächt. Farbigkeit konnte am Chor bei diesem Mörtel nicht nachgewiesen werden.

Fußnote
1 Lt. Angaben Dendrochronologisches Gutachten von T. Schöfbeck, 2002

Auswertung:
Der Kalkmörtel besitzt eine intensive ockrige, leicht rotstichige Färbung und hat ein heterogenes Erscheinungsbild. Er besitzt nur eine mittlere Festigkeit, ist leicht sandend und oberflächig schalend. Mehrfarbige (grau, rot, braun) und unterschiedlich große (fein bis mittelgroße Rundkörner) Zuschläge sind deutlich erkennbar. Vereinzelt treten grobe Zuschläge auf. Die Porenräume sind im Durchschnitt ziemlich klein. Der Mörtel weist keine Holzkohlebestandteile und kein Ziegehnehl auf. Partiell wurden weiße Muscheln als hydraulische wirkende Komponente beigemengt. Lehmige sowie tonige Bestandteile, die als feiner Zuschlagstoff mitvermengt wurden, sind mit bloßem Auge erkennbar. Dies lässt auf die Verwendung eines ungewaschenen Grubensandes schließen. Ebenfalls sind Kalkspatzen im Mörtel vorhanden, die aber die Größe von 2 mm kaum überschreiten. Im Essigbad war eine langsame, gleichmäßige Gasentwicklung zu beobachten. Der Mörtel löste sich vollständig darin auf, was auf eine sehr ausgewogene Bindemittelverteilung schließen lässt. Dieser Setzmörtel weist eine keine hohe Druckfestigkeit auf.
Ältester Mörtel
Ältester Mörtel am Schiff und am Chor
Ältester Farbschmuck

Bei den vorhandenen Befunden (zur Farbigkeit) handelt es sich um Reste der Erstfassung. Da als Setzmörtel und als Fugenmörtel im Portal die erste Mörtelphase belegt werden konnte, wurden die direkt darauf befindlichen farbigen Befunde der ersten Gestaltung zugeordnet. Es handelt sich hierbei um eine Bemaling mit alternierenden roten, weißen und schwarzen Quadern, die partiell mit einer schwarzen Fuge bzw. Schattenlinie gegliedert sind.

Als 2. Fugenmörtel wurde ein ebenfalls noch mittelalterlicher, evtl. um 1500?, Kalkmörtel festgestellt, der mit dem Setzmörtel der westlichen Pfeiler sowie dem Mörtel in der Verniauerung der ursprünglichen Schlitzfenster und Errichtung des Segmentbogenfensters der Chorostwand identisch ist (Probe Nr. 2), und als Verputz an der Ostwand eine farbige Gestaltung aufweist. Befunde einer farbigen Gestaltung sind am Chor in den Laibungen der Fenster erhalten. Diese Architekturfarbigkeit zeigt eine Rötelung der Fensterlaibungen. Aufgrund des nur noch fragmentarischen Zustandes und der spärlichen Befundsituation kann ein genaues Gestaltungssystem aber nicht nachvollzogen werden (siehe Fotodokumentation). Das mittelalterliche Prinzip der Rot-Weiß-Farbigkeit an Repräsentationsbauten wurde aber sicher auch in Tribohm verwirklicht.

Auf dem 2. Mörtel konnten zudem keine Fugenritzungen mehr nachgewiesen werden, die Oberfläche ist bereits zu stark verwittert. Charakteristisch für den Mörtel ist jedoch, dass dieser qualitativ wesentlich bessere Eigenschaften hat, als der erste Mörtel und somit auch in einem stabilen Erhaltungszustand ist. Er besitzt eine gute Druckfestigkeit und Härte und entspricht in seinen Zuschlägen eher bekannten zeitgleichen Mörteln (siehe Probenbeschreibung 2). Er wurde am Chor zudem großflächig als Fugenmörtel verwendet, eine Verputzung der Feldsteinkuppen dazu wird aber nicht angenommen.
Diese Bauphase steht zudem vermutlich im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Ausmalung im Chorinnenraum, die sich deutlich über die Laibung des Segmentbogenfensters an der Südwand erstreckt.

Als 3. Fugengestaltung wurde ein sehr heller Mörtel nachgewiesen, der einen hohen Bindemittelgehalt hat und in seinen Eigenschaften (Probe 3) eher sehr weich und elastisch in Erscheinung tritt. Eine Datierung des Mörtels kann nicht vorgenommen werden, da zu diesem Mörtel keine Bauphase eindeutig zugeordnet werden konnte. Hierbei handelt es sich demnach lediglich um einen Reparaturmörtel in der Verfugung.

Der 4. Mörtel (Mörtelprobe 4) ist ebenfalls lediglich ein Reparaturmörtel, der bezüglich des verwendeten Sandes sehr viel Gemeinsamkeiten mit dem 2. Mörtel aufweist, im Bindemittelgehalt und den weiteren Zuschlägen aber deutlich differenziert werden kann.

Die 5. Mörtelphase (Mörtelprobe 5) steht neben weiteren Reparaturen am Ostgiebel und in der Verfugung an sämtlichen Wänden in Verbindung mit der Vermauerung der südlichen Laienpforte des Schiffes (siehe Schift), der Giebelerrichtung der Sakristei und war am Ostgiebel offensichtlich auch als flächiger Fugenmörtel vorhanden. Die Luke im Ostgiebel weist ebenfalls diesen Mörtel auf. Fortsetzung

Dieser Mörtel ist qualitativ jedoch eher minderwertig. Daher treten insbesondere hier Schäden durch Risse und Abschalungen auf, auch die Struktur scheint durch das Vorhandensein von Salzen stark geschwächt. Hier wurde durch die Verwendung eines ungewaschenen Flusssandes vermutlich bereits leichtlösliches Salz mitverarbeitet.

Der 6. Mörtel ist vermutlich einer Reparaturphase des 19. Jh.'s zuzuordnen, evtl. in Zusammenhang mit der Umgestaltung des Kircheninneren. Er besitzt bereits hydraulische Zuschläge und die damit verbundenen, häufigen Schäden wie Risse und Abschalungen des Putzes. Die hydraulischen Komponente wirken sich zudem gerade in bezug auf die vorhandenen Salze negativ aus und beinträchtigen den Erhaltungszustand der historischen Mörtel des Mittelalters.

Die folgenden Mörtel sind Reparaturen des Mauerwerkes mit Zement und sollten unbedingt entfernt werden, da sie in bezug auf Salze, Diffasionsfähigkeit und Haltbarkeit bauschädigend wirken und somit den überkommenen Bestand gefährden. Eine bauhistorische Relevanz wird ihnen nicht beigemessen.

Sakristei
Der historische Mörtelbestand an der Sakristei entspricht in etwa dem des Chores. Der Setzmörtel (Probe Nr. 2) entspricht eher dem 2. Mörtel am Chor, was schlussfolgen lässt, dass Chor und Sakristei nicht baueinheitlich errichtet wurden. Das belegt zudem die Baunaht zischen Sakristei und Chor, sowie die sichtbaren Eckquader an der ursprünglichen Chorecke. Trotzdem hat man offensichtlich versucht, eine Verzahnung des Mauerwerkes wenigstens optisch zu erreichen, denn die Eckquader wurden im unteren Bereich wahrscheinlich ausgetauscht. Beachtlich ist die Verwendung eines Riesenquaders an der Ostwand der Sakristei. Da dieser Quader gleichzeitig ein Eckquader ist, mag ihm im Mittelalter eine besondere Bedeutung beigemessen worden sein2. Befunde an Außenfarbigkeit wurden an der Sakristei jedoch nicht mehr festgestellt.
Auch der Giebel der Sakristei wurde vermutlich im 18. Jh. zum Fachwerkgiebel verändert (Mörtelprobe 5). Am Giebel zeigt sich daher der Mörtelbestand in einem relativ guten Erhaltungszustand, auch wenn der Mauermörtel selbst keine hohe Druckfeste und Qualität aufweist. Außerdem zeigen sich an der Sakristei zementhaltige Reparaturmörtel aus dem 20. Jahrhundert (Probe Nr. 7,8), die in Verbindung mit der Dachdeckung der Sakristei stehen.

Fortsetzung

 

Fußnote
2 Hierzu gibt es zahlreiche Beispiele in M-V, neben eingemeißelten Mustern auf Eckquadern und Kreuzen finden sich eben auch immens große Quader, deren Bedeutung aber bisher noch nicht geklärt ist.

Schiff
Am Schiff konnte im Wesentlichen in den zugänglichen Bereichen dieselbe Mörtelabfolge ermittelt werden wie am Chor, lediglich der Umfang der einzelnen Reparaturphasen differiert an den einzelnen Wandabschnitten, was aber für die Auswertung der Untersuchung lediglich im Zusammenhang mit dem Erhaltungszustand des überkommenen Bestandes Relevanz hat. Wesentlich sind aber Farbbefunde an der südlichen Laienpforte, die der ersten, ursprünglichen Gestaltung zugeordnet werden können. Hier sind die aus Backstein errichteten Abtreppungen des Portals farbig gefasst gewesen. Alternierend wurde hier in rotem, weißen und schwarzgrauem Farbwechsel eine bunte Quaderung illusioniert, partiell sind schwarze Fugenlinien noch erkennbar. Leider sind die Befunde zu fragmentarisch, um eine vollständige Rekonstruktion des Gestaltungssystems zu ermitteln. Die Befunde sind aber unbedingt erhaltenswert (siehe auch Fotodokumentation).
Der historische Mörtelbestand an den einzelnen Schiffwänden ist zudem unterschiedlich stark beschädigt. Schäden sind durch Absandungserscheinungen, Schalenbildung und oberflächige Strukturauflösung gekennzeichnet, was durch die klimatischen Beanspruchungen verursacht wurde in Verbindung mit dem Vorhandensein von Salzen. Partiell wurde der Fugenmörtel regelrecht ausgewaschen. Das zeigt sich sowohl in Traufbereichen als auch in der Sockelzone. Die zementhaltigen umfangreicheren Reparaturen sind zusätzlich eine Schadensursache, insbesondere in bezug auf die Salze. An der Nordwand zeigt sich der Mörtelbestand stark verwittert durch Alveolen und den Belag mit Grünalgen. Zusätzlich gibt es an der Südwand, aber in noch stärkerem Maße an der Nordwand, Fehlstellen der Verfugung und kleinere Risse. Diese Bereiche bedürfen dringend einer Neuverfagung, da die Innenraumgestaltung der Kirche durch das Eindringen von immenser Feuchtigkeit bereits umfangreiche Schäden aufweist und weiter stark geschädigt wird.
© Pfarramt Ahrenshagen, 30.11.2002