| Glockenturm Tribohm: Holzverbindungen | |
| Um ein festes und statisch wirksames Gefüge aus mehreren Hölzern herstellen zu können, ist es notwendig die einzelnen Hölzer mit einander zu verbinden. In dieser Konstruktion sind sowohl reine zimmermannsmäßige Holzverbindungen als auch mit metallischen Hilfsmittel kombinierte Verbindungen erkennbar. Durch die Verbindungsart, -form, -lage, -richtung aber auch durch die Bündigkeit ist es möglich eine Unterscheidung der Holzverbindungen vorzunehmen. So unterscheidet man zwischen 6 Grundtypen: den Stoß, der Zapfenverbindung, der Verblattung, dem Versatz, der Aufklauung und der kombinierten Holzverbindung. | Es werden die hier aufgetretenen Verbindungsformen kurz angeschnitten und erläutert: Stöße, Zapfenverbindung, Verblattung, Kammverbindung, Versatz, Aufklauung, Schäftung, Reparaturverbindung. Aufgrund der heutigen kosteneinsparenden Bauweise finden diese alten Holzverbindungen nur noch selten ihren Einsatz in der Entstehung von Holzbauwerken. Es ist daher wünschenswert, die noch vorhandenen Zeugen der damaligen alten Zimmermannskunst zu erhalten und vielleicht in die moderne Bauweise wieder zu integrieren. |
| Stumpfer Stoß Diese Verbindungsart ist in diesem Glockenturm häufig anzutreffen. Bei dem stumpfen Stoß werden die beiden zu verbindenden Hölzer waagerecht oder senkrecht mit einander verbunden. Zusätzlich benötigt diese Verbindungsform eine Unterstützung in Form einer Wand, eines Stieles oder eines Pfostens. Stöße sind in den meisten Fällen mit zusätzlichen Sicherungen ausgestattet. | ![]() |
![]() | Zapfenverbindung Der Zapfen ist fast ausschließlich als Verbindungsmittel der Wandgefüge in dieser Konstruktion festzustellen. Aber auch im allgemeinen Fachwerkbau ist der Zapfen weit verbreitet. Durch die große Anzahl der Zapfenformen wird die Vielseitigkeit dieser Verbindung aufgezeigt. Gerader ZapfenEin großer Teil der Riegel in dieser Glockenturmkonstruktion sind durch einen geraden Zapfen mit den Eck- und Mittelständern verbunden und zusätzlich mit Holznägel gesichert. Außerdem ist diese Verbindungsart im Dachbereich, bei der Verbindung der Deckenbalken mit den Dachsparren oder im Schwellenbereich festzustellen. Die Zapfenlänge beträgt ca. 4 - 7 cm und die Breite der Zapfen ist etwa ein Drittel der Breite des Holzes mit dem Zapfenloch. |
| Verblattung Wie bei den Zapfenverbindungen sind Blätter auch bei Längs-, Eck-, Quer-, Kreuz- und schräge Verbindungen einsetzbar. Hierbei sind die zu verbindenden Hölzer mit Blattsassen bündig oder nicht bündig übereinander, quer zueinander verbunden oder sie kreuzen sich. Gerades BlattHierbei ist die Blattstärke gleich die halbe Balkenhöhe und die Länge des Blattes sollte mindestens die doppelte Balkenhöhe entsprechen. Das Ausbilden des Ober- und Unterblattes erfolgt völlig identisch und dabei ist ein paßgenaues Arbeiten notwendig. Auch diese Verbindungsart ist im Glockenturm im Bereich der Schwellen vorzufinden. So zum Beispiel als Reparaturverbindung bei der Schwelle der südlichen Wand und an der Schwelle der 2. und 3. Giebelaussteifungswand. Diese Blätter sind zusätzlich durch Holznägel gesichert. | ![]() |
![]() | Kammverbindung Durch zwei Merkmale unterscheidet sich eine Kammverbindung von einer Blattung. Zum einen sind sie niemals bündig und zum anderen gib es keine Kämme in Längsrichtung. Es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten zwischen den Kämmen und den Blättern bei den Eck-, Quer- und Kreuzverbindungen. ÜberschneidungDiese Verbindung ist die einfachste Art der Verkämmung über kreuzlaufender Hölzer. Hierbei wird in dem übergreifenden Holz in halber Kantholzhöhe eine durchgehende Sasse in der Breite des unteren Balkens eingearbeitet. Das untere Holzstück läuft ohne Schwächung weiter. Eine solche Verkämmung ist in der Glockenstube dieses Turmes zu erkennen. Dort liegen die Schwellen der beiden Glockenstühle mittels einer Verkämmung auf dem nördlichen und südlichen Zusatzbalken auf. |
| Versatz Diese Verbindungsform wird meistens dann angewendet, wenn ein Konstruktionsholz in einem bestimmten Winkel mit einem reduzierten Querschnitt in ein anderes Holzstück eingearbeitet wird. Eine Anwendung findet diese Art der Verbindung bei diagonalen Streben, die auf einem waagerechten bzw. senkrechten Holzstück zu laufen. Stirnversatz mit ZapfenUm bei schräg auftreffenden Hölzern die Lastübertragung, die sonst nur über die relativ kleine Stirnfläche des Zapfens erfolgen könnte, zu erweitern wird diese Verbindung eingesetzt. Die Tiefe des Zapfens wird im allgemeinen mit 1/6 der Holzstärke angenommen. In besonderen Fällen wird noch eine zusätzliche Sicherung durch Holznägel angebracht. Auch in diesem hölzernen Glockenturm befindet sich diese Verbindungsart. Hier sind die Fußstreben der beiden Glockenstühle mit den jeweiligen Stielen und Schwellen durch Stirnversätze mit Zapfen miteinander verbunden und zusätzlich mit Holznägel gesichert. | ![]() |
![]() | Aufklauung Dieser Begriff ist von einem gespreizten zweizehigen Huf abgeleitet, dementsprechend wird bei einer Klaue durch einen Einschnitt das Holzende gespreizt. Bei einer Lagesicherung sind aber oftmals zusätzliche Sicherungen (Holznägel und Eisennägel) notwendig. Von einer Aufklauung spricht man, wenn die Klaue an einem Holzende angebracht wird. Überkreuzen sich Hölzer wird von einer Überklauung gesprochen. |
| Schäftung Das Verlängern von senkrechten Hölzern wird als Schäftung bezeichnet. Auch hier gib es verschiedene Formen. Es ist darauf zu achten, daß bei Hölzern, die Knicklasten aufzunehmen und zu übertragen haben, die Schäftung möglichst nicht im mittleren Bereich des Holzes, wo die Kräfte am größten sind, anzubringen ist. Stumpfer Stoß mit Dollen und FlacheisenDer Hartholzdollen wird an beiden Stirnenden eingebohrt und hat etwa einen Durchmesser von ca. 2,5 cm und eine Länge von ca. 13 bis 15 cm. Eine zusätzliche Fixierung der Lage ermöglichen die Flacheisen mit schmiedeeisernen Nägeln, die ringsherum angeordnet sind. Diese Verbindungsart ist zwischen dem Kaiserstiel 1 und Kaiserstiel 2 eingesetzt worden. | ![]() |
![]() | Reparaturverbindungen Weitere in dem Holzturm vorgefundene Verbindungsarten werden weitläufig auch als Reparaturverbindungen bezeichnet, da deren Einbau einen geringen Eingriff in die Substanz erfordert und kein Ausbau von Konstruktionshölzern notwendig macht. Hier ist auch eine Unterscheidung zwischen Zapfenverbindungen und Blattverbindungen vorzunehmen. Im folgenden werden nur ein kleiner Teil dargestellt und beschrieben. Falscher ZapfenDieser Zapfen kann überall dort eingesetzt werden, wo sich ein "echter" Zapfen befindet oder befunden hat. Werden Riegel oder Ständer mit einer Verbindung durch einen Zapfen ausgebaut, muß zwangsweise der Zapfen abgeschnitten und dann durch einen einfachen falschen Zapfen ersetzt werden. Hierbei wird im Riegel, wo vorher ein Zapfen sich befunden hat, ein Schlitz mit der selben Breite wie das ursprüngliche Zapfenloch gefertigt. Dort hinein kommt dann ein Holzpaßstück und wird zusätzlich durch Holznägel oder Eisennägel gesichert. Der obere Riegel der West - Ost ausgerichteten Wand ist an dem westlichen Holzende durch einen falschen Zapfen mit dem Mittelständer verbunden. |
| Schleifzapfen Besteht für die Auswechslung von Hölzern mehr Platz zu Verfügung, dann ist ein Schleifzapfen leicht einzubauen. Die übliche Zapfenlänge von ca. 4 bis 5 cm wird bis auf 3 cm gekürzt und der Zapfen wird direkt am Holz angearbeitet. Dann läuft die Seite des Zapfenloches, welche zuder günstigen Seite hinzeigt, auf Null. Somit ist ein nachträglicher Einbau von Riegeln oder andere Bauteile möglich und es ist einfach die Umbaumaßnahmen nachzuvollziehen. Diese erläuterte Verbindung findet man an einigen Stielen der östlichen Wand wieder. | ![]() |
© Pfarramt Ahrenshagen, 30.11.2002 | |