De Brügg bi Slemmin

erzählt von Ernst Moritz Arndt

Die Brücke

Unschöne Geschichte aus einer schönen Gegend. Die 'Brügg im Slemminer Holt' mag bei Tage so idyllisch ausgesehen haben, wie sie Ludwig Richter (1803 bis 1884) gemalt hat. (Na gut, seine hat wohl mehr irgendwo im Erzgebirge gelegen, aber ausgesehen hat unsere mindestens genau so schön!)

Das Bild ist so schön, dass man das Grauen der Nacht darüber vergessen möchte. Mancher, dem es heute nicht so gut geht, sehnt sich nach früher. Unser Läuschen hier (kommt von Lauschen!) läßt uns im Ungewissen, was außer dem "Vörjumpfern" das Mädchen seinerzeit zum Mord veranlasste. Es waren die Zeiten der Leibeigenschaft, in denen es selbst auf dem Lande oft schwer fiel, hungrige Mäuler zu stopfen. Sicher hat sie nicht aus lauter Jux und Dollerei gemordet. Vieles war überhaupt nicht gut in der guten alten Zeit.
Und heute? Die Abhängigkeiten haben sich geändert, materielle Not ist schon fast vergessen, das "Vörjumpfern" ist beinahe schon Pflicht und trotzdem werden immer noch Babys ermordet. Die Nachtseite des Menschen kommt immer wieder zum Vorschein.
Heute wie damals.

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Dat piept un flüstert un wispert un tutet un hült da denn de ganze Nacht dörch, as wenn Katten Hochtid hollen edder lütte Kinder quarren, un Ulengequiek un Kraihengeschrei klingt jümmer datüschen. Denn in eener hollen Eek äwer der Brügg sitt Dag und Nacht eene olde Ul, un dat is de arme Schepersdochter, de in disser Welt keene Rauh findt. Un des Nachts mütt se jümmer hen un her flegen van Boom to Boom un van Twig to Twig un schreien un quiken, datt eenem de Haar up dem Kopp susen, un drei junge Ulen uhuen un flegen jümmer achter ehr her, un dat sünt de drei Kinder, de se vermordt hett. Äwerst tüschen twelw un een da geit et erst recht lustig, un Gott gnade dem, de denn äwer de Brügg mütt. Denn hett sick dat ganze Ulenrik tosam vörgadert, un se maken eene Musik in der Luft, wornah dat ganze düwelsche Heer in der ersten Mainacht danzen künn, un een hungriger Wulf mit glönigem Rachen steit an der Eck un hölt eene Baßviol tüschen den Beenen un speelt lustig up, un Vöss un Katers un Marten, Ilken un Wesel un anner deefsches Nachtgesindel danzt dato. Ick hew't nich sehn, äwerst de Smitt in Slemmin hett't sehn. De is mal darunner geraden, un he was äwen nich up Gottes Strat, denn he hedd de Äx up'm Nacken un wull sick eene junge Eek hauen. Den hebben se terreten und terzust--hast du mir nicht gesehen--un so is he to Huse kamen ganz terkraßt un verbaast, un sine Oldsche hett em drei Weken eene Kindersupp kaken müßt: so hedden de Satansgesellen den armen Schelm afängstigt. Dat is äwerst wiß un wahr, wat ick van den Koien un Perden vörtelld hew, un keen ordentlich un christlich Deerd un Vagel, de van Gott weet, geit in de Eek edder sett't sick da herüm. Ick hew all min Dag keenen Vagel in ehren Twigen singen edder zirpen hürt, Ulen un Hawks un Kraihen, Rawen und Hesters un anner dergliken Düwelsgerät dat süht man woll darup sitten. Mit der Brügg is't äwen so; keen ehrlicher Vagel sitt up ehren Pösten edder Geländer, nich eenmal eener van den lustigen un näswisen Vägeln, as de Meesk, de Quäkstart edder Steenbicker, de sünst so nülich un flink sünt alles Holt, wat se man sehn, to besitten un to befladdern. Denn ook de allergeringsten un lüttesten Deerdeken weten een beten van Gott, un et weiht en ook een beten Wind to, wo wat Gewaltigs un Greulichs geschehn ist, un gruweln sick davör."

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© Pfarramt Ahrenshagen, 05.02.2002
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