
Die 1278 erstmals urkundlich erwähnte Lüdershäger Kirche ist, was höchst selten vorkommt, zweischiffig gebaut. Deshalb hatte der Orgelbauer, Carl-August Buchholz aus Berlin 1849 keine Wahl, wollte er eine asymmetrische Aufstellung der Orgel vermeiden. Denn die mächtigen Mittelpfeiler stärken zwar den Glauben: "Hier stehen wir, wir können nicht anders. Gott helfe uns. Amen", sie würden aber Optik und Akustik einer mittig gebauten Orgel empfindlich stören. Vermutlich gewinnt der Kirchenraum akustisch aber insgesamt durch die Pfeiler, sonst hätten die Lüdershäger und ihre Gäste nicht so viel Freude an der Musik in ihrer Kirche.
Fast alle Teile dieses Instrumentes mit seinem "leuchtenden, milden, aber voluminösen Klang" sind - wiederum selten - original erhalten. Der Erbauer, Carl-August Buchholz, der bedeutende Orgeln, etwa in Kronstadt in Siebenbürgen, aber auch in Barth und Stralsund gebaut hat, war auch erfinderisch tätig und man verdankt ihm etwa die Oktav-Koppel, die der Klangverbesserung dient.
Überhaupt nicht selten waren und sind die Feinde aller Orgeln: Holzwürmer (lieben Musik bei der Arbeit), Zinnpest (einsetzend unterhalb von 13 Grad Celsius), Zinkfraß (durch Verunreinigungen im Material verursacht und durch Feuchte beschleunigt), Rost (an eisernen Teilen wie Schrauben, Nägeln, Drähten), Versprödung von Leder (befördert durch Feuchtigkeitswechsel), Mensch (wenn er meint, Blei und Zinn seien nützlicher beim Totschießen als beim Musizieren / Einzug der Prospektpfeifen 1917).
Die Orgel ist noch spielbar. Für Orgelkundige noch schnell die Disposition, die derjenigen der benachbarten Schwesterorgeln (siehe unten) sehr ähnlich ist:
| Manual C - f3 |
| Principal 8" |
| Salicional 8" |
| Oktava 4" |
| Gedackt 8" |
| Rohrflöte 4" |
| Quintflöte 22/3" |
| Superoktava 2" |
| Pedal C - d' |
| Subbass 16" |
| Violone 8' |
Die Orgelreparatur konnte im Frühjahr 2008 endlich begonnen werden. Für die Restaurierung sind Kosten von ca. 30.000 € veranschlagt. Davon fehlen noch ca. 3000 €. Die sollten doch zu beschaffen sein!
Jede Gabe ist willkommen! Es werden auch symbolische Partnerschaften für die 396 Orgelpfeifen zu je 25,25 € je Pfeife oder für die 38 Prospektpfeifen zu je 91,20 € angeboten. Wer mag, kann auch für Teile des "Innenlebens" gezielt spenden.
Wie kommt die Spende sicher an? - Verwaltungsgebühren sollen, wie bisher, bei 0,00 € bleiben! -
oder
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Für Beträge bis 100 € gilt der Kontoauszug als Spendenquittung. Bei Bar- und Scheckzahlung und höheren Beträgen stellt das Pfarramt gerne Spendenquittungen aus!


Innerhalb des neu gebildeten Gemeindeverbandes mit Ahrenshagen-Pantlitz, Langenhanshagen, Lüdershagen, Schlemmin und Tribohm gibt es zwei weitere Buchholz-Orgeln. Nämlich in Tribohm und Schlemmin. Beide sind, als unbedeutende Dorforgeln, von Modernisierungsbestrebungen verschont geblieben, also wie die Lüdershäger in sehr ursprünglichem Zustand. Die Tribohmer Orgel (1845) wurde 1994 repariert und wird die jetzigen Restaurierungsarbeiten an Altar und Wänden hoffentlich unbeschadet überstehen. Die Schlemminer Orgel (1841) hatte (welt-)kriegsbedingt ein besonders schweres Schicksal und ist erst seit ihrer Generalreparatur von 2003 wieder spielbar.
Liebe (mögliche!) Spenderinnen und Spender,
wir, die Unterzeichner dieses Briefes, erlauben uns, Sie anzufragen, ob auch Sie bereit sind, mit einer Spende die Restaurierung unserer Kirchenorgel zu ermöglichen, denn die Kirchengemeinde alleine schafft nicht, die erforderliche Summe von 30.000 Euro aufzubringen.Das wurde bereits durch die Kirchgeldsammlung 2005 und 2006 versucht.
Wie das Gutachten des Orgelsachverständigen der Pommerschen Evangelischen Kirche, Martin Rost, Organist an St.Marien zu Stralsund vom 15.9.05 ergeben hat, ist der Bestand der Orgel erheblich gefährdet: die Metallpfeifen drohen abzuknicken,die Holzpfeifen weisen z.T. erhebliche Holzwurmschäden auf; einzelne - nur einzelne der Pfeifen mußten bereits ersetzt werden. Dazu gehören allerdings auch die sichtbaren sogenannten Prospektpfeifen. Da diese aus Zinn waren, wurden sie - wie bei nahezu allen Orgeln in Deutschland - 1917 für Kriegszwecke mißbraucht. Später wurden sie in Lüdershagen durch Zinkpfeifen ersetzt, was nicht in allen Dorfkirchen geschah. Offenbar ist die Orgel seit Ihrer Erbauung im Jahr 1848/49 stets sehr gut gepflegt worden, denn bisher waren immer nur kleinere Reparaturen erforderlich gewesen; so auch eine scharfe Holzwurmbekämpfung (mit Hylotox) in den 1980-er Jahren. Diese hat es zwar geschafft, die aktiven Würmer abzutöten und einen weiteren Befall zu verhindern, aber die Fraßschäden sind geblieben und haben Folgen bezüglich der Stabilität der Holzpfeifen.
Die Orgel stammt von dem im 19. Jahrhundert bedeutenden und berühmten Berliner Orgelbauer Carl-August Buchholz (1796 - 1884), dessen Meisterstück von 1821 in der Barther St. Marienkirche steht und vor wenigen Jahren restauriert worden ist, dessen größtes Werk von 1840/41 in der Stralsunder St. Nikolaikirche z.Z. einer sehr aufwendigen Wiederherstellung unterworfen ist. In vielen, auch nahegelegenen Dorfkirchen befinden sich Buchholz-Orgeln, so in Pütte, Schlemmin, Tribohm, Velgast. Viele der Dorfkirchenorgeln sind bereits in letzter Zeit restauriert worden. Nun versuchen wir - ein Sonderausschuß des Gemeindekirchenrates Lüdershagen -, auch unsere Orgel vor dem Verfall zu retten, damit sie weiterhin erklingen kann während der Gottesdienste, bei Taufen und Konfirmationen, bei Hochzeiten und Begräbnisfeiern, nicht zuletzt auch bei den seit 1981 in den Sommermonaten stattfindenden GEISTLICHEN ABENDMUSIKEN. Eine Vorschau für dieses Jahr finden Sie auf der anderen Seite (inzwischen überholt, natürlich wird es auch 2007 - mit oder ohne Orgel - mehrere Konzerte in der Kirche geben!). Sie sind herzlich dazu eingeladen!
Das Spendenkonto der Ev. Kirchengemeinde Lüdershagen bei der Pommerschen Volksbank hat die Kontonummer 2449455, Bankleitzahl 13091054, Verwendungszweck "Orgelspende".
Den Dank für Ihre Spende werden Sie erhalten können, wenn die restaurierte Orgel - hoffentlich - ab Herbst nächsten Jahres wieder zu hören sein wird. Aber auch wir, die Unterzeichner, danken Ihnen sehr herzlich!
gez. Karola Barz gez Dr. Winfrid Baudach gez. Reinhard Bokemeyer
gez. Bettina Engel gez. Dirk Marquardt
Die Ostseezeitung berichtete am 3. Juli 2008
Die Buchholz-Orgel der Kirche von Lüdershagen ist restauriert. Heute werden die letzten Arbeiten durch Orgelbaumeister Andreas Arnold und Juliane Franck beendet.
Von CLAUDIA HAIPLICK
Lüdershagen. Die vergangenen zwei Wochen hatten Andreas Arnold und Juliane Franck mit dem Einbau des Pfeifenwerkes zugebracht. "Die Orgel hat 432 Pfeifen. Jede von ihnen muss einzeln bearbeitet, die Stimmhöhe eingestellt werden. Das bedeutet, dass wir jede einzelne Pfeife mindestens fünf - bis siebenmal in die Hände nehmen mussten", erklärt der Orgelbaumeister.
"Die Arbeit an diesem Instrument hat uns viel Freude bereitet. Zumal die Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde interessant und professiotiell war. Das Umfeld hat komplett gestimmt, wofür ich sehr dankbar bin", sagt Andreas Arnold. Fast 30 Jahre arbeitet er im Orgelbau Lind und hat in den Jahren sehr vielen Instrumenten wieder zu neuem Klang und Glanz verholfen. Bei der Orgel von Lüdershagen handelt es sich um eine Buchholz-Orgel. Sie hat neun Register und ist 160 Jahre alt.
Während der Restaurierung der Orgel hatten sich keine größeren Unvorsehbarkeiten ergeben. Die im Vorfeld gemachten Pläne für die Restaurierung konnten weitgehend eingehalten werden. Allein bei der Vergoldung von nachgefertigten Omamenten für die Bekrönung wurde umentschieden. Fehlende Teile der Bekrönung waren aus Lindenholz - aus derselben Holzart sind auch die noch vorhandenen Originalteile der ursprünglichen Bekrönung - nachgeschnitzt worden. "Ihre Vergoldung", so der Orgelbaumeister, "wurde in Absprache mit der Kirchgemeinde vorerst zurückgestellt." Als zusätzliche Arbeit war der Einbau einer Rückwand zwischen Turmraum und Kirchenschiff erfolgt, um auf diese Weise kleine Tiere vom Instrument fern zu halten. In einigen Metallpfeifen hatten die Orgelbauer Bissspuren von Mardern gefunden. Die Restaurierung der Orgel kostete rund 30 000 Euro, wobei das Landesamt für Denkmalpflege 15 000 Euro beisteuerte. Den verbleibenden Betrag hat die Kirchgemeinde durch Spenden zusammengetragen. An den Kosten beteiligten sich auch die Vorpommersche Evangelische Kirche und die Stiftung Wissenschaft, Kultur, Sport der Sparkasse Vorpommern.
"Unser Dank allen, die uns bei Realisierung des Vorhabens unterstützt haben" sagt Dr. Winfried Baudach, von der Gemeinde. Zudem ist man glücklich, dass alles so gut geklappt hat. "Zumal auch der Zeitplan gehalten werden konnte. Die Konzerte in der Reihe der 'Geistlichen Abendmusik' können wie geplant stattfinden", sagt Baudach. Im Rahmen eines Festgottesdienstes wird die Buchholz-Orgel am Sonntag, 6. Juli, um 15 Uhr wieder eingeweiht. Kirchenmusikdirektor Emil Handke aus Barth lässt die Orgel erstmals wieder erklingen. Nach einer Orgelführung durch Andreas Arnold und Kaffee sowie Kuchen findet die erste "Geistliche Abendmusik " des Sommers um 18 Uhr mit dem Bremer Domorganisten und Prässidenten der Internationalen Gesellschaft der Orgelfreunde, Professor Wolfgang Baumgratz, statt.

Orgelbaumeister Andreas Arnold überprüft den Klang der neuen Prospektpfeifen der restaurierten Lüdershäger Buchholz-Orgel