Die Malereien in Kirchen sollten in alten Zeiten dem Kirchenvolk biblische Geschichten (und ggf. auch Legenden) erzählen. Der Grund war nicht etwa, wie oft behauptet, durchgängiger Analphabetismus, sondern die Unzugänglichkeit der Heiligen Schrift, woran erst Luther etwas änderte. Hier haben wir eine St. Georgs-Kirche, passend zu einer seiner Namensdeutungen: Der, der die Erde (be-)baut. Die St. Georgs-Legende ist nicht mehr allgemein bekannt, weshalb wir sie im unteren Teil der Seite zum Nachlesen anbieten.
Die mittelalterliche Malerei der Lüdershäger Kirche wurde erst 1958 (wieder) entdeckt und in den Folgejahren teilweise freigelegt. Sicher sind noch weitere Schätze hinter dicken Kalkanstrichen verborgen, deren sachgerechte Entfernung leider viel, viel Geld kostet.
Wer an dieser Stelle eine Kontonummer vermisst, liegt zwar richtig. Wir wollen aber nicht gleich zu Anfang die interessierten Besucher erschrecken.

Ein Blick auf die Chorwand. Auch hier im Überblick erkannt man den Weltenrichter, rechts daneben den Teufel, der zusammengekettete Sünder hinter sich herzerrt (das tut unserm Gerechtigkeitsempfinden ja soo gut!)

Dies ist sicher die Prinzessin der St. Georgs-Legende, die voller Angst auf den Drachen wartet. Nun, wir wissen, es ging gut aus.

Dies ist gewiss ein Heiliger. Warum er ausgerechnet in der rechten Hand eine Sense trägt, gibt Anlass zu tieferer Betrachtung. Könnte sein, es ist Georg als Bauer. Oder die schlimmere Vermutung: Tod. Ein Todesengel ist neutestamentlich (neutestamentlich wegen des Kreuzes in der linken Hand) nicht belegt, ein heiliger Todbringer in der Legende auch nicht. Vetter Hein wiederum ist kein Heiliger. Wahrscheinlich ist die Sense gar keine Sense und wir haben umsonst nachgedacht. Auch kein Schade.

Diese riesige Trompete, aufgewickelt und mit ein paar Ventilen versehen, ergäbe eine Tuba. Heutige Tuba-Bläser schweben eher selten, was nicht zuletzt an dem fast obligatorischen Bierbauch ("Resonanzraum") liegen mag.
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Unsere Lieblingsfigur: Die hübsche Kreuzritterin. Kann aber nicht sein, weil seinerzeit die Frauen das Haus hüten mussten, besonders die hübschen. Es ist in Wirklichkeit St. Georg. Er erschien ja, als Geist, den christlichen Belagerern Jerusalems in weißer Rüstung mit rotem Kreuz (rotes Kreuz meint sicher rotes Schild mit weißem Kreuz, weil das besser zum weißen Gewand passt, die Abweichungen im Bild gehen zu Lasten des Malers) und ermutigte sie, .. (der Rest ist politisch nicht korrekt und wird deshalb hier verschwiegen.)

Wir sehen ein stierköpfiges Wesen mit Giftatem, vielleicht den Drachen der Legende selbst. Wir kennen Drachen heute als feuerspeiende, geflügelte Echsen (oder in domestizierter Form, als sog. Hausdrachen), aber vielleicht diente in der bäuerlich geprägten Gegend die größte vertraute Gefahr neben dem Feuer, der wütende Stier, als Vorlage.

Der Priester mit dem Kelch. Das Gegenstück zum Heiligen, den wir oben links würdigten.
Dies sei genug, die Neugierde zu wecken. Kommen Sie und deuten Sie fröhlich mit, wie wir es hier tun. Übrigens: Wer anderer Meinung ist, möge hier und jetzt widersprechen, oder für immer schweigen!
Georgius kommt von geos, Erde, und orge, bauen; und heißt soviel wie einer, der die Erde baute, das ist: sein Fleisch. Nun schreibt Augustinus in dem Buch von der Dreifaltigkeit, daß gute Erde sich findet auf der Höhe der Berge, auf mäßigen Hügeln, auf ebenem Feld; die erste bringt gutes Gras, die zweite trägt Wein, die dritte Früchte des Feldes. Also war auch St. Georg auf den Höhen, da er das Niedrige verachtete, und hatte das frische Grün der Reinheit; und er war mäßig in Bescheidenheit, darum ward ihm der Wein himmlischer Fröhlichkeit zu Teil; er war eben durch seine Demut, darum trug er die Früchte guter Werke. Oder Georgius kommt von gerar, heilig; und gyra, Sand; heiliger Sand. Denn er glich dem Sande, da er schwer war durch seine großen Tugenden; klein und zerstückelt durch seine Demut; trocken, da fleischliche Lust ihm fern blieb. Oder Georgius kommt von gero, Pilger; gir, kostbarer; und ys, Ratgeber: denn er war ein Pilger in Verachtung der Welt, kostbar durch seine Märtyrerkrone und ein Ratgeber, da er in den Königreiche predigte. Seine Legende ward auf dem Concil zu Nicaea unter die apocryphen Bücher gesetzt, weil man eine sichere Nachricht über sein Martyrium nicht hat. Denn in dem Kalender des Beda lesen wir, daß er in Persien gemartert ward in der Stadt Diospolis; anderswo heißt es, daß er zu Diospolis ruhe, welches früher Lidda hieß und ist bei Joppe gelegen. Auch liest man, er habe unter Diocletianus und Maximilianus den Kaisern gelitten; oder unter einem Perserkaiser Dacianus genannt, der siebenzig seiner Könige gegenwärtig waren. Hier lesen wir, wie er von dem Richter Dacianus gemartert ward unter Diocletianus und Maximilianus den Kaisern.
Georgius der Ritter war geboren von Cappadocischem Geschlecht; der kam einst in das Land Lybia, in die Stadt Silena. Nah bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, daß sie seinen Grimm stilleten; anders so kam er unter die Mauern der Stadt und verpestete die Luft mit seinem Gifthauch, daß viele daran starben. Als aber der Schafe wenig wurden und man ihrer nimmer genug mochte finden, kam man überein, daß man dem Wurm täglich opfern sollte einen Menschen und ein Schaf. Also warf man das Los, welchen Mann oder welches Weib man dem Drachen geben sollte; und niemand mochte dem entrinnen. Als nun schon fast alle Söhne und Töchter der Stadt geopfert waren, geschah es, daß das Los auf des Königs einzige Tochter fiel, daß man sie dem Drachen sollte geben. Da ward der König traurig und sprach "Nehmt mein Gold und Silber und die Hälfte meines Königreiches, aber laßt mir meine Tochter, daß sie nicht also jämmerlich sterbe". Das erzürnte das Volk und sie sprachen "König, du hast das Gebot selber gegeben: wir mußten alle unsre Kinder verlieren, und du willst deine Tochter behalten? So du an ihr das Gesetz nicht erfüllest, das du gegeben hast, verbrennen wir dich und dein Haus". Als der König ihren Ernst sah, hub er an sein um seine Tochter zu klagen "Weh mir, mein Kind, was soll ich mit dir tun, was soll ich sprechen? Ach, nimmer werde ich deine Hochzeit sehen", und zum Volk sprach er "Ich bitte Euch, laßt sie mir nur noch acht Tage, daß ich um sie klage". Das gewährten sie ihm. Aber am achten Tage kam das Volk zu Hauf und schrie mit Zorne "Warum verdirbst du dein Land um deiner Tochter willen? Denn wir müssen alle von dem Anhauch des Drachen sterben". Da sah der König, daß er seine Tochter nicht erretten mochte; und ließ ihr königliche Kleider anlegen, umarmte sie und sprach zu ihr mit Tränen "O weh liebe Tochter, ich gedachte königliche Kinder von deinem Schoße zu erziehen; nun wirst du von dem Drachen verschlungen.
Ich dachte zu deiner Hochzeit edle Fürsten zu laden, das Schloß mit Perlen zu schmücken, Pauken und Trompeten zu hören; nun gehst du hin, daß dich der Drache essen soll". Und küßte sie und rief "O Tochter, ich wäre besser vor dir gestorben, denn daß ich dich also muß verlieren". Da fiel sie zu des Vaters Füßen nieder und bat um seinen Segen. Den gab er ihr unter Tränen und sie machte sich auf zu dem See. Da kam Sanct Georg von ungefähr dahergeritten, und da er sie weinen sah, fragte er, was ihr wäre. Sie antwortete "Guter Jüngling, steiget schnell auf euer Roß und fliehet, oder ihr werdet mit mir verderben". Sprach Georg "Fürchte dich nicht, liebe Tochter, sondern sage mir, worauf du hier harrest unter den Augen alles des Volkes?" Sie antwortete "Herr, ich sehe daß ihr edlen Herzens seit, aber begehrt euch, mit mir zu sterben? Fliehet eilends von hinnen". Sprach Georg "Ich werde nicht eher von diesem Orte kommen, bis du mir sagst, was dir sei". Da erzählte sie ihm alles. Er aber sprach "Liebe Tochter, sei ohne Furcht, ich will dir helfen in den Namen Christi". Sie sprach, "Guter Ritter, du sollst nicht mit mir sterben, es ist genug, so ich untergehe; denn retten magst du mich nicht, sondern du wirst mit mir verderben". Da sie noch sprachen, siehe, so hob der Drache sein Haupt aus dem See. Die Jungfrau zitterte vor Schrecken und rief "Flieh guter Herr, flieh so schnell du magst". Aber Georg sprang auf sein Roß, machte das Kreuz vor sich und ritt gegen den Drachen, der wider ihn kam; er schwang die Lanze mit großer Macht, befahl sich Gott, und traf den Drachen also schwer, daß er zu Boden stürzte.
Dann sprach er zu der Jungfrau "Nimm deinen Gürtel und wirf ihn dem Wurm um den Hals, und fürchte nichts". Sie tat es, und der Drache folgte ihr nach wie ein zahm Hündlein. Als sie ihn nun in die Stadt führte, erschrak das Volk und floh auf die Berge und in die Höhlen und sprach "Weh uns, nun sind wir alle verloren. Da winkte ihnen Sanct Georg und rief "Fürchtet euch nicht, denn Gott der Herr hat mich zu euch gesandt, daß ich euch erlöse von diesem Drachen. Darum glaubet an Christum und empfanget die Taufe allesamt, so will ich diesen Drachen erschlagen. Da ließ der König sich taufen und alles Volk mit ihm, und Sanct Georg zog sein Schwert und erschlug den Drachen. Darnach gebot er ihn aus der Stadt zu schaffen, und vier Paar Ochsen zogen ihn heraus vor die Stadt auf ein großes Feld. Es wurden aber an jenem Tage 20.000 Menschen getauft, die Weiber und Kinder nicht gerechnet. Der König ließ der Jungfrau Maria zu Ehren und Sanct Georg eine schöne Kirche bauen, und auf dem Altar entsprang ein lebendiger Quell, der machte alle Kranken gesund, die daraus tranken. Sanct Georgen bot der König unermeßliche Schätze an, aber der wollte sie nicht nehmen, sondern ließ sie unter die Armen teilen. Darnach gab er dem König gute Lehre und sprach, er sollte vier Dinge halten: daß er die Kirche in seine Hut nehme, die Priester ehre, fleißig Messe höre und der Armen sei eingedenk. Darnach küßte er den König und ritt hinweg.
In anderen Büchern lesen wir auch, daß Sanct Georg sah, wie der Drache sich auf die Königstochter wollte stürzen; und da machte er das Kreuzeszeichen, ritt wider den Drachen und tötete ihn alsbald.
Zu den Zeiten, da Diocletianus und Maximinianus Kaiser waren, geschah unter dem Richter Dacianus eine so große Verfolgung der Christen, daß in einem Monate ihrer 17.000 die Märtyrerkrone gewannen. Aber in den großen Martern wurden auch viele Christen untreu und opferten den Götzen. Als das Georgius sah, ward er ins innerste Herz getroffen von großen Schmerzen. Und legte sein ritterlich Kleid hin, gab alles was er hatte den Armen, und zog Christengewand an. Und trat inmitten unter das Volk und rief "Alle Heiden=Götter sind böse Geister, unser Herr aber hat die Himmel erschaffen. Da sprach der Richter voll Zorn "Wie magst du wagen, unsre Götter böse Geister zu nennen? Sage, von wannen bist du und wie nennst du dich?" Sprach zu ihm Georg "Ich heiße Georgius und bin von Cappadocien aus edelem Geschlecht; und habe mit Christie Hilfe das Land Palästina erobert. Aber ich habe alles gelassen, daß ich Gott im Himmel desto besser möge dienen". Da nun der Richter sah, daß er ihn nicht von seinem Glauben kehren mochte, ließ er ihn auf die Folter bringen, und ließ seinen Leib Glied für Glied mit Nägeln zerreißen. Darnach ließ er seine Seiten mit Fackeln brennen, bis man seine Eingeweide durch die Risse des Leibes schauen konnte, und ließ die Wunden mit Salz reiben. In derselbigen Nacht erschien ihm der Herr in einem großen Lichte und stärkte ihn süßiglich; von diesem Gesicht und von den Worten ward er also gekräftigt, daß er keine Marter meinte erlitten zu haben. Als Dacianus sah, daß er ihn mit solchen Strafen nicht überwinden mochte, rief er einen Zauberer und sprach zu ihm "Die Christen spotten unserer Marter mit ihren Zauberkünsten, und achten unserer Götter Opfer für nichts". Sprach der Zauberer "Kann ich seine Künste nicht brechen, so will ich mein Haupt verlieren. Also hub er seine Beschwörungen an, und rief zu seinen Göttern; und mischte Gift in einen Wein, das gab er Georg zu trinken.
Der aber machte das Kreuz über dem Becher und trank den Wein ohne allen Schaden. Da bereitete der Zauber einen Wein, der war viel giftiger denn der vorige. Aber Georg machte darüber das Kreuzeszeichen und trank ihn ganz ohne alle Schaden. Als der Zauberer das sah, fiel er ihm zu Füßen, bat weinend um Gnade und gelobte, daß er ein Christ wollte werden. Der Richter aber ließ ihn alsbald enthaupten. Des anderen Tages befahl er, daß man Georg auf ein Rad flechte, das war allenthalben mit zweischneidigen Schwertern besetzt. Aber es brach alsbald, und Georg blieb unversehrt. Der Richter ergrimmte und ließ ihn in einen Kessel voll siedenden Bleies setzen; da bekreuzigte er sich, als er darein ging, und saß darin mit Gottes Hilfe wie in einem guten Bad. Als Dacianus solche sah, wollte er ihn mit Freundlichkeit überwinden, da er ihn mit Drohen und Pein nicht mochte überkommen, und sprach zu ihm "Georg lieber Sohn, siehe, von welcher Langmut unsere Götter sind: sie schweigen zu deinem Frevel still und sind bereit dir in Gnaden zu verzeihen, so du dich willst zu ihnen kehren. Darum kommt, lieber Sohn, laß deinen Irrglauben und opfere unsern Göttern, so wirst du von uns und Ihnen große Ehren empfangen". Da lachte Georg und sprach "Warum hast du mich dann gemartert und mich nicht mit süßen Worten überredet von Anbeginn? Aber siehe, ich will tun, was du begehrst". Von dem Versprechen ward Dacianus betrogen; und ward guter Dinge und ließ durch einen Herold öffentlich ausrufen, daß alles Volk zu Hauf käme und sähe, wie dieser Georg den Göttern opfere, der so lange hätte widerstanden. Da ward die ganze Stadt geschmückt vor großen Freuden und Georg trat in den Götzentempel, daß er opfere. Als nun alle gar fröhlich um ihn stunden, kniete er nieder und bat Gott, daß er den Tempel mit den Bildern zerstöre zu seinem Lob und zu einer Bekehrung des Volkes, und nichts davon bleibe. Alsbald fiel Feuer vom Himmel herab und verbrannte den Tempel mitsamt den Priestern und Götzenbildern, und die Erde tat sich auf und verschlang die Trümmer.
Hier ruft Ambrosius in seiner Praefatio "Georgius der tapfre Streiter Christie wagte allein unter den Christen den Gottessohn zu bekennen, da alles andere Bekenntnis schwieg. Ihm gab die göttliche Gnade solchen Mut, daß er die Gebote der Tyrannen für nichts achtete, und die unzähligen Martern nicht fürchtete. O seeliger hochberühmter Streiter Gottes! Dich blendeten nicht die Verheissungen irdischer Macht, du spottetest deiner Verfolger und sandtest ihre greulichen Götzen zur Hölle". Also spricht Ambrosius.
Als aber Dacianus vernahm, was Georg hatte getan, ließ er ihn vor sich führen und sprach zu ihm "Welches ist deine Zauberkunst, du bösester der Menschen daß du solchen Frevel mochtest begehen?" Antwortete Georg "Glaube nicht, o König, daß dem also sei, sondern komme mit mir, so will ich zum anderen Male opfern". Dacianus sprach "Ich kenne Deinen Trug, du willst mich verderben, wie du den Tempel verderbt hast und die Götter". Sprach Georg "Sage mir, Elender, wie sollen dir deine Götter helfen, die sich selbst nicht helfen können?" Da sprach der König voll Zorn zu seinem Weibe Alexandria "Ich will des Todes sterben, wenn dieser Mensch mich überwindet"; antwortete die Königin "Du grausamer Henker und Wüterich, habe ich dir nicht gar oft gesagt, du solltest den Christen nichts Böses tun, denn ihr Gott kämpft für Sie? Aber wisse, ich will auch eine Christin werden". Da erschrak der König und rief "Weh mir, so bist du auch betrogen?" Und gebot, daß man sie bei den Haaren aufhenke und hart mit Geisseln schlage. Da sie in dem Leiden war, sprach sie zu Georg "Du Licht der Wahrheit, sagen mir, wohin werde ich kommen, da ich noch nicht wieder geboren bin durch das Wasser der Taufe". Antwortete Georg "Sei unverzagt liebe Tochter, die Ausgießung deines Blutes wird deine Taufe sein und deine Krone". Da betete sie zum Herrn und gab ihren Geist auf.
Dies bezeugt auch Ambrosius in seiner Praefatio, da er spricht "Darum erlangte auch die Königin der heidnischen Perser Gnade und erwarb sich die Märtyrerpalme, da ihr grausamer Gemahl sie hinzurichten gebot, ob sie gleich noch nicht getauft war; wir können nicht zweifeln, daß sie, vom Tau ihres Blutes rot, eingehen durfte durch die Himmelstür, und die ewige Herrlichkeit besitzt".
Am anderen Tage ward über Georg ein Urteil gegeben, daß er durch die ganze Stadt sollte geschleift und darnach enthauptet werden. Da betete er zum Herrn, daß alle die seine Hilfe angerufen würden, ihrer Bitte möchten gewährt sein. Und eine Stimme vom Himmel sprach "Es geschehe, wie du begehrt hast". Als er das Gebet vollbracht hatte, ward er enthauptet, und ward seine Marter erfüllt, unter Diocletianus und Maximinianus, welche zur Herrschaft kamen um das Jahr 287. Als aber Dacianus von der Richterstätte heimfuhr nach seinem Palast, fiel Feuer vom Himmel herab und verzehrte ihn mitsamt seinen Knechten.
Es schreibt Gregorius von Tours, daß etliche Männer Reliquien Sankt Georgs überführten; und da sie in einem Bethaus übernachteten, geschah es, daß sie des morgens die Kapsel nicht aufheben mochten, so schwer war sie. Und sie konnten sie nicht fürder tragen, bis sie ein Teil der Reliquien daselbst hatten gelassen.
In der Historia Antiochena lesen wir, als die Christen auszogen Jerusalem zu erobern, erschien einem Priester ein herrlicher Jüngling, der sprach, er sei Sankt Georg, der Christen Herzog; und mahnte ihn, daß sie seine Beine mit sich führen sollten gen Jerusalem, so wollte er mit ihnen sein. Da sie nun vor Jerusalem lagen, und nicht wagten auf Leitern die Stadt zu erstürmen; denn die Sarazenen widerstunden mit Macht: siehe, da erschien ihnen Sanct Georg in weißer Rüstung mit einem roten Kreuze geziert und winkte ihnen, daß sie ihm kühnlich sollten nachfolgen und die Stadt gewinnen. Also faßten sie einen Mut und nahmen die Stadt und erschlugen die Sarazenen.