Die Wandmalereien und die St. Georg-Legende


Die mittelalterliche Malerei der Lüdershäger Kirche wurde erst 1958 (wieder) entdeckt und in den Folgejahren teilweise freigelegt. Sicher sind noch weitere Schätze hinter dicken Kalkanstrichen verborgen, deren sachgerechte Entfernung leider viel, viel Geld kostet.

Wer an dieser Stelle eine Kontonummer vermisst, liegt zwar richtig. Wir wollen aber nicht gleich zu Anfang die interessierten Besucher erschrecken.

Lüdershäger Kirche

Unsere Lieblingsfigur: Die hübsche Kreuzritterin. Kann aber nicht sein, weil seinerzeit die Frauen das Haus hüten mussten, besonders die hübschen. Es ist in Wirklichkeit St. Georg. Er erschien ja, als Geist, den christlichen Belagerern Jerusalems in weißer Rüstung mit rotem Kreuz (rotes Kreuz meint sicher rotes Schild mit weißem Kreuz, weil das besser zum weißen Gewand passt, die Abweichungen im Bild gehen zu Lasten des Malers) und ermutigte sie, .. (der Rest ist politisch nicht korrekt und wird deshalb hier verschwiegen.)

Lüdershäger Kirche

Wir sehen ein stierköpfiges Wesen mit Giftatem, vielleicht den Drachen der Legende selbst. Wir kennen Drachen heute als feuerspeiende, geflügelte Echsen (oder in domestizierter Form, als sog. Hausdrachen), aber vielleicht diente in der bäuerlich geprägten Gegend die größte vertraute Gefahr neben dem Feuer, der wütende Stier, als Vorlage.


Der Priester mit dem Kelch. Das Gegenstück zum Heiligen, den wir oben links würdigten.

Dies sei genug, die Neugierde zu wecken. Kommen Sie und deuten Sie fröhlich mit, wie wir es hier tun. Übrigens: Wer anderer Meinung ist, möge hier und jetzt widersprechen, oder für immer schweigen!

Georgius der Ritter war geboren von Cappadocischem Geschlecht; der kam einst in das Land Lybia, in die Stadt Silena. Nah bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, daß sie seinen Grimm stilleten; anders so kam er unter die Mauern der Stadt und verpestete die Luft mit seinem Gifthauch, daß viele daran starben. Als aber der Schafe wenig wurden und man ihrer nimmer genug mochte finden, kam man überein, daß man dem Wurm täglich opfern sollte einen Menschen und ein Schaf. Also warf man das Los, welchen Mann oder welches Weib man dem Drachen geben sollte; und niemand mochte dem entrinnen. Als nun schon fast alle Söhne und Töchter der Stadt geopfert waren, geschah es, daß das Los auf des Königs einzige Tochter fiel, daß man sie dem Drachen sollte geben. Da ward der König traurig und sprach "Nehmt mein Gold und Silber und die Hälfte meines Königreiches, aber laßt mir meine Tochter, daß sie nicht also jämmerlich sterbe". Das erzürnte das Volk und sie sprachen "König, du hast das Gebot selber gegeben: wir mußten alle unsre Kinder verlieren, und du willst deine Tochter behalten? So du an ihr das Gesetz nicht erfüllest, das du gegeben hast, verbrennen wir dich und dein Haus". Als der König ihren Ernst sah, hub er an sein um seine Tochter zu klagen "Weh mir, mein Kind, was soll ich mit dir tun, was soll ich sprechen? Ach, nimmer werde ich deine Hochzeit sehen", und zum Volk sprach er "Ich bitte Euch, laßt sie mir nur noch acht Tage, daß ich um sie klage". Das gewährten sie ihm. Aber am achten Tage kam das Volk zu Hauf und schrie mit Zorne "Warum verdirbst du dein Land um deiner Tochter willen? Denn wir müssen alle von dem Anhauch des Drachen sterben". Da sah der König, daß er seine Tochter nicht erretten mochte; und ließ ihr königliche Kleider anlegen, umarmte sie und sprach zu ihr mit Tränen "O weh liebe Tochter, ich gedachte königliche Kinder von deinem Schoße zu erziehen; nun wirst du von dem Drachen verschlungen.

Dann sprach er zu der Jungfrau "Nimm deinen Gürtel und wirf ihn dem Wurm um den Hals, und fürchte nichts". Sie tat es, und der Drache folgte ihr nach wie ein zahm Hündlein. Als sie ihn nun in die Stadt führte, erschrak das Volk und floh auf die Berge und in die Höhlen und sprach "Weh uns, nun sind wir alle verloren. Da winkte ihnen Sanct Georg und rief "Fürchtet euch nicht, denn Gott der Herr hat mich zu euch gesandt, daß ich euch erlöse von diesem Drachen. Darum glaubet an Christum und empfanget die Taufe allesamt, so will ich diesen Drachen erschlagen. Da ließ der König sich taufen und alles Volk mit ihm, und Sanct Georg zog sein Schwert und erschlug den Drachen. Darnach gebot er ihn aus der Stadt zu schaffen, und vier Paar Ochsen zogen ihn heraus vor die Stadt auf ein großes Feld. Es wurden aber an jenem Tage 20.000 Menschen getauft, die Weiber und Kinder nicht gerechnet. Der König ließ der Jungfrau Maria zu Ehren und Sanct Georg eine schöne Kirche bauen, und auf dem Altar entsprang ein lebendiger Quell, der machte alle Kranken gesund, die daraus tranken. Sanct Georgen bot der König unermeßliche Schätze an, aber der wollte sie nicht nehmen, sondern ließ sie unter die Armen teilen. Darnach gab er dem König gute Lehre und sprach, er sollte vier Dinge halten: daß er die Kirche in seine Hut nehme, die Priester ehre, fleißig Messe höre und der Armen sei eingedenk. Darnach küßte er den König und ritt hinweg.

Der aber machte das Kreuz über dem Becher und trank den Wein ohne allen Schaden. Da bereitete der Zauber einen Wein, der war viel giftiger denn der vorige. Aber Georg machte darüber das Kreuzeszeichen und trank ihn ganz ohne alle Schaden. Als der Zauberer das sah, fiel er ihm zu Füßen, bat weinend um Gnade und gelobte, daß er ein Christ wollte werden. Der Richter aber ließ ihn alsbald enthaupten. Des anderen Tages befahl er, daß man Georg auf ein Rad flechte, das war allenthalben mit zweischneidigen Schwertern besetzt. Aber es brach alsbald, und Georg blieb unversehrt. Der Richter ergrimmte und ließ ihn in einen Kessel voll siedenden Bleies setzen; da bekreuzigte er sich, als er darein ging, und saß darin mit Gottes Hilfe wie in einem guten Bad. Als Dacianus solche sah, wollte er ihn mit Freundlichkeit überwinden, da er ihn mit Drohen und Pein nicht mochte überkommen, und sprach zu ihm "Georg lieber Sohn, siehe, von welcher Langmut unsere Götter sind: sie schweigen zu deinem Frevel still und sind bereit dir in Gnaden zu verzeihen, so du dich willst zu ihnen kehren. Darum kommt, lieber Sohn, laß deinen Irrglauben und opfere unsern Göttern, so wirst du von uns und Ihnen große Ehren empfangen". Da lachte Georg und sprach "Warum hast du mich dann gemartert und mich nicht mit süßen Worten überredet von Anbeginn? Aber siehe, ich will tun, was du begehrst". Von dem Versprechen ward Dacianus betrogen; und ward guter Dinge und ließ durch einen Herold öffentlich ausrufen, daß alles Volk zu Hauf käme und sähe, wie dieser Georg den Göttern opfere, der so lange hätte widerstanden. Da ward die ganze Stadt geschmückt vor großen Freuden und Georg trat in den Götzentempel, daß er opfere. Als nun alle gar fröhlich um ihn stunden, kniete er nieder und bat Gott, daß er den Tempel mit den Bildern zerstöre zu seinem Lob und zu einer Bekehrung des Volkes, und nichts davon bleibe. Alsbald fiel Feuer vom Himmel herab und verbrannte den Tempel mitsamt den Priestern und Götzenbildern, und die Erde tat sich auf und verschlang die Trümmer.

Dies bezeugt auch Ambrosius in seiner Praefatio, da er spricht "Darum erlangte auch die Königin der heidnischen Perser Gnade und erwarb sich die Märtyrerpalme, da ihr grausamer Gemahl sie hinzurichten gebot, ob sie gleich noch nicht getauft war; wir können nicht zweifeln, daß sie, vom Tau ihres Blutes rot, eingehen durfte durch die Himmelstür, und die ewige Herrlichkeit besitzt".

Am anderen Tage ward über Georg ein Urteil gegeben, daß er durch die ganze Stadt sollte geschleift und darnach enthauptet werden. Da betete er zum Herrn, daß alle die seine Hilfe angerufen würden, ihrer Bitte möchten gewährt sein. Und eine Stimme vom Himmel sprach "Es geschehe, wie du begehrt hast". Als er das Gebet vollbracht hatte, ward er enthauptet, und ward seine Marter erfüllt, unter Diocletianus und Maximinianus, welche zur Herrschaft kamen um das Jahr 287. Als aber Dacianus von der Richterstätte heimfuhr nach seinem Palast, fiel Feuer vom Himmel herab und verzehrte ihn mitsamt seinen Knechten.

Es schreibt Gregorius von Tours, daß etliche Männer Reliquien Sankt Georgs überführten; und da sie in einem Bethaus übernachteten, geschah es, daß sie des morgens die Kapsel nicht aufheben mochten, so schwer war sie. Und sie konnten sie nicht fürder tragen, bis sie ein Teil der Reliquien daselbst hatten gelassen.

In der Historia Antiochena lesen wir, als die Christen auszogen Jerusalem zu erobern, erschien einem Priester ein herrlicher Jüngling, der sprach, er sei Sankt Georg, der Christen Herzog; und mahnte ihn, daß sie seine Beine mit sich führen sollten gen Jerusalem, so wollte er mit ihnen sein. Da sie nun vor Jerusalem lagen, und nicht wagten auf Leitern die Stadt zu erstürmen; denn die Sarazenen widerstunden mit Macht: siehe, da erschien ihnen Sanct Georg in weißer Rüstung mit einem roten Kreuze geziert und winkte ihnen, daß sie ihm kühnlich sollten nachfolgen und die Stadt gewinnen. Also faßten sie einen Mut und nahmen die Stadt und erschlugen die Sarazenen.

© Pfarramt Ahrenshagen 2006