
So erblickt man die Kirche, wenn man, wie heute üblich, von der B105 aus den Ort erreicht. Der überschlanke Turm ist einzigartig in der Gegend und signalisiert, 'wir sind etwas Besonderes'. Natürlich können die heutigen Lüdershäger gar nichts dafür, die Turmspitze stammt von 1856, da wurde mit Landwirtschaft noch richtig Geld, neudeutsch Kohle verdient.

Dieser Blick mag irritieren. Das ist doch keine Dorfkirche, das ist eine kleine Stadtkirche. Eine Erklärung: Der Lüdershäger Grund ist seit 1278 immer in städtischem Besitz gewesen. Damit lag die Verantwortung für den Kirchenbau auch bei der Stadt Barth, die eben in städtischem Geschmack bauen ließ. So könnte es gewesen sein. Oder auch anders.

Ich kann mir nicht helfen, irgendwas ist hier schief gelaufen. Die Gerüstlöcher neben den Fenstern beweisen, daß hier nur zwei Fenster vorgesehen wurden. Was ist geschehen? Wurde dem Barther Rat die Sache zu teuer und das Kirchenschiff noch während des Baues verkürzt? Oder haben schon im 13.-14. Jahrhundert die Maurer gelegentlich zu viel Bier getrunken? Vielleicht kennt jemand auch einen geistlichen Grund für die Asymmetrie des Südportals?

Der Grabstein des Johann Heinrich Sengebusch (der vom Webmaster noch nicht vollständig entziffert werden konnte) läßt darauf schließen, daß Lüdershäger Bauern zuzeiten nicht am Hungertuche nagten.

Der Kirchturm, aus der Nähe gedrungener wirkend, als er ist. Dieses elegante Turmdach hat schon was. Stimmt's?

Der Ostgiebel genauer, mit Fensterattrappen, die erkennbar passend zum Chordach gebaut wurden und genauso gestaltet sind, wie die des Turmes. Ganz falsch: Die des Turmes sind nachempfunden, denn sie stammen von 1909. Damit geht es der Lüdershäger Kirche ähnlich, wie dem Kölner Dom: Bauzeit über 700 Jahre.

Noch ein Blick auf den so glatten, problemlosen, einfach nur schönen Turm. Ach wäre doch unser Alltag so einfach, problemlos und schön!

Das Pfarrhaus, leider nicht mehr als solches "im Dienst", hier möchte man als Pfarrer leben. Natürlich mit rundlicher, herzensguter, hervorragend kochender Pfarrfrau, 7 wohlerzogenen Kindern, Bienen, Pfeife und einer ruhigen Gemeinde, in der selten geheiratet, geboren oder gestorben wird (in dieser Reihenfolge!).