Wenn man im Internet nach Ergebnissen zum Thema "Leitbild" sucht, findet man nicht, was wir hier vorstellen wollen: Den Passauer Pastoralplan 2000, dessen Titelgrafik wir rechts wiedergeben.
Was unsere katholischen Schwestern und Brüder da erarbeitet haben, hätte - in aller Bescheidenheit sei es gesagt - uns auch einfallen können. Ist aber nicht!
Natürlich würden wir nie im Leben das Wort "Gott" gelb schreiben. Die grünen "Menschen" irritieren (ausgerechnet in Passau!). Auch viele Protestanten hätten sie lieber schwarz, einige auch rot.
Lassen Sie uns mal gucken, was den Passauern da so eingefallen ist.

Das Ergebnis war ähnlich, wie bei unseren katholischen Brüdern (und Schwestern) in der Passauer Diözese.
Allerdings gab es leider keine Gemeindeberatung.
Teil 1
Gottes- und Menschennähe
Gottesnähe
PROJEKT 1 Im Geheimnis Gottes wohnen
PROJEKT 2 Öffentlich Gott bezeugen
Menschennähe
PROJEKT 3 Beheimaten
PROJEKT 4 In Liebe dienen
PROJEKT 5 Zeit haben
Teil 2
Personen fördern und Strukturen entwickeln
Personen fördern
PROJEKT 6 Ehrenamtliche fördern
PROJEKT 7 Hauptamtliche qualifizieren und stärken
Strukturen entwickeln
PROJEKT 8 Strukturen der Seelsorge weiterentwickeln
PROJEKT 9 Präsent sein in Kultur und Politik
Umsetzung der Vorhaben
...
Es gibt, auch in Passau sollen die Drucker leben, zu jeder Überschrift einen Text, der die Situation beschreibt. Nennen wir ihn Zustandsbeschreibung oder Analyse. Die sympathische Besonderheit ist, daß diese Analysen sich streng auf das jeweilige Teilproblem, also etwa die Förderung von Menschen in der Passauer Diözese, beziehen und nicht nebenbei auf Randbedingungen, wie finanzielle Machbarkeit, politische Korrektheit etc. schielen.
Wollte man bei uns dem Passauer Beispiel folgen, könnte man es in diesem Punkte ohne großen Aufwand: Entsprechende Analysen, zutreffend und konsenzfähig, gibt es bei uns.
Leider zu viele.
Weil es über unsere Probleme, abgesehen von taktisch verursachten Varianten, keinen ernsthaften Dissenz gibt, ist es weder sinnvoll noch effektiv, jede Gemeinde der Landeskirche ihre eigene Analyse fertigen zu lassen und dann zu interpolieren, wie im "Leitbildprozess" geplant. Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen dieser Art sind das letzte, was unsere Gemeindekirchenräte brauchen!
Der Reichtum der Kirche sind Menschen mit ihren je unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen. Alle sind begabt, niemand ist unbegabt. Die Kirche von Passau tut gut daran, mit diesem Reichtum zu wuchern. Sie wird dazu von den Erfahrungen der frühen Kirche her inspiriert (vgl. 1 Kor 12). Alle haben die gleiche Würde, jede und jeder aber die eigene Begabung zu Gunsten des kirchlichen Lebens: "Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi" (Lumen gentium 32, vgl. c. 208 CIC).
Sie alle miteinander tragen die Kirche und ihre Seelsorge.
Noch nie gab es in der Kirche von Passau so viele Frauen und Männer wie heute, die bereit sind, ihre Kraft, Phantasie und Zeit einzubringen. Sie tun dies in der Überzeugung, dadurch einen Beitrag zu einer christlichen und damit auch zu einer menschlicheren Welt zu leisten. Sie erfahren dabei Anerkennung und endivecken nicht selten neue Sinnperspektiven für ihr eigenes Leben.
Soweit das Zitat.
Es folgen zu jedem der neun Projekte jeweils drei Textblöcke. Überschrieben sind sie mit "Wertschätzung", "Ziele, die wir erreichen wollen" und "Maßnahmen, die uns zu diesem Ziel führen".
Wir wissen nicht, wieviele Zurüstungen, Sondersitzungen, Methodikbögen etc. die Passauer gebraucht haben, um diese Texte zu formulieren. Nähme man die Texte, wechselte hier und da ein Spezifikum aus, dann könnten sie glatt so für uns gelten. Die Vorpommern kämen, auch nach noch so langer Diskussion, zu keinem substantiell anderen Ergebnis. Wir vermuten mal, daß die Passauer nicht wegen Urheberrechtsverletzung klagen würden, sondern mit ein wenig Stolz, den Pommern etwas beigebracht zu haben, freudig mit uns bei der Realisierung der Vorhaben wetteifern würden.
Sie glauben es nicht?
Zitieren wir beispielhaft die einleitenden Texte zu Projekt 6, grün sind unsere Änderungsvorschläge.
[Wertschätzung]
Das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen und Erwachsenen in Kinder- und Jugendarbeit, in Räten, Gruppen und Verbänden, in Beratungsdiensten und im Bereich der Caritas (Inneren Mission), ist ein wesentliches Element kirchlichen Lebens (vgl. 1. Kor 12, 4-11). Es stellt zugleich einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft dar. Ohne diese Bereitschaft vieler Christen zum ehrenamtlichen Dienst - sei es kurz- oder langfristig - würden viele Bereiche brach liegen.
[Ziele, die wir erreichen wollen]
Die Kirche von Passau (Pommern) fördert gezielt Maßnahmen, durch die Ehrenamtliche ihre Motivation klären und stärken, ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und spirituelle Vertiefung erfahren (Glaubensgewissheit erlangen(?)) können. Dabei wird beachtet, dass ein Ehrenamt sowohl in seinem zeitlichen Umfang als auch in seinen inhaltlichen Anforderungen begrenzt ist. Die Zusammenarbeit Ehrenamtlicher mit Hauptamtlichen wird gefördert. Zuständigkeiten und Kompetenzen werden klar geregelt.
Zitat Ende.
Ist aus pommerscher Sicht etwas falsch?
[Maßnahmen die zu diesem Ziele führen]
> Fachkundige Unterstützung für bestimmte Aufgabenfelder
> Ortsnahe Kurse, die für Leitungsaufgaben qualifizieren (Pfarrgemeinderäte und Verantwortliche in Gruppen, Verbänden und Vereinen)
> Förderung, Schulung und Begleitung Ehrenamtlicher in Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde, besonders dort, wo vor Ort keine Hauptamtlichen für Jugendpastoral zur Verfügung stehen
Wir lesen mit Hochachtung, was sich die Passauer alles vorgenommen haben. Ähnliches fällt uns für unseren Bereich mühelos ein. Darüber lohnt es sich, nachzudenken und zu reden!
Der vollständige Text : Passauer Pastoralplan als