Biblische Grundlagen der Leitbildentwicklung

Die Koordinierungsgruppe Leitbildprozess der Pommerschen Evangelischen Kirche hat zur Begleitung der Leitbildsuche einen Reihe grundlegender Bibeltexte mit Kommentar und abgeleiteten Diskussionfragen veröffenlicht. Diese Texte folgen hier.
Die Kirche will "erglaubt" (Luther) werden. Die irdische und die himmlische Kirche wollen stets zusammen erschaut werden. Ephesus ist als Knotenpunkt des Orients mit dem Abendland schon eine multikulturelle Gesellschaft. DerTempel der Diana (Apg.) und der Kaiserkult haben hier ihr Zentrum. Der Ruf: "Kyrios Kaisar", ein Rauchopfer und eine Verbeugung aller Bürger - dies wird zum einigenden Band des römischen Reiches.
Die Christen kennen einen anderen Kyrios (Kyrie eleison) und verweigern sich - der Herr der sieben Sterne und sieben goldenen Leuchter hat die Schlüssel des Todes und der Hölle, er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit (Off.1,18). Das Lob der Gemeinde ist wichtiger als eine "selbstzufriedene Unzufriedenheit" (Kruse). Die Gefahr der Gemeinde besteht im "Verlassen der ersten Liebe". Die erste Liebe jedes Menschen ist die Liebe zur Mutter - die erste Liebe der Gemeinde ist die Liebe zu ihrem Herrn, dem Vater Jesu Christi. Die Taufgewissheit ist Ausgangspunkt des Glaubens der Christen, der Protestleute wider den Tod.
Fragen:
Warum ist die Kirche Teil des Glaubensbekenntnisses und was heißt dies für uns?
Weiche "Herren" beanspruchen heute di »e Herrschaft im Denken und Handeln der Menschen und unserer Kirchengemeinde?
Gibt es unter uns Engel der Gemeinde und was zeichnet sie aus? Was gefällt uns in unserer Kirchengemeinde besonders gut?
Ist die Taufe noch Zentrum unserer Gemeinde?

Literatur
Ev. Erwachsenenkatechismus 6. Auflage S. 541 ff

Jesus selbst baut die Kirche. Er ernennt Menschen zu seinen Mitarbeitern und Haushaltern, dieser Ruf verwandelt sie und führt sie in eine lebendige Beziehung mit lesus. jesus kitzelt das Bekenntnis des Petrus heraus (Leute/ihr). Gemeinde entsteht da, wo einzelne Menschen Jesus als Grundwert allen Lebens erkennen und vor Gott und den Menschen bekennen. Gottes Geist schenkt solch Bekenntnis. Die Kirche Jesu kann nicht sterben - weil ihr Herr den Tod überwunden hat. Alle Haushalterschaft in der Kirche lebt aus der Kraft Jesu (Matth.1 6,23). Die Beziehung zu Jesus macht uns zu Christen, die auch andere in diese dauerhafte Beziehung hineinführen werden.
Fragen:
Aus welchem Selbstverständnis heraus bauen wir Gemeinde?
Woher nehmen wir die Gewissheit für die Zukunft der Kirche?
Wie locken wir Bekenntnisse zu Jesus aus Menschen heraus?
Wie sind in unserer Gemeinde Aufgaben, Handlungen, Kasuallen und Ämter mit dem Bekenntnis zu Jesus gekoppelt?
Wo binden und befreien wir Menschen in unserer Gemeinde für alle Zeit?

Literatur
Ev. Erwachsenenkatechismus 6. Auflage S. 618ff

Die Gemeinde soll nicht Leib Christi werden, sondern ist es. Die Glieder sind untereinander nach Bau und Aufgabe sehr verschieden. Keines kann ohne die anderen leben. Kein Glied ist für sich selbst da. Nicht unser Wollen und Haben eint uns, sondern sein Wirken in uns. Das Grundgefühl der Geme nde st daher der Dank. Nicht der Mangel an Gemeinschaft und Kraft zählen, sondern die Erkenntnis des Reichtums der Gaben, die Gott unter uns wirkt. So sind in der Gemeinde alle gleich wichtig und nötig. Alle Gaben aber bedürfen der Liebe. Die Erkenntnis von Gott geliebt zu sein führt zur Liebe in der Gemeinde und darüber hinaus. Die Liebe bedarf des Glaubens an den Auferstandenen, der für uns gestorben ist und der Hoffnung schenkt, die über den Tod hinaus reicht.
Fragen:
Wie endivecken wir Gaben und wie fördern wir sie?
Wie können am Dienst des Wortes alle Gemeindeglieder beteiligt werden?
Weichen Platz hat der Dank in unserer Gemeinde und können wir neue Formen für ihn gestalten und entwickeln?
Wie Überwinden wir die Nörgelei in der Gemeinde durch die Erkenntnis der Gaben, die uns geschenkt sind?
Leitet uns in der Gemeinde die Liebe und wie leitet sie mich?
Welches Demokratieverständnis ergibt sich für die Gemeinde daraus? Gibt es eine Wertigkeit von Gaben und Ämtern bei uns und wieso?

Literatur
Ev. Erwachsenenkatechismus 6. Auflage S. 501 ff. u. 61 Off. u. 6-32ff.

Unser Gotteshaus ist als dauerhafte Baustelle zugleich ein Ort des Gemeindeaufbaus, wo Gott selbst am Werk ist. Unser Gemeinwesen als Kommune wird nicht behütet durch unser Sorgen und unsere Mühen, sondern indem wir Gott Raum geben zu wirken.
Nicht unser Fleiß rettet die Kirche und die Kommune, sondern unser Vertrauen auf Gott. Nicht unser Sorgen ist gefragt, sondern unsere Gewissheit, dass einer das Leben in sich selber hat und uns Leben schenkt und mit diesem Leben die nötige Kraft, um zu helfen diese Welt und die Kirche mit zu bewahren und zu erhalten. Die besondere Liebe zu Kindern und jugendlichen ist ein Wesensmerkmal der Kirche, da sie Gabe und Aufgabe Gottes sind.
Fragen:
Wie kann der Bau an unseren Kirchengebäuden zum Aufbau der Gemeinde genutzt werden?
Wie bekommt unser Gottvertrauen seine Gestalt in Zeugnis und Dienst unserer Gemeinde vor Ort?
Wie gestalten wir unsere Sitzungen im GKR in der Gewissheit, dass Gott uns alles Notwendige schenkt?
Können wir ruhig schlafen?
Wo zeigt sich bei uns, dass Kinder- und Jugendarbeit Zentralpunkt unserer Arbeit ist?

Literatur
Ev. Erwachsenenkatechismus 6. Auflage S. 599ff. (Segen)

Fragen:
Wozu nehmen wir uns Zeit in unserer Gemeinde?
Wie gehen wir mit Traditionen um?
Haben wir mit gutem Gewissen im GKR schon den Abbruch einer Arbeit beschlossen?
Wo bauen wir zur Zeit an erster Stelle die Gemeinde auf?
Wie verkrampft und wie gelassen geben wir mit unserer Zeit um?
Woher nehmen wir unsere Gewissheit, dass es hier immer Gemeinde Jesu geben wird?
Paulus schreibt an die Gemeinde in der Welthauptstadt Rom. Er kennt die Gemeinde nicht, aber er sucht ihre Hilfe und Unterstützung für seine Missionstätigkeit, die räumliche und kulturelle Grenzen überschreiten will (Juden/Heiden). Paulus verteidigt seinen Heilsuniversalismus, der ihn den jüdischen Religionsraum verlassen ließ. Für ihn gibt es nur einen Grund für ein erfülltes Leben vor Gott und den Menschen. Die Rechtfertigung des Glaubenden bedarf der Erkenntnis all dessen, was uns von Gott und den Menschen trennt (Sünde) und fragt nach dem Glauben an den Brückenbauer (Pontifex) Christus, der uns mit Gott und untereinander versöhnt. Glauben und Selbstverwirklichung sind und bleiben Gegensätze, denn menschliche Autonomie führt in die Einsamkeit des Nichtigen. Die Sinnfrage unseres Lebens findet nur in Bindung zu Gott und Mitmenschen Antworten, die tragen. Allen Freiheiten ohne Bindung sind wir Menschen nicht gewachsen. Nicht gerechte Strukturen sind Ziel der Kirche, sondern die Vermittlung der Gerechtigkeit Gottes, die sich dem Schwachen und Verlorenen mitteilt. Die (Mit-) Leidensfähigkeit ist Frucht eines Glaubens, der sich mehr beschenkt weiß, als zur Tat berufen. Der Glaube ist immer universal, weil jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und glauben darf.
Fragen:
Trauen wir dem Wort Gottes zu, dass es Wirklichkeiten verändern kann?
Trennen wir in der Gemeinde zwischen Schuld und Schuldner (SED Kader)?
Wie finden wir eine Sprache des Glaubens, die so alltäglich ist, dass andere uns verstehen können und weiche Hürden bauen wir vor anderen auf?
Verbindet uns der Glaube an den einen Gott oder trennt uns das, was wir von ihm verstanden haben untereinander? (Ökumene vor Ort)
Stärkt der Glaube nur unser Selbstbewusstsein oder werden wir stark für andere im Glauben? (Diakonie)
Was können wir tun, üm die Menschen zu erreichen, die vom Evangelium noch nichts wissen? (Mission)
Sind die Strukturen der Kirche es wert, dafür soviel Zeit und Kraft einzusetzen?
Wie entfliehen wir einem unheiligen Aktivismus vor Ort? (Gottesdienst)

Literatur:
Ev.- Erwachsenenkatechismus 6. Auflage S. 233ff (Rechtfertigung)

Das Geheimnis Jesu besteht in seiner Gottesbeziehung. In der Stille vor Gott enthüllt sich die innere Freiheit Jesu, eine Freiheit, die aus der Gewissheit geliebt zu werden erwächst. Gott selbst ist der Urklang aller Liebe in dieser Welt. Aus der Stille in Gott erwächst seine Sendung für alle Menschen. Die Logik der Liebe ist die Logik des Herzens. Aus dem Hören auf den Herzschlag Gottes im eigenen Herzen erwächst jesu die Gewissheit der Liebe, die kein Ende kennt, weil sie frei macht zum Leben in und mit Gott und für alle Menschen. Im Gebet für die Menschen wird die Welt ernst genommen und dennoch die Macht der Lieblosigkeit gebrochen - mitten in diese Welt bricht der Himmel ein als Gottes Hinzukommen zu denen, die ihr Geschöpfsein endivecken. Die Wahrheit lebt davon, dass sie zum Weg der Erkenntnis Gottes wird, der Gegensätze in der Einheit zu ihm überwindet.
Fragen:
Was macht die Gemeinde Jesu zur Kirche und was ist das Kennzeichen der Christen in der Weit?
Wie beten wir und was bedeutet es, dass Gebet und Zeugnis zusammen gehören?
Wie leben wir Liebe, die Angst überwindet und werden so unüberwindlich?
Gibt es eine Wahrheit ohne Gottesbezug?
Die Einheit in Gemeinde und Kirche lebt von der Erkenntnis Gottes was bedeutet dies für unseren Umgang mit Konflikten?

Literatur:
Ev. Erwachsenenkatechismus 6. Auflage S. 751 ff (Gebet)

© Pfarramt Ahrenshagen, 15.11.2002