Muß Krieg immer sein? Ist Frieden auf Erden möglich?

Martin Fischer 1959

Was soll die Frage? Die Bibel rechnet mit Kriegen, weil sie mit Sünde rechnet. Aber auf keiner Seite zieht sie daraus die Folgerung, daß es dabei zu bleiben habe, sondern sie nimmt den Kampf mit Sünde auf. Sie rechnet damit, daß Gott einen gehorsamen Glauben zu Ehren bringen kann - im Jüngsten Gericht, aber auch so, daß Gehorsam gegen die Gebote Gottes in wirklicher Liebe zum Menschen diesen Menschen hilft. Wer aus dem Satz, daß die Bibel mit Kriegen rechnet, die Konsequenz zieht, daß es keinen Sinn habe, Schritt für Schritt um die Überwindung der Kriege zu kämpfen, hat die Bibel mißbraucht.
Der allgemeine Satz, daß Kriege immer bleiben werden, verführt viele dazu, die Christenheit hoffnungslos, untätig und faul zu machen. In diesem Sinn kann der Satz trotz frommer Verbrämung sehr gottlos sein. Dann herrscht Resignation, und es ist möglich, daß Gott angesichts einer hoffnungslosen Christenheit Gehorsam und Hoffnung bei Samaritern und Heiden vorfindet. Dann bereitet sich Gericht vor (Hesekiel 9).
Aber nicht allgemeiner Pazifismus, so sehr er heute begründet sein könnte, führt zum Frieden, sondern ein behutsamer, sorgfältiger Dienst, der vernünftig geordnetes Leben ermöglicht. Zu diesem Dienst am Frieden gehört es, für den Gegner und die Erhaltung seiner Lebensmöglichkeiten mit zu denken, wie es jede verantwortliche Politik getan hat. Solange die öffentliche Meinung sich an diesem Dienst vergeht, liegt Gottes Zorn auf uns. Die Leichtfertigkeit, mit der Herz und Zunge der Menschen sich an Ehre und Leben des Menschen vergehen, zeigt die Entschlossenheit zum Kriege an und muß als Spiel mit dem Krieg gebrandmarkt werden. Es gibt Christen, die sich in der Darstellung ihrer Gegner und in der Hoffnungslosigkeit ihrer Argumentation der Sünde des Krieges verschrieben haben. Jede rechte Predigt bricht den Bann. Ohne eine solche Predigt gilt das grausame Wort- "Dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten (Matth. 24, 12). Die Christenheit gehorcht entweder gebannt der Ungerechtigkeit oder sie traut der Liebe Gottes und wagt selber liebzuhaben. Liebe aber ist fruchtbar in guten Werken. Zu diesen gehört die tägliche Bemühung um den Frieden.
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© Pfarramt Ahrenshagen, 15.01.2003

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