Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können

Martin Luther 1526

Anmerkung>> Die erläuternden Zwischenüberschriften in grüner Schrift stammen nicht von Luther!
Dem gestrengen und ehrenfesten Assa von Kram, Ritter, usw., meinem gewogenen Herrn und Freunde - Martin Luther.

Gnade und Friede in Christus! Gestrenger, ehrenfester, lieber Herr und Freund! Als Ihr anläßlich des letzten kurfürstlichen Einzuges in Wittenberg mit uns über den Stand der Kriegsleute spracht, wurde eine Reihe von Dingen vorgebracht, die das Gewissen angehen.

Daraufhin erbatet Ihr und andere von mir eine schriftliche, öffentliche Unterrichtung, weil es mehr gibt, die sich in diesem Stande belastet fühlen. Einige sind im Zweifel, andere aber erdreisten sich, überhaupt nicht mehr nach Gott zu fragen, und schlagen sowohl Seele wie Gewissen in den Wind. Ich habe selber solche Leute sagen hören, wenn sie daran denken sollten, dürften sie niemals mehr in den Krieg ziehen, gerade als wäre das Kriegführen eine so besondere Sache, daß man im Krieg weder an Gott noch an die Seele zu denken braucht, wo doch in Todesnöten und Gefahr am meisten an Gott zu denken und für die Seele zu sorgen ist.

Damit nun, soviel an uns liegt, den schwachen, einfältigen und zweifelnden Gewissen geraten werde und die Skrupellosen eine bessere Unterrichtung erfahren, habe ich Eure Bitte angenommen und dieses kleine Buch zugesagt. Denn wer mit einem guten, wohlunterrichteten Gewissen kämpft, kann gut kämpfen. Denn es kann nicht mißlingen: Wo ein gutes Gewissen ist, da ist auch großer Mut und ein tapferes Herz. Wo aber das Herz tapfer und der Mut getrost ist, da ist auch die Faust um so kräftiger und Mann und Roß frischer, alle Dinge geraten besser, und alle Ereignisse fügen sich auch besser zum Siege, den Gott dann auch gibt. Umgekehrt: Wo das Gewissen einfältig und unsicher ist, kann auch das Herz nicht tapfer sein, denn es ist nicht möglich, daß ein schlechtes Gewissen nicht feige und verzagt macht, wie Mose zu seinen Juden sagte: "Wenn du ungehorsam bist, wird Gott dir ein verzagtes Herz geben, so daß du, wenn du auf einem Wege gegen deine Feinde ausziehst, auf sieben Wegen zerstreut werden und kein Glück haben sollst" (5.Mose 28,20.25). So geschieht es, daß Roß und Mann faul und ungeeignet sind, daß kein Vorhaben gelingt und man zuletzt unterliegen muß. Mit den rohen, skrupellosen Gewissen aber, die dabei sind, die tollkühn und wagehalsig heißen, ergibt sich alles zufällig, entweder sie gewinnen, oder sie verlieren. Denn so, wie es denen geht, die ein gutes oder ein schlechtes Gewissen haben, geht es diesem rohen Vieh mit, weil sie eben mit in der Menge sind. Um ihretwillen wird kein Sieg gegeben. Sie sind die Schalen, aber nicht der richtige Kern des Heeres.

Dementsprechend schicke ich Euch nun diese meine Unterrichtung, so viel mir Gott verliehen hat, damit Ihr und andere, die gerne Soldaten sein möchten, sich zuzurüsten und zu unterweisen wissen, um auch Gottes Huld und das ewige Leben nicht zu verlieren. Gottes Gnade sei mit Euch. Amen.

Ich möchte mich fast rühmen, daß seit der Zeit der Apostel das weltliche Schwert und die Obrigkeit noch nie so deutlich beschrieben und gerühmt worden ist wie durch mich. Sogar meine Feinde müssen das zugeben. Und dafür habe ich doch als Lohn den ehrlichen Dank verdient, daß meine Lehre aufrührerisch und als gegen die Obrigkeit gerichtet gescholten und verdächtigt wird. Dafür sei Gott gelobt! Denn weil das Schwert von Gott eingesetzt worden ist, um die Bösen zu bestrafen, die Gerechten zu beschützen und den Frieden zu bewahren, Röm. 13,4; 1. Petr. 2,14, ist auch überzeugend genug bewiesen, daß Kriegführen und Töten von Gott eingesetzt sind und, was der Lauf des Krieges und das Kriegsrecht mit sich bringen. Was ist ein Krieg anderes als Strafe für das Unrecht und das Böse? Warum führt man Krieg, außer daß man Frieden und Gehorsam haben will?

Krieg ist ein Werk der Liebe, weil er den Frieden bewahrt
Obwohl es nicht so aussieht, daß Töten und Rauben Werke der Liebe sind, weshalb ein einfältiger Mensch denkt, das sei kein christliches Werk und gezieme sich nicht für einen Christen, so ist es in Wahrheit doch auch ein Werk der Liebe. Es ist so, wie wenn ein guter Arzt, wenn die Krankheit so schlimm und gefährlich ist, Hand, Fuß, Ohr oder Augen abnehmen und entfernen muß, um den Körper zu retten. Wenn man auf das Glied sieht, das er entfernt, scheint er ein grausamer, unbarmherziger Mensch zu sein. Wenn man aber auf den Körper sieht, den er damit erretten will, ergibt es sich, daß er in Wahrheit ein trefflicher, treuer Mensch ist und ein gutes, christliches Werk tut (soviel es an ihm selber liegt). So ist es auch: Wenn ich das Amt ansehe, das Krieg führt, wie es die Bösen bestraft, die, die Unrecht haben, tötet und solchen Jammer ausrichtet, da scheint es ein durchaus unchristliches Werk zu sein und in jeder Hinsicht gegen die christliche Liebe. Sehe ich aber darauf, wie es die Gerechten beschützt, Frau und Kind, Haus und Hof, Gut, Ehre und Frieden damit erhält und bewahrt, so ergibt es sich, wie wichtig und göttlich das Werk ist. Und ich merke, daß es auch ein Bein oder eine Hand abhaut, damit nicht der ganze Leib stirbt. Denn wenn nicht das Schwert entgegentritt und den Frieden bewahrt, müßte alles, was es in der Welt gibt, im Unfrieden verderben. Deshalb ist ein solcher Krieg nichts anderes als ein kleiner, kurzer Unfriede, der einem ewigen, unermeßlichen Unfrieden wehrt, ein kleines Unglück, das einem großen wehrt.

Das Schwertamt wird im Neuen wie im Alten Testament bestätigt
Dies bestätigt uns der größte Prediger und Lehrer nach Christus, nämlich Johannes der Täufer, der Luk. 3, als die Soldaten zu ihm kamen und fragten, was sie zu tun hätten, ihr Amt nicht verdammte, sie auch nicht anwies, es aufzugeben, sondern es vielmehr bestätigte und sagte: "Seid zufrieden mit eurem Solde, und tut niemandem Gewalt an oder Unrecht" (Luk. 3,14). Damit hat er das Amt, das Krieg führt, als solches gerühmt, gleichwohl aber dem Mißbrauch gewehrt und ihn verboten. Denn Mißbrauch betrifft nicht das Amt. Ebenso bekannte auch Christus, als er vor Pilatus stand, daß Kriegführen kein Unrecht sei, indem er sagte: "Wäre ich einer der Könige dieser Welt, so würden meine Diener dafür kämpfen, daß ich den Juden nicht ausgeliefert würde" (Joh. 18,36). Hierher gehören auch all die alten Kriegsgeschichten im Alten Testament z. B. Abraham, Mose, Josua, die Richter, Samuel, David und alle Könige des Volkes Israel. Sollte aber der Krieg und das Amt, das ihn führt, an sich unrecht sein oder Gott mißfallen, so müßten wir Abraham, Mose, Josua, David und alle anderen heiligen Väter, Könige und Fürsten verdammen, die Gott auch darin gedient haben und wegen dieses Tuns in der Schrift sehr gerühmt werden, wie allen, die in der Schrift etwas belesen sind, wohl bewußt ist. Deshalb braucht es hier nicht weiter bewiesen zu werden.

Hier möchte vielleicht jemand einwenden: Mit den heiligen Vätern hatte es eine andere Bewandtnis. Gott hatte sie von den anderen, den Heiden, durch seine Erwählung und sein Wort abgesondert und ihnen aufgetragen zu kämpfen; deshalb sei ihr Beispiel nicht hinreichend für einen Christen im Neuen Bunde; sie hätten Gottes Befehl für sich gehabt und im Gehorsam gegenüber Gott gekämpft; wir jedoch hätten keinen Befehl zum Kämpfen, sondern vielmehr zum Leiden und dazu, alles aufzugeben. Darauf ist durch den heiligen Petrus und Paulus deutlich genug geantwortet: Beide gebieten, auch im Neuen Bunde der menschlichen Ordnung und den Befehlen der weltlichen Obrigkeit gehorsam zu sein. Oben haben wir gehört, daß der heilige Johannes der Täufer als christlicher Lehrer die Soldaten christlich belehrte und sie dennoch Soldaten bleiben ließ, nur daß sie nicht mißbrauchen dürften, niemandem Unrecht oder Gewalt antun, sondern mit ihrem Solde zufrieden sein sollten. Deshalb ist auch im Neuen Testament das Schwert durch das Wort und den Befehl Gottes bestätigt, und diejenigen, die es recht gebrauchen und im Gehorsam kämpfen, dienen damit Gott und sind seinem Worte gehorsam (vgl. Röm.13,4).

Wenn sie kämpfen, tun sie es also nicht für sich noch um ihrer selbst willen, sondern im Dienst und Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, der sie unterstehen, wie der heilige Paulus an Titus schreibt: "Sie sollen der Obrigkeit gehorsam sein" (Tit. 3,1). Weiteres kannst du in der Schrift über die weltliche Obrigkeit lesen.

Denn das ist kurz zusammengefaßt dessen Aussage: An sich ist das Amt des Schwertes recht und eine göttliche, nützliche Ordnung, und Gott will, daß sie nicht verachtet, sondern gefürchtet und geehrt wird und Gehorsam genießt. Anderenfalls soll es nicht ungerächt bleiben, wie der heilige Paulus Röm. 13,2 schreibt. Denn er hat eine doppelte Herrschaft unter den Menschen aufgerichtet: eine geistliche, durch das Wort und ohne Schwert, wodurch die Menschen fromm und gerecht werden sollen, so daß sie mit dieser Gerechtigkeit das ewige Leben erlangen. Solche Gerechtigkeit bewirkt er durch das Wort, das er den Predigern aufgetragen hat. Die andere Herrschaft ist weltlich durch das Schwert, damit diejenigen, die nicht durch das Wort fromm und gerecht für das ewige Leben werden wollen, dennoch durch diese weltliche Herrschaft gezwungen werden, fromm und gerecht zu sein vor der Welt. Und solche Gerechtigkeit bewirkt er durch das Schwert. Und wiewohl er diese Gerechtigkeit nicht mit dem ewigen Leben belohnen will, entspringt sie dennoch seinem Willen, daß der Friede unter den Menschen erhalten bleibe. Und er belohnt sie mit zeitlichen Gütern. Denn deshalb gibt er der Obrigkeit so viel Besitz, Ehre und Macht, so daß sie davon zu Recht mehr als andere besitzt, damit sie ihm dient, diese weltliche Gerechtigkeit auszuüben. Also ist Gott selber sowohl für die geistliche wie für die leibliche Gerechtigkeit Stifter, Herr, Meister, Förderer und Belohner. Und es ist keine menschliche Ordnung und Gewalt dabei, sondern nur etwas Göttliches.

damit sie nicht ganz so viel Schlimmes anrichten, der Obrigkeit zugute und auch für sich selber zum Nutzen. Etliche sind sogar mitgezogen mit Erlaubnis ihrer Oberherren, die sie zuvor darum gefragt hatten. Und von solchen Fällen können sich noch viel mehr zugetragen haben, denn niemand kann sie alle ausdenken noch im Gesetz erfassen. Nun gut. Hier steht das Recht und sagt: Alle Aufrührer sind des Todes schuldig. Diese drei verschiedenen Leute sind auf frischer Tat unter den Aufständischen gefunden worden. Wie soll man mit ihnen verfahren? Sollen hier keine Ausnahmen gelten, soll das strengste, härteste Gesetz angewendet werden, so wie es äußerlich über die Tat urteilt, so müssen auch sie mit den anderen sterben, die zusammen mit der Tat ein schuldbeladenes Herz haben und mit Willen dabei waren, wohingegen jene ein unschuldiges Herz haben und einen guten Willen der Obrigkeit gegenüber. Einige von unseren Junkerlein haben ja so gehandelt, besonders den Reichen gegenüber, in der Hoffnung, etwas zu erpressen. Wenn sie nur zu ihnen sagen konnten: Du bist auch bei dem Haufen gewesen, du mußt hinweg. So haben sie vielen Leuten großes Unrecht getan, unschuldiges Blut vergossen, Witwen und Waisen gemacht und ihnen dazu noch den Besitz genommen. Und dennoch heißen sie "vom Adel". Ja freilich, "vom Adel". Aber auch der Dreck ist "vom Adel" und kann sich wohl rühmen, aus des Adligen Leib zu kommen, obwohl er stinkt und ohne Nutzen ist. So gut können wohl auch diese "vom Adel" sein. Wir Deutschen sind Deutsche und bleiben Deutsche, d. h. Säue und unvernüftige Bestien.
Aber er verdiente vor Gott und der ganzen Weit großes Lob und große Ehre auf ewig. Wenn nun David diesen Huschai als Aufrührer hätte hinrichten lassen, wäre das eine genauso löbliche Tat gewesen, wie sie jetzt unsere Fürsten und Junkerlein denselben unschuldigen, wohlverdienten Leuten antun.

Diese Tugend oder Weisheit, die auf diese Weise das strenge Gesetz lenken und prüfen kann und muß, je nachdem, wie sich die Fälle ergeben, und das gleiche gute oder böse Tun mit Rücksicht auf die unterschiedliche Absicht und die Herzen richtet, heißt auf Griechisch "Epikia", auf Latein "Equitas". Ich nenne sie "Billigkeit". Denn weil das Recht eindeutig mit klaren, kurzen Worten festgestellt werden muß, kann es gar nicht alle Zufälle und Hindernisse mit berücksichtigen. Deshalb müssen die Richter und Herren hier klug und gerecht sein und aus der Vernunft heraus die Billigkeit abwägen und entsprechend das Recht seinen Lauf nehmen oder aber zurücktreten lassen. Zum Beispiel gibt ein Herr seinem Gesinde bestimmte Anweisungen, was an diesem oder jenem Tage zu tun ist. Damit steht es dann fest: Wer das nicht tut oder einhält, wird bestraft werden. Nun kann es aber geschehen, daß einer krank wird oder sonst ohne seine Schuld verhindert wird. Da hört dann das Recht auf. Das wäre ein gar schlechter Hausherr, der seinen Knecht um dieser Unterlassung willen bestrafen wollte. In diesem Sinne müssen alle Gesetze, die sich auf eine Tat beziehen, der Billigkeit wie einer Herrin untergeordnet sein, um der mannigfachen, unzähligen und unsicheren Zufälle willen, die eintreten können und die niemand vorher beschreiben und erfassen kann.

Nun haben wir jetzt aber gesagt, die Billigkeit müsse die Herrin des Gesetzes sein und da, wo es die Zufälle erfordern, das Gesetz lenken, fordern oder zulassen, es zu übertreten. Deshalb fragt es sich hier, ob es auch billig sein könne, d. h., ob vielleicht ein Fall eintreten könnte, daß man diesem Gesetz entgegen der Obrigkeit ungehorsam sein und sich gegen sie stellen könne, sie absetzen oder gefangensetzen. Denn in den Menschen lebt ein Laster. Das heißt "fraus". Das bedeutet "List" oder "Tücke". Wenn das hört, daß Billigkeit über Recht geht, wie gesagt, so wendet es sich feindlich gegen das ganze Gesetz, sucht und grübelt Tag und Nacht, wie es unter dem Namen und mit dem Schein der Billigkeit zu Markte komme und sich verkaufe, damit das Recht zugrunde gehe und es selber das Liebe, Vertraute sei, das alles gut gemacht habe. Von daher kommt ein Sprichwort: "Inventa lege inventa est fraus legis" "Wo das Recht anfängt, findet sich auch bald die 'Jungfrau fraus'."
Aufruhr zu rechtfertigen, hat schlimme Folgen
Es ist wohl billig, einen Fürsten, König oder Herren, der wahnsinnig wird, abzusetzen und einzusperren, denn er ist ja fernerhin nicht mehr für einen Menschen zu halten, weil er den Verstand verloren hat. Ja, sprichst du, ein wütenderTyrann ist doch bestimmt auch wahnsinnig oder vielleicht für noch schlimmer zu halten als einer, der den Verstand verloren hat, denn er richtet viel mehr Schaden an usw. Hier wird die Antwort schwierig, denn solche Rede scheint sehr einleuchtend und will mit Gewalt auf Billigkeit hinaus. Und doch sage ich meine Meinung darüber, daß es mit einem Wahnsinnigen und einem Tyrannen nicht dasselbe ist. Denn der Wahnsinnige kann nichts Vernünftiges tun noch dulden, es besteht auch keine Hoffnung, denn das Licht der Vernunft ist erloschen. Dagegen ist ein Tyrann noch zu vielem fähig, z. B. weiß er, wenn er Unrecht begeht. Er hat noch ein Gewissen und Erkenntnisvermögen, und es besteht auch Hoffnung, daß er sich bessern kann, sich etwas sagen läßt, daß er sich belehren läßt und dem folgt. Bei einem Wahnsinnigen gibt es davon nichts. Er ist wie ein Klotz oder Stein. Außerdem gibt es dabei noch böse Folgen oder Beispiele: Wenn es gebilligt wird, Tyrannen zu ermorden oder zu verjagen, reißt es bald ein. Und es entsteht ein allgemeiner Mutwille, als Tyrannen auch solche zu schelten, die keine Tyrannen sind, und sie auch zu ermorden, wie es dem Pöbel in den Sinn kommt, wie uns das die römische Geschichte deutlich zeigt, wo sie manchen guten Kaiser allein deshalb töteten, daß er ihnen eben nicht gefiel oder nicht ihren Willen tat und sie Herren sein ließ und sich als ihr Knecht und Maulaffe verhielt. So geschah es dem Galba, Pertinax, Gordian, Alexander und anderen. Man darf dem Pöbel nicht zuviel pfeifen, er wird sonst gern toll. Es ist billiger, ihm zehn Ellen abzubrechen, als ihm in einem solchen Falle eine Handbreit, ja, die Breite eines Fingers einzuräumen. Und es ist besser, wenn ihm die Tyrannen hundertmal unrecht tun, als daß sie dem Tyrannen einmal unrecht tun. Denn weil ja das Unrecht gelitten werden muß, so ist vorzuziehen, durch die Obrigkeit zu leiden, als daß die Obrigkeit durch die Untertanen zu leiden hat. Denn der Pöbel besitzt und kennt kein Maß. In jedem einzelnen stecken wohl mehr als fünf Tyrannen, So ist es besser, von einem Tyrannen, d. h. von der Obrigkeit, Unrecht zu leiden als von unzähligen Tyrannen, d. h. vom Pöbel.
Auch Salomo lehrt in seinen Sprüchen und im Predigerbuch überall, dem Könige zu gehorchen und untertan zu sein (vgl. Spr. 24,21 - Pred. 10,20). Nun kann es niemand leugnen: Wenn sich die Untertanen gegen die Obrigkeit stellen, rächen sie sich selber und machen sie sich selber zum Richter. Und das ist nicht nur gegen Ordnung und Gebot Gottes, der sich Gericht und Rache selbst vorbehalten haf, sondern auch gegen jedes natürliche Gesetz und jede Billigkeit, wie man sagt: "Niemand darf sein eigener Richter sein" und auch: "Wer zurückschlägt, ist im Unrecht."

Tyrannei ist von Gott verhängt und schadet der Seele (gar)nicht, also kein Grund zum Aufruhr!
Hier will man vielleicht sagen: Ja, wie kann man von den Tyrannen alles leiden? Du räumst ihnen zuviel ein. Durch eine solche Lehre wird ihre Bosheit nur noch stärker und größer. Soll man es denn ertragen, daß eines jeden Frau und Kind, Leben und Besitz so gefährdet und geschändet wird? Wer kann etwas Redliches anfangen, wo man so leben soll? Ich antworte: Ich belehre doch nicht dich, der du tun willst, was dir gut dünkt und gefällt! Nur zu, tue, wonach dir dein Sinn steht, und töte alle deine Herren. Sieh zu, wie es dir gelingt. Ich belehre allein die, die gerne rechtschaffen handeln wollen. Solchen sage ich, daß der Obrigkeit nicht mit Ungesetzlichkeit und Aufruhr entgegengetreten werden darf, wie es die Römer, Griechen, Schweizer und Dänen getan haben. Sie haben wohl andere Möglichkeiten. Zuerst: Wenn sie sehen, daß die Obrigkeit ihrer eigenen Seele Seligkeit so geringachtet, daß sie wütet und unrecht tut, was kümmert es dich dann, daß sie dir deinen Besitz, dein Leben, deine Frau und dein Kind verderben? Deiner Seele kann sie doch nicht schaden. Sie schadet sich selber mehr als dir, weil sie ihre eigene Seele verdammt, worauf dann das Verderben ihres Lebens und Besitzes folgen muß. Meinst du nicht, daß es schon streng genug gerächt ist?

So verblendet, verkehrt und toll ist die Welt. Darum geht es auch so zu, wie es den Bauern im Aufruhr ergangen ist, welche die Sünde der Obrigkeit bestrafen wollten, als wären sie selber völlig rein und hätten keine Strafe verdient. Deshalb mußte Gott ihnen den Balken in ihrem Auge zeigen, damit sie den Splitter des anderen vergessen (vgl. Matth. 7,5).

Böse Obrigkeit ist stets von Aufruhr bedroht
Viertens. Die Tyrannen befinden sich in der Gefahr, daß sich, wie gesagt, aufgrund göttlicher Fügung die Untertanen erheben und sie töten oder verjagen. Denn wir lehren hier die, die das Rechte tun wollen, wovon sehr wenige gibt. Daneben bleibt gleichwohl die große Masse, Heiden, Gottlose und Nichtchristen, welche sich, wenn Gott es zuläßt, zu Unrecht der Obrigkeit widersetzen und Unglück anrichten, wie es die Juden, Griechen und Römer oft getan haben. Deshalb brauchst du nicht zu klagen, daß die Tyrannen und Obrigkeiten durch unsere Lehre sicher werden, Böses zu tun. Nein, sie sind gewiß nicht sicher. Freilich lehren wir so, daß sie sicher sein sollten, Gott gebe es, sie mögen nun Böses oder Gutes tun. Wir aber können ihnen diese Sicherheit nicht geben noch verschaffen, denn wir können die große Masse nicht zwingen, unserer Lehre zu folgen, wenn Gott nicht seine Gnade gibt. Wir können lehren, was wir wollen. Die Welt tut trotzdem, was sie will. Gott muß helfen, und wir müssen die belehren, die das Gute und Rechte tun wollen. Vielleicht können sie helfen, die große Menge aufzuhalten. Und was unsere Lehre angeht, so sitzen die Oberherren ebenso sicher, wie sie ohne sie sitzen. Denn leider geht es so, daß deine Klage nicht nötig ist, weil der größte Teil der Menge nicht auf uns hört und es allein bei Gott und in Gottes Hand liegt, die Obrigkeit zu erhalten, so wie er sie auch allein angeordnet hat. Auch das haben wir wohl im Bauernaufstand erfahren. Darum laß dich nicht dadurch beirren, daß die Obrigkeit böse ist. Ihr liegt die Strafe und das Unglück näher, als du wünschen kannst, wie es der Tyrann Dionys bekannte, um sein Leben stünde es, als hinge ihm ein bloßes Schwert an einem Seidenfaden über dem Kopf, während unter ihm eine große Feuersglut brennte.

Deshalb bitte ich nun für dich. Denn ich fürchte, wer nach dir kommt, nimmt mir auch die letzte Kuh mit allem, was ich habe. Ebenso berichten die Gelehrten von einem Bettler, der von Wunden bedeckt war, in denen viele Fliegen saßen, die ihn aussaugten und stachen. Da kam ein barmherziger Mensch, wollte ihm helfen und scheuchte die Fliegen alle von ihm weg. Er aber schrie und sagte: Ach, was tust du? Diese Fliegen waren nahezu voll und satt, so daß sie mir nicht mehr so viel Qual bereiteten. Nun kommen an ihrer Stelle hungrige Fliegen und werden mich viel mehr plagen.

Verstehst du diese Fabeln? Die Obrigkeit ändern und die Obrigkeit bessern sind zwei verschiedene Dinge, so weit getrennt wie Himmel und Erde. Das Ändern kann leicht geschehen. Das Bessern ist schwierig und gefährlich. Warum? Weil es nicht unserem Willen und Vermögen anheimgestellt ist, sondern allein in Gottes Willen und Hand liegt. Der tolle Pöbel aber fragt nicht viel, wie es besser werde, sondern nur danach, daß es anders werde. Wenn es dann schlimmer wird, will er wieder etwas anderes haben. Und so bekommt er Hummeln für Fliegen und zuletzt Hornissen für Hummeln. Die Frösche wollten vorzeiten auch nicht den Klotz als Herren leiden. Dafür bekamen sie den Storch, der sie auf den Kopf hackte und fraß. Es ist eine verdammte, verfluchte Sache mit dem tollen Pöbel. Niemand kann ihn so gut regieren wie die Tyrannen. Die sind der Knüppel, der dem Hund an den Hals gebunden wird. Könnten sie auf bessere Art zu regieren sein, würde Gott auch eine andere Ordnung über sie gesetzt haben als das Schwert und die Tyrannen. Das Schwert zeigt deutlich an, was für Kinder es unter sich hat, nämlich nichts als verdammte Schurken, wenn sie es zu tun wagten.

Sonst würdest du dem Urteil Gottes nicht entrinnen, der da spricht: "Die Rache ist mein" (Röm. 12,19), und "Richtet nicht!" (Matth. 7,1).

Und weil hierauf gerade das Beispiel des Königs von Dänemark zutrifft, den die von Lübeck und der Seestädte zusammen mit den Dänen vertrieben haben, will ich auch meine Antwort dazu sagen um derer willen, deren Gewissen hierin vielleicht falsch orientiert ist, und damit sich vielleicht einige besser besinnen und zur Erkenntnis kommen. Wohlan, es sei allerdings so: Der König ist ungerecht vor Gott und der Welt, und das Recht liegt ganz und gar auf seiten der Dänen und Lübecker. Das ist eine Sache für sich. Darüber hinaus nun die andere Seite, daß die Dänen und die Lübecker zugegriffen haben als Richter und Oberherrn des Königs und dieses Unrecht bestraft und gerächt haben. Damit haben sie sich das Recht und die Rache angemaßt. Und hier entsteht nun die Frage und geht es um das Gewissen: Wenn die Sache vor Gott kommt, wird er nicht fragen, ob der König ungerecht ist oder sie gerecht sind, denn das ist offenbar geworden. Sondern er wird so fragen: Ihr Herren von Dänemark und zu Lübeck, wer hat euch den Vollzug dieser Rache und Strafe befohlen? Habe ich es euch befohlen oder der Kaiser oder Oberherr? So legt Brief und Siegel vor und beweist es! Können sie das, so steht ihre Sache gut. Können sie es nicht, so wird Gott folgendermaßen urteilen: Ihr Aufrührer, die ihr mich bestehlen wollt, die ihr mir in mein Amt eingreift und anmaßend die göttliche Rache an euch gerissen habt, ihr seid schuldig laesae maiestatis divinae, d. h., ihr habt euch an der göttlichen Majestät versündigt und vergangen. Denn es ist zweierlei, im Unrecht sein und Unrecht bestrafen, ius et executio iuris, iustitia et administratio iustiliae, Recht und Unrecht haben ist jedermanns Sache. Aber Recht und Unrecht geben und sprechen ist Aufgabe dessen, der Herr ist über Recht und Unrecht. Und das ist Gott allein, der es an seiner Statt der Obrigkeit übergibt. Deshalb darf niemand es sich anmaßen, er sei denn gewiß, daß er dafür von Gott oder seiner Dienerin, der Obrigkeit (vgl. Röm. 13,4), einen Befehl hat.

Nicht, daß sich alle danach richten werden. Denn, wie gesagt, die große Menge richtet sich nicht nach Gottes Wort. Es ist ein verlorener Haufe, der nur für den Zorn und die Strafe Gottes vorgesehen ist. Sondern ich bin damit zufrieden, daß es sich einige zu Herzen nehmen und nicht mit den Dänen und Lübeckern gemeinsame Sache machen oder aber, wenn sie darin verwickelt gewesen sind, sich herauslösen und als an fremden Sünden beteiligt gefunden werden. Denn wir haben alle zusammen mehr als genug mit unseren eigenen Sünden zu tun.

Das Verbot des Krieges gegen die Obrigkeiten heißt nicht, daß diese ohne Tadel wären
Hier werde ich freilich wieder herhalten und meine Richte hören müssen, die da schreien: Oh, ich meine ja doch, das heißt getrost den Fürsten und Herren geschmeichelt. Kriechst du nun zu Kreuze und suchst Gnade? Fürchtest du dich? usw. Wohlan, diese Hummeln lasse ich brummen und vorüberfliegen. Wer es kann, der mache es besser. Ich habe mir jetzt nicht vorgenommen, den Fürsten und Oberherren zu predigen. Ich meine wohl auch, solche Schmeichelei sollte mir schlechte Gnade einbringen wie jene über solche Schmeichelei nicht sehr froh sein werden. Denn ich setze ja, wie man hören konnte, ihren Stand einer großen Gefahr aus. Außerdem habe ich es an anderen Stellen genug betont, und es ist ja auch leider allzu wahr, daß der größte Teil der Fürsten und Herren gottlose Tyrannen und Feinde Gottes sind, die das Evangelium verfolgen und dazu mir ungnädige Herren und Junker sind. Aber danach frage ich auch nicht viel. Sondern ich lehre das, damit ein jeder selbst weiß, wie er sich in dieser Sache der Obrigkeit gegenüber zu verhalten hat, damit er tut, was Gott ihm befiehlt, die Oberherren aber lasse ich auf das Ihre sehen und dafür einstehen. Gott wird die Tyrannen und Oberen nicht vergessen. Er ist auch ihnen hinreichend gewachsen, wie er es vom Anfang der Welt bis heute bewiesen hat.

Gott aber läßt sich auf diese Weise nicht täuschen, und er hat sie mit diesem Beispiel gewarnt, ebenso ihrer Obrigkeit gehorsam zu sein. So sieht meine Heuchelei den Fürsten und Herren gegenüber aus.

Die Obrigkeit, hier der Adel, steht auch unter dem Gebot Gottes
Hier sagst du: Soll man das denn von einem Oberherren ertragen, daß er ein rechter Bösewicht ist, uns Land und Leute verderben lassen ? Um in der Sprache des Adels davon zu reden: Teufel, Veitstanz, Pest, Sankt Anton, Sankt Quirin! Ich bin vom Adel! Wer will es zulassen, daß mir ein Tyrann Frau Kind, Leben und Gut elendiglich zugrunde richte? Ich antworte: So höre doch! Ich belehre dich doch nicht! Fahre nur immer fort, du bist doch klug genug. An mir soll es nicht liegen. Es kostet mich nicht mehr Mühe, als daß ich dir zusehe, wie du ein solches hohes Lied heraussingst. Den anderen, die sich gern ihr gutes Gewissen bewahren wollen, sagen wir folgendes: Gott hat uns in der Welt der Herrschaft des Teufels unterworfen. Wir haben hier also kein Paradies, sondern müssen zu jeder Stunde auf alles Unglück gefaßt sein an Leib,Weib, Kind, Gut und Ehre. Und wenn in einer Stunde nicht zehn Unglücksfälle eintreten, ja, wenn du eine Stunde leben kannst, sollst du sagen: Oh, welch große Güte erweist mir Gott, daß mir in dieser Stunde nicht alles Unglück zustößt! Wie geht das zu? Dürfte ich doch unter der Herrschaft des Teufels nicht eine selige Stunde erleben, usw. So belehren wir die Unseren. Du aber kannst für dich etwas anderes machen: Baue dir ein Paradies, wo der Teufel nicht hinkommen kann, damit du von keinem Tyrannen solches Wüten zu erwarten brauchst. Wir wollen zusehen. Ach, uns geht es viel zu gut. Uns sticht der Hafer. Wir kennen Gottes Güte nicht und glauben weder, daß Gott uns so behütet, noch daß der Teufel so böse ist. Nichts als böse Kerle wollen wir sein und doch von Gott nur Gutes haben.
Davor hüte dich! Gott lügt nicht! Und laß dir gesagt sein, daß du Wollen und Müssen, Lust und Notwendigkeit, Freude am Krieg und Kampfeswillen sehr weit auseinanderhalten mußt, Laß dich ja nicht in die Versuchung führen, du seist dem türkischen Kaiser gleich. Warte so lange, bis die Not und das Muß kommen, ohne die Lust und den Willen. Du wirst dennoch genug zu tun haben und genug zu kämpfen bekommen; damit du sagen kannst und dein Herz sich rühmen kann: Wohlan, wie gerne wollte ich doch Frieden haben, wenn meine Nachbarn wollten. Dann kannst du dich mit gutem Gewissen wehren. Denn da steht Gottes Wort: "Er zerstreut, die Freude am Kriege haben" (Ps. 68,31 ). Achte auf die richtigen Krieger, die bei dem Spiel dabei gewesen sind. Die ziehen nicht schnell, trotzen nicht, haben keine Lust zum Schlagen. Wenn man sie aber zwingt, so daß sie müssen, so hüte dich vor ihnen! Da spaßen sie nicht! Ihr Messer steckt fest. Wenn sie es aber ziehen müssen, kommt es nicht ohne Blut wieder in die Scheide! Umgekehrt ist es mit den tollen Narren, Die führen den Krieg zuerst mit Gedanken, beginnen trefflich, fressen die Welt mit Worten und ziehen als erste das Messer. Sie sind aber auch die ersten, die fliehen und das Messer einstecken. Rom, das mächtige Kaiserreich, hat am allermeisten dadurch gewonnen, daß es gezwungen war, Kriege zu führen. Denn ein jeder wollte sich mit ihnen anlegen und dabei Lorbeeren ernten. Deshalb mußten sie sich wehren und schlugen denn auch weidlich um sich. Hannibal, der Fürst aus Afrika, tat ihnen immerhin sehr weh, so daß er sie beinahe zunichte gemacht hatte. Aber, was soll ich sagen? Er hatte angefangen, und er mußte auch aufhören. Der Mut blieb bei den Römern, obwohl sie verloren. Wo aber der Mut bleibt, da folgt bestimmt auch die Tat. Denn es ist Gott, der da handelt. Und der will Frieden haben und ist feind denen, die Krieg anfangen und den Frieden brechen.
Allerdings: Als dieselben Königreiche anfingen und das Volk Gottes zwangen, sich zu wehren, mußten sie alle zugrunde gehen (vgl. 4. Mose 21,21 ff.). Oh, Sichwehren ist ein redlicher Grund zum Kämpfen. Deshalb billigen auch alle Rechtsordnungen, daß Notwehr unbestraft bleiben soll. Wer aus Notwehr jemanden erschlägt, ist vor jedermann unschuldig. Umgekehrt: Als die Kinder Israel ohne Notwendigkeit die Kanaaniter schlagen wollten, wurden sie geschlagen, 4. Mose 14,45. Und als Joseph und Asarja kämpfen wollten und Ehre suchten, wurden sie geschlagen, 1. Makk. 5,55 ff. Amazja, der König von Juda, wollte auch aus Lust gegen den König von Israel Krieg führen. Wie es ihm aber erging, das lies im 2. Buch der Könige, Kapitel 14. Ebenso fing der König Ahab gegen die Syrer an zu Ramoth. Aber er verlor und fand den Tod, 1. Kön. 22. Und die von Ephraim wollten Jephthah fressen und verloren 42 000 Mann (Richt. 12). Und immer so weiter findest du, daß fast immer die verloren haben, die angefangen hatten. Der heilige König Josia mußte erschlagen werden, weil er Streit gegen den König von Ägypten begann (vgl. 2. Kön. 23). Er mußte den Spruch wahr bleiben lassen: "Der Herr zerstreut, die Freude am Kriege haben" (Ps. 68,31 ). Von daher haben auch meine Landsleute, die vom Harz, ein Sprichwort: "Ich habe doch wahrhaft gehört: Wer schlägt, wird wieder geschlagen." Und warum das? Doch deshalb, weil Gott die Welt mit Strenge regiert und das Unrecht nicht unbestraft läßt. Wer Unrecht begeht, es aber nicht büßt und seinem Nächsten dafür keine Genugtuung verschafft, der erhält seine Strafe von Gott, so gewiß er lebt. Ich meine, der Müntzer mußte das mit seinen Bauern auch bekennen.
Und das aus dem Grunde: Ein jeder Herr und Fürst ist verpflichtet, die Seinen zu beschützen und ihnen Frieden zu verschaffen. Das ist sein Amt. Dafür hat er das Schwert, Röm. 13,4. Das soll auch seines Gewissens sein, worauf er sich verlassen kann, damit er weiß, daß dieses Tun vor Gott recht und von ihm aufgetragen ist. Denn ich lehre jetzt nicht darüber, was die Christen tun sollen, denn uns Christen geht eure Herrschaft nichts an. Aber wir dienen euch und sagen, was ihr in eurer Herrschaft vor Gott tun sollt. Ein Christ ist eine Person für sich. Er glaubt für sich selbst und für sonst niemanden. Ein Herr aber und Fürst ist keine Person für sich, sondern er ist für andere da, um ihnen zu dienen, d. h., sie zu beschützen und zu verteidigen. Freilich wäre es gut, wenn er dazu auch noch Christ wäre und an Gott glaubte. Dann wäre er wohl glückselig. Aber Christsein ist nicht fürstlich. Deshalb können wenige Fürsten Christen sein, so wie man sagt: "Ein Fürst ist Wildbret im Himmel." Wenn sie nun gleich nicht Christen sind, sollen sie dennoch rechtschaffen und richtig handeln gemäß der äußeren Ordnung Gottes. Das verlangt er von ihnen.
Auch einen Abwehrkrieg darf man nicht leichtfertig sondern nur in Gottesfurcht führen
Das sei nun also das erste Stück in diesem Punkte. Das andere ist genauso nötig zu merken: Wenn du gleich gewiß und sicher bist, daß nicht du anfängst, sondern zum Kriege gezwungen wirst, mußt du dennoch Gott fürchten und vorAugen haben und darfst nicht einfach darauflos handeln - Ja, ich werde gezwungen, ich habe gute Gründe, Krieg zu führen -, dich darauf verlassen wollen und tollkühn hineinspringen. Das führt zu nichts. Es ist wahr, du hast gute Gründe fürden Krieg und dafür, dich zu wehren. Deswegen hast du aber noch nicht Brief und Siegel von Gott, daß du gewinnen wirst. Ja, eben dieser Trotz sollte wohl der Grund für deine Niederlage werden, obwohl du gerechte Gründe für den Krieg hast. Denn Gott kann weder Stolz noch Trotz leiden, es sei denn von dem, der sich vor ihm demütigt und ihn fürchtet. Daß man sich vor Menschen und vor dem Teufel nicht fürchtet, daß man tapfer und trotzig, mutig und entschieden ihnen gegenüber ist, wenn sie anfangen und unrecht haben, das gefällt ihm gut. Daß damit aber gewonnen sein soll, als wären wir es, die alles tun oder ausrichten, daraus wird nichts. Sondern er will gefürchtet sein und hören, daß von Herzen dieses Lied gesungen wird: "Lieber Herr, mein Gott, du siehst, daß ich Krieg führen muß. Ich möchte es lieber lassen. Ich baue auch nicht auf die gerechte Sache, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit. Denn ich weiß, wenn ich mich auf die gerechte Sache verlasse und darauf poche, könntest du wohl mich billig fallenlassen als einen, der gerechterweise fällt, weil ich mich auf mein Recht und nicht auf deine Gnade und Güte allein verlasse."
Nun, die Heiden haben es erfahren und gelehrt. Sie wußten aber keine Ursache und keinen Grund dafür anzugeben, außer daß sie dem Glück die Schuld gaben, vor welchem sie sich gleichwohl fürchten mußten. Grund und Ursache dafür sind aber, wie ich gesagt habe, daß Gott in allen und durch alle diese Geschichten bezeugt haben will, daß er auch in diesen Dingen gefürchtet sein will, daß er keinen Trotz, keine Verachtung, keine Vermessenheit oder Sicherheit leiden kann und will, bis wir lernen, alles, was wir haben wollen und dürfen, durch lauter Gnade und Barmherzigkeit aus seinen Händen zu nehmen. Es ist deshalb eine wunderliche Sache: Ein Soldat, der einen gerechten Grund hat, muß gleichzeitig mutig und verzagt sein. Wie will er kämpfen, wenn er verzagt ist? Streitet er aber unverzagt, so schwebt er erneut in großer Gefahr. Er verhalte sich aber so: Vor Gott sei er verzagt, furchtsam und demütig, ihm befehle er seine Sache, damit er es nicht nach unserem Rechte, sondern nach seiner Güte und Gnade füge, damit man zuvor mit einem demütigen, furchtsamen Herzen Gott gewinne. Den Menschen gegenüber sei man mutig, frei und trotzig, weil sie ja unrecht haben. Sie soll man also mit trotzigem, getrostem Gemüte schlagen. Denn warum sollen wir uns nicht unserem Gott gegenüber so verhalten wie die Römer, die größten Krieger auf Erden, zu ihrem Abgott, dem Glück, vor dem sie sich fürchteten? Und wo sie das nicht taten, kämpften sie in großer Gefahr und wurden schwer geschlagen.
Die Obrigkeit darf ihre Untertanen strafen
Der dritte Punkt: Darf ein Höhergestellter mit Recht gegen einen Untergebenen Krieg führen? Oben haben wir gehört, daß die Untertanen gehorsam sein und von ihren Tyrannen auch das Unrecht leiden sollen. Wenn es rechtmäßig zugeht, hat die Obrigkeit mit ihren Untertanen nichts anderes zu tun, als das Recht zu bewahren, Gericht zu halten und Urteile zu fällen. Wenn sie sich aber empören und auflehnen, wie es jüngst die Bauern taten, ist es recht und billig, gegen sie mit Gewaltvorzugehen. Ebenso darf auch ein Fürst gegenüber seinem Adel und der Kaiser den Fürsten gegenüber handeln, wenn sie sich auflehnen und Krieg anfangen. Aber auch das muß mit Gottesfurcht geschehen. Man darf sich nicht zu trotzig auf das Recht verlassen, damit Gott es nicht so fügt, daß die Oberherren - auch durch Unrecht - von ihren Untertanen bestraft werden, wie es oft geschehen ist. Wir haben es oben gehört. Denn im Recht sein und das Recht vollstrecken sind nicht stets beieinander, ja niemals, wenn Gott es nicht gibt. Wenn es deshalb auch rechtens ist, daß sich die Untertanen ruhig verhalten, alles dulden und sich nicht empören, so liegt es doch nicht in der Menschen Hand, daß sie es auch tatsächlich tun. Denn Gott hat es für die "Unterperson" so eingerichtet, daß sie einzeln, ganz für sich allein steht. Er hat ihr das Schwert genommen und es unter Verschluß gelegt. Wenn sie sich also zusammenrotten, andere an sich binden und das Schwert an sich reißen, so sind sie vor Gott des Gerichts und des Todes schuldig.
Darf man in fremdem Sold und nicht nur aus Pflichterfüllung gegen den eigenen Herrn kämpfen?
Das sei zu diesen drei Punkten gesagt. Nun kommen die Fragen dazu. Kein König oder Fürst kann ja allein Krieg führen. (Er braucht Leute und Truppen dazu, die ihm dienen, so wie er ja auch nicht selber Gericht halten und das Gesetz durchsetzen kann, sondern dazu Räte, Richter, Rechtsgelehrte, Aufseher, Henker und was zum Gericht gehört, braucht.) Man fragt, ob es recht sei, daß jemand Sold annimmt oder, wie sie es nennen, Dienstgeld oder Manngeld und sich damit anstellen läßt, sich also verpflichtet, dem Fürsten zu dienen, wenn es die Zeit erfordert, wie es der Brauch jetzt ist. Um hierauf zu antworten, teilen wir die, die im Kriege dienen. Einerseits sind es Untertanen, die ohnehin ihrem Oberherren verpflichtet sind, ihm mit Leben und Eigentum beizustehen und ihrem Aufgebot zu folgen. Vor allem der Adel und die, weiche von der Obrigkeit Lehensgüter besitzen. Denn die Güter, welche Grafen, Herren und die Adligen besitzen, sind früher durch die Römer und die römischen Kaiser in der Weise verteilt und verliehen worden, daß diejenigen, die sie innehaben, stets gerüstet und bereit zu sein hatten, der eine mit soundso viel Pferden und Männern, der andere mit so viel, je nach der Größe des Besitzes. Die Güter waren ihr Sold, für den sie angestellt waren. Deshalb heißen sie auch Lehensgüter, und aus dem Grunde sind sie noch mit solchen Verpflichtungen verbunden. Der Kaiser läßt solche Güter vererben. Und das ist im Römischen Reiche auch alles recht und geordnet. Der Türke aber läßt, wie man sagte, keine Erbfolge zu. Er duldet kein erbliches Fürstentum, keine Grafschaft, kein Rittergut oder Lehensgut, sondern setzt ein und vergibt, wann und wem er will. Deshalb besitzt er auch so übermäßig viel an Gold und Reichtümern und ist der absolute Herr im Lande oder vielmehr ein Tyrann.
Unnütze Leute aber, die weder zum Wehren noch zum Ernähren taugen, sondern nur verzehren, faulenzen und untätig sein können, soll man nicht dulden, sondern aus dem Lande jagen oder zum Arbeiten anhalten, so wie es die Bienen tun, die die Drohnen wegstechen, die nicht arbeiten und den anderen Bienen ihren Honig wegfressen. Deshalb nennt Salomo in seinem Predigerbuch die Könige "Bauleute, die das Land bauen" (Pred. 5,8), denn das soll ihre Aufgabe sein. Gott aber behüte uns Deutsche davor, nicht zu schnell klug zu werden und so zu handeln, damit wir noch eine Weile gute Verzehrer bleiben und Ernährer und Wehrer sein lassen, wer eben Lust dazu hat und es nicht umgehen kann.

Daß diese ersten nun mit Recht ihren Sold und ihr Lehensgut besitzen und auch recht daran tun, ihren Herrn im Kriege zu helfen und ihnen auf diese Weise zu dienen, so wie sie es schuldig sind, das hat Johannes der Täufer bestätigt Luk. 3,14: Als die Soldaten ihn fragten, was sie zu tun hatten, antwortete er: "Begnügt euch mit eurem Sold." Denn wäre ihr Sold unrecht oder ihr Dienst widergöttlich, so hätte er ihn nicht so bleiben lassen, erlauben und bestätigen dürfen, sondern als ein göttlicher, christlicher Lehrer hätte er sie tadeln und davon abhalten müssen. Und damit ist denen geantwortet, die aus einem engen Gewissen heraus (obwohl es das in diesem Volke jetzt selten gibt) behaupten, es sei gefährlich, um zeitlichen Gutes willen einen solchen Dienst anzunehmen, der in nichts anderem besteht als im Blutvergießen und darin, seinem Nächsten Leid zuzufügen, so wie es der Lauf des Krieges mit sich bringt. Diejenigen müssen nämlich ihr Gewissen so unterrichten, daß jene solch ein Amt nicht aus Leichtsinn, Lust oder Haß versehen, sondern weil es ein Auftrag von Gott ist und sie es ihrem Fürsten und Gott gegenüber schuldig sind. Und weil es ein rechtes Amt ist, von Gott angeordnet, gebührt jedem sein Sold und Lohn dafür, wie Christus Matth. 10,10 sagt: "Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert."

Läßt du die Habsucht und andere schlechte Absichten, so ist der Kriegsdienst keine Sünde. Nimm dafür deinen Sold und was dir gegeben wird. Deshalb habe ich oben gesagt, daß dieses Werk an sich recht und göttlich ist. Wenn aber die Person unrecht ist oder ihren Auftrag nicht rechtschaffen wahrnimmt, wird auch das Werk unrecht.

Wie ist es mit einem Herrn, der im Unrecht ist?
Eine andere Frage: Was wäre, wenn mein Herr unberechtigt Krieg führte? Die Antwort: Wenn du sicher bist, daß er unrecht hat, so sollst du Gott mehr fürchten und gehorchen als den Menschen, Apg. 5,29, und sollst nicht mitkämpfen noch dienen, denn du kannst ja kein gutes Gewissen vor Gott haben. Ja, sagst du, mein Herr zwingt mich, er nimmt mir mein Lehen, gibt mir mein Geld, den Lohn und Sold nicht, außerdem würde ich verachtet und verleumdet als einer, der sich fürchtet, ja, der treulos ist vor der Welt, der seinen Herrn in der Not verläßt usw. Die Antwort: Das mußt du riskieren und um Gottes willen fahrenlassen, was dir genommen wird. Er kann es dir wohl hundertfältig wiedergeben, wie er es im Evangelium verheißt: "Wer um meinetwillen Haus, Hof, Frau und Besitz verläßt, der soll es hundertfältig wiederbekommen" (vgl, Mark. 10,29 f.). Solcher Gefahr muß man doch bei allem anderen Tun ebenfalls gewärtig sein, wo uns die Obrigkeit zwingt, unrecht zu handeln. Weil Gott aber will, daß man um seinetwillen auch Vater und Mutter verläßt, so muß man freilich um seinetwillen auch den Herrn verlassen usw. Wenn du aber nicht weißt oder nicht erfahren kannst, ob dein Herr unrecht hat, sollst du den klar gebotenen Gehorsam nicht um des nicht sicher feststellbaren Rechtes willen in Frage stellen, sondern, wie die Liebe es tut, das Beste von deinem Herrn vermuten. Denn "die Liebe glaubt alles", und "sie denkt nichts Böses", 1. Kor. 13,7.5. So bist du sicher und handelst auch recht vor Gott. Verleumdet man dich deswegen und schilt dich treulos, so ist es besser, wenn Gott dich treu und redlich preist, als wenn die Welt es tut. Was könnte es dir helfen, wenn die Welt dich für Salomo oder Mose hielte, du aber vor Gott für so böse giltst wie Saul oder Ahab?

Hier darf nicht auf eine Person gesehen werden, sondern allein auf Gott. Hier ist auch um Gottes willen ein weiteres Mal zu ertragen, daß einer für undankbar gehalten und verachtet wird. Denn es gilt hier die wirkliche Entschuldigung, nämlich Gott und das Recht, und die dulden nicht, dem, der uns am liebsten ist, zu dienen und den, der uns unwert erscheint, zu verlassen. Obwohl der alte Adam das nicht gerne hört, soll es dennoch so sein, wenn anders es recht sein soll. Denn gegen Gott ist nicht zu streiten. Wer aber gegen das Recht kämpft, der kämpft gegen Gott, der alles Recht setzt, ordnet und schützt.

Um der Ehre willen in den Krieg zu ziehen, ist verwerflich
Die vierte Frage: Was soll man von einem sagen, der nicht nur um des Besitzes willen, sondern auch um vergänglicher Ehre willen Kriegsdienste leistet, um ein tüchtiger Mann zu sein und auch als solcher angesehen zu werden? Die Antwort: Ehrsucht und Geldgier ist alles beides Habsucht. Eines ist genauso unrecht wie das andere. Wer Kriegsdienste leistet, getrieben von diesem Laster, der verdient sich die Hölle. Denn wir sollen allein Gott die Ehre lassen und geben und uns mit Sold und Nahrung begnügen (vgl. Luk. 3,14). Deshalb ist das eine heidnische und keine christliche Art, die Soldaten vor der Schlacht auf folgende Weise zu ermahnen: Liebe Leute, liebe Soldaten! Seid frisch und getrost, wir wollen, so Gott will, heute Ehre erwerben und reich werden. Sondern so, auf folgende Weise soll man sie ermahnen: Liebe Leute, wir sind hier versammelt im Dienst, in Pflicht und Gehorsam unserem Fürsten gegenüber, so wie wir es nach Gottes Willen und Ordnung schuldig sind, unserem Herrn mit Leben und Gut beizustehen, wie wohl wir vor Gott ebensolche armen Sünder sind wie unsere Feinde. Weil wir aber wissen oder doch nichts anderes wissen, als daß unser Fürst in dieser Sache recht hat, so sei ein jeder frisch und unverzagt und denke nichts anderes, als daß seine Faust Gottes Faust und sein Spieß der Spieß Gottes sei. Ein jeder schreie mit Herz und Mund: Hier Gott und Kaiser! Gibt uns Gott den Sieg, so sollen Ehre und Ruhm nicht uns zukommen, sondern ihm, der durch uns arme Sünder handelt. Die Beute aber und den Sold wollen wir nehmen als uns Unwürdigen durch seine göttliche Güte und Gnade geschenkt und gegeben und ihm dafür von Herzen danken. Und nun walte Gott und dran mit Freuden!

Deshalb ist ein großer Teil der Soldaten Eigentum des Teufels und einige so ganz von Teufeln besessen, daß sie ihre Kühnheit nicht besser zu beweisen wissen, als verächtlich über Gott und sein Gericht zu reden, als seien sie damit die richtigen Eisenfresser, daß sie abscheulich bei Christi Leiden schwören und fluchen und Gott im Himmel zu trotzen wagen. Es ist ein verlorener Haufe und die Spreu, so wie es auch in allen anderen Ständen viel Spreu und wenig Korn gibt.

Landsknechte sollten besser durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen
Daraus folgt, daß die Landsknechte, die in den Ländern umherirren und Krieg suchen, wo sie doch gut arbeiten und ein Handwerk ausüben könnten, bis sie gerufen werden, und also aus Faulheit oder getrieben durch ihr rohes, wildes Gemüt die Zeit verlieren, vor Gott nicht gut dran sein können. Denn sie können vor Gott für dieses Umherziehen weder Gründe vorbringen noch ein gutes Gewissen beweisen, sondern haben nichts als eine tollkühne Lust oder Leichtsinn zum Kriege oder zu einem freien wilden Leben nach Art solcher Leute. So müssen teilweise zuletzt auch Spitzbuben und Räuber aus ihnen werden. Wenn sie sich aber zur Arbeit bequemen oder in ein Handwerk begeben und ihr Brot verdienen würden, wie Gott es allen Menschen geboten und auferlegt hat, bis sie der Landesfürst aufbietet für sich selber oder erlaubt und wünscht, daß sie für einen anderen in den Krieg ziehen, so könnten sie sich mit gutem Gewissen aufmachen als solche, die wissen, daß sie diesen Dienst ihrem Oberherren zu Gefallen leisten, welches gute Gewissen sie sonst nicht haben könnten. Denn das soll doch für alle Welt ein Trost und eine Freude, ja auch ein gewichtiger Grund sein, die Obrigkeit zu lieben und zu ehren, daß uns Gott, der Allmächtige, die große Gnade erweist und uns die Obrigkeit als ein äußerliches Mal und Zeichen seines guten Willens hinstellt, wo wir gewiß sind, daß wir seinem göttlichen Willen gefallen und das Rechte tun, sooft und wenn immer wir nach dem Willen und Wunsche der Obrigkeit handeln. Denn er hat sein Wort und seinen Willen an sie geheftet und gebunden, wenn er spricht: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört" (Matth. 22,21 ), und Röm. 13, 1: "Ein jeder sei der Obrigkeit untertan."

Willst du darauf das Glaubensbekenntnis und ein Vaterunser sprechen, so kannst du es tun. Und damit laß es genug sein. Damit befiehl Leib und Seele in seine Hände. Und dann ziehe vom Leder und schlage dazwischen in Gottes Namen.

Wirklich christliche Soldaten wären unschlagbar
Wenn es viele solcher Soldaten in einem Heere gäbe, Lieber, wer, meinst du, würde ihnen etwas tun? Sie fräßen wohl die Welt ohne einen Schwertstreich. Ja, wenn nur 9 oder 10 von ihnen in einer Truppe wären, oder nur 3 oder 4, die mit rechtem Herzen so sprechen könnten, sollten sie mir lieber sein als alle Geschütze, Spieße, Rosse und Harnische. Und ich wollte den Türken mit aller seiner Macht kommen lassen. Denn der christliche Glaube ist kein Spaß noch ein geringes Ding, sondern, wie Christus im Evangelium sagt (Mark. 9,23): "Er vermag alles." Aber, Lieber, wo sind sie, die so glauben und so etwas tun können? Und wenn es die Menge nicht tut, müssen wir es dennoch lehren und wissen um derer willen (wie wenige es von ihnen auch gibt), die es tun werden. Denn "Gottes Wort geht nicht umsonst aus", sagte Jes. 55,11. Es bringt doch einige zu Gott. Die anderen, die diese heilbringende Lehre, die zu ihrer Seligkeit dient, verachten, die haben ihren Richter, dem sie antworten müssen. Wir sind entschuldigt und haben das Unsere getan.

Der Schluß
Hiermit will ich es jetzt bewenden lassen. Wollte ich auch über den türkischen Krieg noch etwas sagen, weil er uns so nahe gekommen war. Einige haben mir auch meine Worte vorgeworfen, ich hätte von einem Kriege gegen die Türken abgeraten. Nun wußte ich freilich längst, daß ich noch türkisch werden muß und es mir nicht hilft, daß ich so deutlich darüber geschrieben habe. Dazu habe ich auch in dem Büchlein "Die weltliche Obrigkeit" gelehrt, daß man als gleicher gegen einen gleichen sehr wohl Krieg führen darf. Weil der Türke aber wieder heimgezogen ist und unsere Deutschen nun nicht mehr danach fragen, ist es jetzt noch nicht Zeit, darüber zu schreiben.

Ich weiß selbst nicht, wie es sich hat so lange hinziehen können, hoffe aber, es möchte keine unfruchtbare Verzögerung gewesen sein und die Sache desto besser gefördert haben. Damit Gott befohlen.
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© Pfarramt Ahrenshagen, 22.03.2003



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