| Danach folgt die Auslegung des Vaterunsers. | Martin Luther: Kleine Erklärung des christlichen Glaubens Eyn kurtz Form der tzehen gepott Martini L. | Was Luther "kurtz form" nennt, ist eine betbare Langfassung! |
| Vorrede und Zurüstung zu den sieben Bitten, die wir an Gott richten "Vater unser, der du bist im Himmel" | Hiermit erkennen und erbitten wir: 0 allmächtiger Gott! Du hast uns deine Barmherzigkeit ganz umsonst erwiesen. Du hast uns nicht nur erlaubt, sondern durch deinen einzigen lieben Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, auch geboten und gelehrt, daß wir durch sein Verdienst und Vermittlung dich "Vater" nennen und als solchen ehren dürfen - und das, obwohl verdientermaßen aller Gerechtigkeit nach du ein strenger Richter über uns Sünder sein könntest, die wir so oft und schwer gegen deinen göttlichen allerbesten Willen verstoßen und dich erzürnt haben. So gib uns durch dieselbe Barmherzigkeit die tröstliche Zuversicht in unser Herz, daß du uns als ein Vater lieb hast. Und laß uns empfinden den allerlieblichsten, süßen Geschmack kindlicher Geborgenheit, daß wir dich mit Freuden einen Vater nennen und dich als einen solchen lieben und in allen Nöten anrufen können. Behüte uns, daß wir deine Kinder bleiben und nicht verschulden, daß wir aus dir, unserem allerliebsten Vater, einen schrecklichen Richter und uns selbst aus deinen Kindern zu deinen Feinden machen. Du willst auch, daß wir dich nicht nur "Vater", sondern insgesamt, "unser Vater" anrufen und also alle einträchtig füreinander bitten sollen. Darum gib uns eine Liebe in Eintracht und Brüderlichkeit, damit wir uns alle miteinander wirklich als Brüder und Schwestern erkennen und achten und dich als unseren gemeinsamen lieben Vater ehren, damit wir für uns alle und für jeden einzelnen bitten, wie es Geschwister vor ihrem Vater tun. Laß niemanden unter uns das Seine suchen und den anderen vergessen vor dir, sondern allen Haß, Neid und Streit ablegen, damit wir als wirkliche und fromme Kinder Gottes einander liebhaben und also einträchtig nicht "mein Vater", sondern "unser Vater" sagen können. Dich bitten wir auch, weil du nicht ein leiblicher Vater, der auf Erden ist, sondern unser Vater im Himmel bist, der nicht stirbt und nicht unsicher ist und sich etwa selbst nicht helfen kann wie der irdische und leibliche Vater, wodurch du uns zeigst, ein wieviel besserer Vater du bist. Und du lehrst uns, wie gering im Vergleich zu dir vergängliche Vaterschaft, Vaterland, Freunde, Besitz, Fleisch und Blut zu achten sind. So gib uns o Vater, daß wir auch deine himmlischen Kinder sein können. Lehre uns, daß wir nur das Erbteil der Seelen und das ewige Erbe wahrnehmen (vgl. Kol. 1,12), damit uns das Vaterland und Gut, das wir auf Erden haben und ererben, nicht betrüge, umgarne und hindere und also gänzlich zu Kindern der vergängichen Welt mache; damit wir mit rechtem und wahrem Grund sagen können: "Vater unser im Himmel", und wirklich deine himmlischen Kinder sind. | |
"Geheiligt werde dein Name" | Hiermit bekennen und erbitten wir: 0 allmächtiger Gott, lieber himmlischer Vater! Dein heiliger Name wird leider in diesem elenden Jammerta1 so oft und auf so verschiedene Arten entheiligt, gelästert und geschmäht. Er wird mit vielen Dingen in Verbindung gebracht, an denen deine Ehre nicht ist, und ebenso in vielen Stücken und zu Sünden mißbraucht, so daß auch das schändliche Leben mit Recht eine Schande und Unehre deines heiligen Namens genannt werden muß. So gib uns also deine göttliche Gnade, daß wir uns vor dem allen hüten, was deinem heiligen Namen nicht zur Ehre und Lob gereicht. In diese erste Bitte gehören alle Psalmen und Gebete, mit denen man Gott lobt, ehrt, singt und dankt und alle Halleluja. | |
"Zu uns komme dein Reich" | Hiermit bekennen und erbitten wir: Dieses arme Leben ist ein Reich voller Sünde und Bosheit, worin der böse Geist Herr ist, Anfänger aller Bosheit und Sünde und selbst der Hauptbösewicht. Dein Reich aber ist ein Reich voller Gnade und Kraft. Darin ist Jesus Christus, dein lieber Sohn, Herr, Haupt und Anfang aller Gnade und Kraft, Darum hilf uns und sei gnädig, lieber Vater. Gib uns vor allem anderen einen rechten und beständigen Glauben an Christus und eine unerschrockene Hoffnung auf deine Barmherzigkeit gegen alle Verzagtheit unseres durch die Sünde geplagten Gewissens; eine grundgütige Liebe zu dir und zu allen Menschen. Behüte uns vor Unglauben, Verzweiflung und Neid. Hilf uns heraus aus der Genußsucht und Unkeuschheit und gib, daßwirgern enthaltsam in mancherlei sind. Hilf uns heraus aus Streit, Krieg und Unfrieden und laß die Kraft deines Reiches über uns kommen, den Frieden, die Einigkeit, die Ruhe. Hilf uns, daß nicht Zorn oder andere Bitterkeit in uns sein Reich baue, sondern durch deine Gnade in uns die Herzlichkeit brüderliche Treue, Freundschaft, Mildherzigkeit, Sanftmut usw. regieren. Hilf, daß keine verwirrende Traurigkeit und Schwermut in uns ist, sondern laß die Freude und Lust an deiner Gnade und Barmherzigkeit zu uns kommen. Und endlich: Hilf, daß alle Sünden von uns abgewendet werden und wir, von deiner Gnade, aller deiner Kraft und guten Werken erfüllt, dein Reich werden können, daß wir mit ganzem Herzen, Gemüte und Trachten, mit allen unseren Kräften, innerlich und äußerlich, Dir, deinen Geboten und deinem Willen gehorsam dienen und uns von Dir allein regieren lassen und nicht uns selbst noch Sinneslust, Welt oder Teufel folgen. Hilf, daß dieses dein Reich in uns anfange und täglich besser werde und zunehme. Hilf, daß uns nicht jene hinterlistige Bosheit überfällt, die Trägheit, die uns hindert, Gott zu dienen, damit wir nicht wieder zurückfallen. Gib uns vielmehr einen ernsten Vorsatz und die Kraft, nicht nur anfangsweise fromm zu sein, sondern mutig darin fortzuschreiten und zu vollenden, wie der Prophet betet: "Erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe oder faul werde in dem bei mir angefangenen wahren, guten Leben und der Feind also meiner wieder mächtig werde" (Ps. 13,4 f.). Hilf, daß wir also beständig bleiben und dein kommendes Reich dieses dein angefangenes Reich beschließe und vollende. Hilf uns heraus aus diesem sündlichen Leben von gefahrvoller Unbeständigkeit. Hilf uns, daß wir jenes Leben begehren und diesem feind werden. Hilf uns,daß wir den Tod nicht fürchten, sondern - wenn er kommt - begehren. Wende von uns ab, daß wir nur diesem Leben nachjagen und anhängen, damit in allen Dingen dein Reich bei uns wirklich wird. In diese zweite Bitte gehören alle Psalmen, Sprüche und Gebete, in denen man von Gott Gnade und Kraft erbiltet. | |
"Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden" | Hiermit bekennen und erbitten wir: Unser Wille ist, verglichen mit deinem Willen, niemals gut, sondern allezeit böse. Dein Wille aber ist immer der beste und auf das höchste zu lieben und zu begehren. Darum erbarme dich unser, lieber Vater, und laß nichts nach unserem Willen geschehen. Gib es und lehre uns, daß wir recht von Grund auf Geduld haben, wenn unser Wille gebrochen oder verhindert wird. Hilf, daß wir nicht zornig und böse werden, nicht fluchen, klagen, schreien, richten, verdammen, nicht Böses wünschen usw., wenn jemand etwas redet oder verschweigt, tut oder nicht tut, was unserem Willen entgegen ist. Hilf, daß wir denen, die gegen uns stehen und unseren Willen verhindern, in Demut weichen und also das, was wir wollten, fahrenlassen und sie loben, segnen und ihnen Gutes tun, weil sie deinen allerbesten göttlichen Willen gegen unseren vollbringen. Gib uns die Gnade, daß wir allerlei Krankheiten, Armut, Schmach und Verachtung, Leiden und Widerwärtigkeiten willig ertragen und in all dem erkennen, daß es dein göttlicher Wille ist, den unseren zu kreuzigen. Hilf uns, daß wir auch Unrecht gern erleiden und behüte uns davor, Rache zu üben. Laß uns nicht Böses mit Bösem vergelten und Gewalt mit Gewalt bekämpfen, sondern hilf, daß wir an diesem deinem Willen, der uns alles das zufügt, Wohlgefallen haben, dich loben und dir danken. Laß es uns nicht dem Teufel oder den bösen Menschen zurechnen, wenn etwas gegen unseren Willen geschieht, sondern allein deinem göttlichen Willen, der das alles ordnet, um unseren Eigensinn zu hindern, aber die Seligkeit in deinem Reich zu fördern. Hilf uns, daß wir willig und frohen Mutes sterben und den Tod, dann, wenn du es willst, gerne annehmen. Hilf, daß wir weder durch Ungeduld noch durch Verzagen dir ungehorsam werden. Hilf, daß wir alle unsere Glieder, die Augen, Zungen, Herzen, Hände und Füße, nicht ihren Gelüsten noch Verlangen überlassen, sondern daß sie in deinen Willen gefangen, gebunden und gebrochen werden. Behüte uns vor jedem bösen, widerspenstigen, störrischen, halsstarrigen, eigensinnigen und selbstsüchtigen Willen. Gib uns einen rechten Gehorsam und eine vollkommene, freie Gelassenheit in allen Dingen, den geistlichen und den weltlichen, den ewigen und den zeitlichen. Behüte uns vor dem entsetzlichen Laster der üblen Nachrede, der Verleumdung und auch davor, daß wir anderer Menschen Übeltaten richten, sie verdammen und verfluchen. 0 wende das große Unglück und die schwere Plage solcher Reden von uns ab. Lehre uns vielmehr, daß wir, sobald wir etwas sehen oder über andere etwas hören, das uns der Strafe wert erscheint und mißfällt, darüber schweigen, es vor anderen zudecken und nur dir klagen und deinem Willen anheim geben und also allen, die an uns schuldig geworden sind, von Herzen vergeben und Mitleid mit ihnen haben. Lehre uns erkennen, daß uns niemand einen Schaden antun kann, er schade sich denn selbst vor deinen Augen ohnehin tausendmal mehr, so daß wir dadurch mehr zum Erbarmen über ihn bewegt werden als zum Zorn, mehr ihn zu beklagen als uns zu rächen. Hilf, daß wir uns nicht freuen, wenn es denen schlecht geht, die nicht nach unserem Willen getan, die uns Leid zugefügt oder sonst durch ihr Leben unser Mißfallen erregt haben. Hilf aber ebenso, daß wir nicht betrübt sind, wenn es ihnen wohl ergeht. In diese dritte Bitte gehören alle Psalmen, Sprüche und Gebete, in denen man um Beistand gegen die Sünde und die Feinde bittet. | |
"Unser tägliches Brot gib uns heute" | Hiermit bekennen und erbitten wir: Das Brot ist unser Herr Jesus Christus, der die Seele speist und tröstet. Darum, o himmlischer Vater, gib Gnade, daß Christi Leben, sein Wort und Werk und seine Leidensgeschichte uns und der ganzen Welt gepredigt, bekannt und auch behalten werde. Hilf, daß wir in jeder Lebenslage sein Wort und Werk für alles, was taugt, als ein eindrückliches Beispiel und als einen Spiegel vorAugen haben. Hilf, daß wir uns im Leiden und in Widerwärtigkeiten durch sein Leiden und in seinem Kreuz stärken und trösten können. Hilf, daß wir unseren Tod durch seinen Tod im festen Glauben überwinden und also fröhlich dem, der uns liebt und den wir lieben und der uns vorangegangen ist, in jenes Leben folgen. Gib Gnade, daß alle Prediger dein Wort und Christus so verkünden, daß sie zu Förderung und Heil aller Welt predigen. Hilf, daß alle, die dein Wort verkündet hören, dadurch Christus kennenlernen und daran sich selbst erkennen und bessern. Erweise auch darin deine Gnade, daß alle fremde Predigt und Lehre, durch welche Christus nicht erkannt werden kann, aus der heiligen Kirche vertrieben wird. Erbarme dich über alle Bischöfe, Priester und Geistlichen und über alle Obrigkeit, daß sie, durch deine Gnade erleuchtet, uns recht lehren und leiten mit Wort und Vorbild. Behüte alle, die sich wenig zum Glauben halten, daß sie nicht ärger werden, wenn ihnen die Oberen ein schlechtes Beispiel geben. Behüte uns vor ketzerischen und abtrünnigen Lehren, damit wir in dem einen täglichen Brot, d. h. in der einmütigen Lehre und dem einen Wort Christi, einig bleiben. Lehre uns durch deine Gnade das Leiden Christi recht betrachten, von ganzem Herzen erfassen und in unser Leben hineinnehmen. Laß uns des heiligen und wahren Leibes Christi an unserem Ende nicht beraubt werden. Hilf, daß alle Priester das hochwürdige Altarsakrament würdig verwalten und es zur Besserung der ganzen Christenheit heilsam austeilen. Hilf, daß wir und alle Christen das heilige Altarsakrament zu seiner Zeit und unter deiner Gnade empfangen. Und, um es zusammenzufassen, gib uns unser tägliches Brot, damit Christus in uns und wir in ihm ewig bleiben (vgl. Joh. 15,4-7) und wir also dem Namen "Christen", mit dem wir nach ihm genannt sind, Ehre machen. In diese vierte Bitte gehören alle Gebete und Psalmen, in denen man für die Obrigkeit bittet, besonders aber auch jene, in denen für die falschen Lehrer, die Juden, die Ketzer und für alle Menschen gebetet wird, die in ihren Irrtümern befangen, auch für alle, die betrübt sind und ohne jeden Trost zu leiden haben. | |
"Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" | Diese Bitte hat einen Zusatz und eine Bedingung, daß wir nämlich zuvor unseren Schuldigern vergeben sollen. Wenn das geschehen ist, dann können wir sprechen: "Vergib uns unsere Schuld". Und in diesem Sinne ist oben in der dritten Bitte gebetet worden: "Dein Wille geschehe". Denn Gott will, daß man alles geduldig ertragen und nicht Böses mit Bösem vergelten, sich nicht rächen, sondern Böses mit Gutem vergelten soll, wie es unser Vater im Himmel tut, der "seine Sonne über die Frommen und über die Bösen aufgehen läßt und es regnen läßt über die, die ihm danken und die, die ihm nicht danken" (Matth. 5,45). Darum bitten wir: 0 Vater, tröste uns und unser Gewissen, das angesichts unserer Sünden und deines Gerichtes in furchtbare Schrecken gerät und noch erschrecken wird, jetzt und auch zuletzt an unserem Ende. Gib unseren Herzen deinen Frieden, so daß wir dein Gericht mit Freude erwarten können. Geh mit uns nicht in dein scharfes Gericht, denn dann wird kein Mensch für gerecht befunden werden (vgl. Ps. 143,2). Lehre uns, lieber Vater, daß wir uns nicht auf unsere guten Werke oder Verdienste verlassen noch uns mit ihnen trösten, sondern es allein auf deine grundlose Barmherzigkeit hin wagen und uns ihr völlig und fest anvertrauen. Desgleichen laß uns auch nicht verzagen, weil unser Leben strafwürdig und sündig ist, sondern deine Barmherzigkeit für höher, mehr und stärker halten als alles sonst in unserem Leben. Hilf allen Menschen, die in Todesnöten sind und durch solcherart Verzweiflung angefochten und geängstet werden. Und hilf ganz besonders dem N. N. und dem N. N. Erbarme dich auch all der armen Seelen, die im Fegefeuer sind, besonders des N. N. und des N. N. Vergib ihnen und uns allen unsere Schuld, tröste sie und nimm sie an in deiner Gnade. Erweise uns deine Güte anstelle unserer Bosheit, gleichwie du uns zu tun geboten hast. Gebiete dem erbarmungslosen bösen Nachredner zu schweigen, dem Ankläger, der unsere Sünden groß herausstellt, dem bösen Geist, jetzt und zuletzt bei unserem Ende und in allen Gewissensängsten, solange wir uns auch der bösen Nachrede enthalten und die Sünden der Menschen nicht groß herausstellen. Richte uns nicht nach der Anklage des Teufels und unseres verzagten Gewissens. Höre nicht auf die Stimmen unserer Feinde, die uns Tag und Nacht vor dir beschuldigen, wie auch wir nicht auf die hören wollen, die andere verleumden und anklagen. Nimm von uns die schwere Last aller Sünden und Gewissensnöte, damit wir mit einem unbeschwerten, fröhlichen Herzen und voller Zuversicht aus deiner Barmherzigkeit leben und sterben, ertragen und tätig sein können. In diese fünfte Bitte gehören alle Psalmen und Gebete, welche in Schuld die Barmherzigkeit Gottes anrufen. | |
"Und führe uns nicht in Versuchung" | Drei Versuchungen oder Anfechtungen gibt es für uns: das Fleisch, die Welt und den Teufel. Aus diesem Grund bitten wir: Lieber Vater, gib uns Gnade, damit wir die Gelüste des Fleisches bezwingen. Hilf, daß wir dem unmäßigen Essen, Trinken und Schlafen, dem Faulenzen und Müßiggang widerstehen. Hilf, daß wir durch Fasten, maßvolles Essen und einfache Kleidung, durch geregeltes Schlafen und Wachen und durch Arbeit dienstbar und bereit werden, gute Werke zu tun. Hilf uns, daß wir eine böse Neigung zur Unkeuschheit und alle Begierden und Gelüste mit Christus ans Kreuz schlagen und töten können und in keine Versuchung, die uns befällt, einwilligen und ihr nicht nachgeben. Hilf, daß es uns keine Versuchung, sondern ein Anlaß ist, die Keuschheit zu lieben und dich in deinen Geschöpfen zu loben, wenn wir einen schönen Menschen, ein schönes Bild oder irgendein anderes Kunstwerk sehen. Hilf, daß wir nicht unsere Gelüste, sondern dein Lob und deine Ehre darin suchen, wenn wir etwas Süßes und Liebliches hören oder empfinden. Behüte uns vor dem großen Laster des Geizes und davor, die Reichtümer dieser Welt zu begehren. Behüte uns davor, die Ehre und Macht dieser Welt zu suchen oder in Versuchungen durch sie einzuwilligen. Behüte uns, daß wir durch Untreue, falschen Schein und Versuchungen in der Welt nicht bewegt werden, es ihr gleich zu tun. Behüte uns, daß wir von den Bosheiten und Widerwärtigkeiten in der Welt nicht zu Ungeduld, Rache, Zorn oder anderen Untugenden hingerissen werden. Hilf, daß wir dem Lug und Trug, den Versprechungen und der Falschheit der Welt und all ihrem Guten und Bösen absagen und darauf verzichten - wie wir es bereits im Taufbekenntnis versprochen haben - und darin fest stehen und täglich mehr und mehr zunehmen. Behüte uns vor den Einflüsterungen des Teufels, damit wir nicht auf Grund von Reichtum, Macht, Kunstfertigkeit, Adel, Schönheit und von anderen deiner Gaben hochmütig werden und der Selbstgefälligkeit und Verachtung anderer stattgeben. Behüte uns, damit wir nicht aus irgend einem Grund in Haß und Neid verfallen. Behüte uns, daß wir weder jetzt noch bei unserem Ende der Anfechtung des Glaubens, der Verzweiflung, nachgeben. Laß dir, himmlischer Vater, alle die anbefohlen sein, die gegen diese große, vielfältige Anfechtung streiten und arbeiten. Stärke die, die ihr widerstehen. Hilf denen wieder auf, die in ihr gefallen sind und daniederliegen. Und gib uns allen deine Gnade, damit wir in diesem gefährdeten, unsicheren Leben, in dem wir zu jeder Stunde von so vielen Feinden umgeben sind, mit einem edlen und festen Glauben beständig fechten und die ewige Krone empfangen (vgl. Jak. 1,12; 1. Petr. 5,4). | |
"Sondern erlöse uns von dem Bösen" | In dieser Bitte wird (um Bewahrung) vor allem Bösen durch Peinigung und Strafe gebeten, wie es die heilige Kirche auch in den Litaneien tut. Erlöse uns, o Vater, von deinem ewigen Zorn und den Qualen der Hölle. Erlöse uns von deinem strengen Urteilsspruch nach dem Tode am Jüngsten Tage. Bewahre uns vor einem plötzlichen und gewaltsamen Tod. Behüte uns vor Überschwemmung und Feuersbrunst, vor Blitz und Hagel. Behüte uns vor Hungersnot und Zeiten der Teuerung. Behüte uns vor Kriegen und Blutvergießen. Behüte uns vor deinen großen Plagen (vgl. 2. Mose 9,14 ff.), vor der Pest, schlimmen Seuchen und anderen schweren Krankheiten. Behüte uns vor allen Übeln und Nöten des Leibes, jedoch so, daß in diesem allem dein Name geehrt, dein Reich vermehrt und dein göttlicher Wille geschehe. Amen. | An die Hölle glaubt ein guter Protestant nicht (mehr), das jüngsten Gericht wird, wie der Tod, nur zu gerne verdrängt. Ach da bleiben ja noch die diesseitigen Bedrohungen: Überschwemmung, Gift in der Nahrung, Krieg und Krankheiten. Bei diesen Bitten wird es eng mit der genannten Bedingung: ...jedoch so, daß in diesem allen dein Name geehrt werde ...! |
| Amen | Hilf Gott, daß wir alles, was wir erbitten, in Gewißheit empfangen. Und laß uns nicht daran zweifeln, daß du uns in allem erhört hast und erhören wirst, daß (deine Antwort) ja und nicht nein oder zweifelhaft ist. So sprechen wir fröhlich "Amen", das heißt, es ist wahr und gewiß. | |
© Pfarramt Ahrenshagen, 02.01.2003 | ||