Eyn kurtz Form der tzehen gepott Martini L.

Eyn kurtz form des Glabens.
Eyn kurtz form des Vatter unsers.

Anno 1520
Vorrede Es ist nicht ohne besonderen Grund geschehen, daß Gott einem jedem Christen, unter denen viele die Schrift nicht lesen können, geboten hat, die 10 Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser zu lernen und sie auswendig zu kennen. In diesen drei Stücken ist fürwahr alles, was in der Heiligen Schrift geschrieben steht und auch immer gepredigt werden mag, kurz, alles, was für einen Christen zu wissen nötig ist, gründlich und vollständig zusammengefaßt - und zwar in solcher Kürze und so verständlich, daß sich niemand beklagen oder vorschieben kann, es sei zuviel oder zu schwer zu behalten, was ihm nötig ist zur Seligkeit. Drei Dinge nämlich muß ein Mensch wissen, damit er selig werde: zum ersten, was er tun und lassen soll; zum zweiten, wenn er nun merkt, daß er es aus seinen Kräften heraus nicht tun oder lassen kann, wo erschöpfen und suchen und finden soll, damit er es dennoch tue und lasse; zum dritten, wie er es suchen und holen soll. Gleichwie bei einem Kranken ist es zuallererst nötig, daß er weiß, was er für eine Krankheit hat, d.h. was er tun und lassen und was er nicht tun und lassen kann. Danach ist es nötig, daß er weiß, woher er die Arzenei bekommen kann, die ihm hilft, damit er tun und lassen kann, was ein gesunder Mensch tut oder läßt. Und zum dritten muß er diese Arzenei haben wollen, d.h. sie suchen, holen oder sich bringen lassen.
So lehren die Gebote den Menschen seine Krankheit erkennen, daß ersieht und empfindet, was er tun und nicht tun, lassen und nicht lassen soll und sich so als einen Sünder, d. h. einen (durch die Abkehrvon Gott) verdorbenen Menschen erkennt.
Danach hält ihm das Glaubensbekenntnis vor und lehrt ihn, wo er die Arzenei, welche Gnade heißt, finden kann, welche ihm hilft, fromm zu werden, daß er die Gebote halten kann. So zeigt Gott dem Menschen also seine Barmherzigkeit, die er ihm in Jesus Christus entgegen bringt und anbietet
Und drittens lehrt das Vaterunser den Menschen, auf welche Art er diese Gnade begehren, ergreifen und sich aneignen soll, nämlich durch das im Glauben gesprochene, demütige und trostreiche Gebet. Dann wird sie ihm gegeben werden und er wird durch die Erfüllung der Gebote Gottes selig. Das sind die drei Dinge, um die es in der ganzen Heiligen Schrift geht.
Darum beginnen wir, zuerst von den Geboten zu lehren, damit wir unsere Sünde und Verderbtheit - das ist unsere geistliche Krankheit - erkennen, durch welche wir nicht tun und lassen können, was wir zu tun und zu lassen schuldig sind.
Anmerkung: Die Texte dieser Spalte sind nicht von Luther.
Sie bieten ein wenig Lese- und Denkhilfe.
Die erste und rechte Tafel des Moses Sie umfaßt die ersten drei Gebote, in denen der Mensch belehrt wird, was er gegenüber Gott zu tun und zu lassen schuldig ist, d. h., wie er sich zu Gott verhalten soll.
Das erste Gebot lehrt, wie sich der Mensch zu Gott innerlich in seinem Herzen verhalten soll, d. h., was er allezeit von ihm denken, halten und wie er ihn achten soll: daß Gott es nämlich ist, der ihm alles Gute zuteil werden laßt, und daß der Mensch ihn wie einen Vater und guten Freund mit seiner ganzen Treue, Liebe und seinem Glauben allezeit fürchten und nie beleidigen soll, ebenso wie ein Kind sich zu seinem Vater verhält. Denn das ist ja ganz natürlich (und eine allgemeine Auffassung), daß ein Gott ist, der alles Gute gibt und in allem Übel hilft. Daß es so ist, wird deutlich im Gegenüber zu den Götzen der Heidenvölker. Das Gebot lautet:
"Du sollst keine anderen Götter haben" (2. Mose 20,2; 5. Mose 5,7).
Das zweite Gebot lehrt, wie sich der Mensch gegenüber Gott äußerlich in seinen Worten verhalten soll, sei es in denen, die er zu anderen Menschen oder in denen, die er innerlich zu sich selbst spricht, daß er nämlich Gottes Namen ehre. Denn niemand kann Gott selbst - gemäß der Natur Gottes - die Ehre erweisen, weder vor anderen Menschen noch vor sich selbst, sondern nur seinem Namen. Das Gebot lautet:
"Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnütz im Munde führen" (2. Mose 20,7; 5. Mose 5,11).
Das dritte Gebot lehrt, wie sich der Mensch gegenüber Gott äußerlich in seinen Werken verhalten soll, daß er nämlich darin Gott dienen soll. Das Gebot lautet: "Du sollst den Feiertag heiligen" (2. Mose 20,8; 5. Mose 5,12).
So lehren diese drei Gebote den Menschen, wie er sich gegenüber Gott in seinen Gedanken, Worten und Werken verhalten soll, d.h. in seinem ganzen Leben.
 
Die zweite und linke Tafel des Moses Sie umfaßt die sieben restlichen Gebote, in denen der Mensch belehrt wird, was er den Menschen, d. h. seinen Nächsten, zu tun und lassen schuldig ist.
Das vierte Gebot lehrt, wie man sich gegenüber aller Obrigkeit verhalten soll, die an seiner Statt eingesetzt ist. Darum folgt dieses Gebot auch gleich vor anderen Geboten auf die ersten drei, die Gott selbst betreffen. An Gottes Stelle sind die leiblichen Eltern Vater und Mutter und die geistlichen und weltlichen Herren. Das Gebot lautet:
"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren" (2. Mose 20,12- 5. Mose 5,16).
Das fünfte Gebot lehrt, wie man sich gegenüber seinesgleichen oder gegenüber seinen Nächsten, soweit es sie persönlich betrifft, verhalten soll: daß man ihnen nicht Leid zufügen, sondern, wo sie dessen bedürfen, sie unterstützen und ihnen helfen soll. Das Gebot lautet:
"Du sollst nicht töten" (2. Mose 20,13; 5. Mose 5,17).
Das sechste Gebot lehrt, wie man sich gegenüberdem höchsten Gut seines Nächsten und auch dem seiner eigenen Familie - das sind Ehegemahl, Kinder und Freunde - verhalten soll: daß man ihnen nicht Unehre antun, sondern sie in Ehren halten soll, und zwar mit allen Mitteln, die einem möglich sind. Das Gebot lautet:
"Du sollst nicht ehebrechen" (2. Mose 20,14; 5. Mose 5,18).
Das siebente Gebot lehrt, wie man sich gegenüber den zeitlichen Gütern seines Nächsten verhalten soll: daß man sie ihm nicht wegnehmen noch ihn hindern soll, sie zu erwerben, sondern ihn darin unterstütze. Das Gebot lautet:
"Du sollst nicht stehlen" (2. Mose 20,15; 5. Mose 5,19).
Das achte Gebot lehrt, wie man sich gegenüber der zeitlichen Ehre und dem guten Ruf seines Nächsten verhalten soll: daß man diese nicht schwächen, sondern vermehren, schützen und erhalten soll. Das Gebot lautet:
"Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten" (2. Mose 20,16; 5. Mose 5,20).
So ist es also verboten, seinem Nächsten in allen seinen Gütern zu schaden, und geboten, ihm darin zu helfen. Wenn wir nun das ansehen, was von Natur ganz selbstverständlich sein sollte, so finden wir, wie recht und billig alle diese Gebote sind. Denn hier wird nichts geboten, gegenüber Gott und dem Nächsten einzuhalten, was nicht jeder gegenüber sich selbst eingehalten haben wollte, wenn er Gott bzw. an Gottes oder seines Nächsten Stelle wäre.
Die letzten beiden Gebote lehren, wie verdorben die menschliche Natur ist und wie rein wir sein sollten von allen verderblichen Gelüsten und dem Verlangen nach vielem Besitz. Aber hierin bleiben Kampf und Anstrengung, solange wir leben. Die Gebote lauten:
"Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren seine Frau, seine Knechte und Mägde, sein Vieh und alles, was sein ist" (2. Mose 20,17; 5. Mose 5,2 1).
 
Eine kurze Zusammenfassung der Zehn Gebote Sie geschieht Matth. 7,12 durch Christus selbst: "Was ihr wollt, das euch die Menschen tun sollen, dasselbe tut auch ihr ihnen. Das ist das ganze Gesetz und die Propheten." Denn niemand will Undank erleiden für seine Wohltaten oder daß mit seinem Namen ein anderer Ruhm erntet. Niemand will, daß ihn andere überheblich anschauen. Niemand will Ungehorsam oder Zorn erdulden, eine Frau haben, die die Ehe bricht, seiner Güter beraubt werden, Lug, Trug und üble Nachrede erleiden. Vielmehr will jeder Liebe und Freundschaft, Dankbarkeit und Hilfe, Wahrheit und Treue von seinem Nächsten erfahren. Das gebieten aber alles die Zehn Gebote.  
Die Übertretung der Gebote
1Gegen das erste Gebot verstößt, * wer in seiner Not Hilfe in der Zauberei, in der schwarzen Kunst und in der Bundesgenossenschaft mit dem Teufel sucht.
* wer Teufelsbriefe, Zeichendeutung, Kräuter, Zauberwörter, Zaubersegen und dergleichen mehr gebraucht.
* wer mit Wünschelruten, Schatzbeschwörungen, Zukunftsschau im Kristallspiegel, Mantelfahren, Milchstehlen umgeht.
* wer seine Arbeit und sein Leben nach Glücks- oder Unglückstagen, nach Himmelszeichen und Wahrsagerei richtet.
* wer sich selber, sein Vieh, sein Haus, seine Kinder und mancherlei Besitz zum Schutz vor Wölfen, Mordwaffen, Feuersbrunst und Überschwemmung und anderen Schäden mit dazu ausgedachten Beschwörungsformeln segnet und beschwört.
* wer sein Unglück und seine Not dem Teufel oder bösen Menschen zuschreibt und nicht alles, Gutes wie Schlechtes, als nur von Gott herkommend, mit Liebe und Lob annimmt und in Dankbarkeit und demütiger Geduld trägt.
* wer Gott versucht, indem er seinen Leib und seine Seele unnötigen Gefahren aussetzt,
* wer aufgrund seiner Frömmigkeit, seines Verstandes oder, anderer geistlicher Gaben hochmütig ist.
* wer Gott und die Heiligen unter Nichtachtung der Gefährdung seiner Seele nur um des zeitlichen Nutzens willen ehrt.
* wer nicht allezeit auf Gott vertraut und nicht in allem seinem Tun seine Zuversicht in Gottes Barmherzigkeit hat.
* wer an der (Kraft des) Glaubens und der Gnade Gottes zweifelt.
* wer sich nicht dem Unglauben entgegenstellt und den Zweifelnden nicht hilft, soviel er vermag, daß auch sie glauben und auf Gottes Gnade vertrauen. Weiterhin gehören hierher aller Unglaube, jede Verzweiflung und aller Aberglaube.
Die ersten etwa fünf Punkte nennt man heute "Esoterik". Danach folgen "gesundes Mißtrauen", Extremsport und schließlich das Selbstbewußtsein des modernen Menschen. Sollte man vielleicht über diese, auch unter Christen weitgehend als "harmlos" geltenden Späße ein wenig gründlicher nachdenken?
2Gegen das zweite Gebot verstößt, * wer ohne Not oder aus Gewohnheit leichtfertig einen Eid schwört. wer einen falschen Eid schwört oder auch, wer sein Gelöbnis bricht.
* wer Schlechtes zu tun gelobt oder es mit einem Eid beschwört.
* wer mit dem Namen Gottes flucht.
* wer ungereimtes Zeug über Gott daherredet und die Worte der Heiligen Schrift leichtfertig verändert.
* wer in den Widerwärtigkeiten seines Lebens Gottes Namen nicht anruft und ihn nicht preist in Freude und Leid, Glück und Unglück.
*wer Ruhm und Ehre sucht und sich einen Namen machen will aufgrund seiner Frömmigkeit, Weisheit usw.
* wer Gottes Namen heuchlerisch anruft, wie dies die Ketzer und alle hoffärtigen "Heiligen" tun.
* wer Gottes Namen nicht in allem lobt, was ihm begegnet.
* wer sich nicht denen entgegenstellt, die Gottes Namen verunehren, ihn heuchlerisch gebrauchen und Böses durch ihn bewirken. Weiterhin gehören hierher die Ehr- und Ruhmsucht und der geistliche Hochmut.
Ach Gott, oder Herrjemine, was sollen wir denn noch alles tun? ... Wie wäre es mit ein wenig Nachdenken?
Können wir nicht die Übung wieder aufleben lassen, Christen dadurch kenntlich zu machen, daß sie Gottes und Jesu Namen nicht mißbrauchen?
3Gegen das dritte Gebot verstößt, * wer Fressen, Saufen, Spielen, Tanzen, Müßiggang und Unzucht betreibt.
* wer faul ist, den Hauptgottesdienst verschläft und versäumt, herumstolziert und unnützes Zeug schwätzt.
* wer am Feiertag, ohne daß ihn besondere Not dazu zwingt, arbeitet und seinen Geschäften nachgeht.
* wer nicht betet, Christi Leiden nicht bedenkt, seine Sünden nicht bereut und nicht Gnade begehrt und also den Feiertag nur äußerlich durch festliche Kleidung, besondere Speisen und feierliche Gebärden heiligt.
* wer nicht in allem, was er tut und erleidet, gelassen bleibt, damit Gott ihn führt, wie erwill.
* wer nicht anderen hilft, dies alles zu befolgen, und ihnen nicht verwehrt, dagegen zu handeln. Weiterhin gehört hierher die Trägheit, in der Gott zu dienen unterlassen wird.
Erstaunlich, was Luther außer der reinen Feiertagsheiligung diesem Gebot zurechnet. Darf man daran erinnern, daß sich eine vergangene Partei- und Staatsführung intensiv und weitgehend auch erfolgreich darum bemüht hat, den Sonntag als Feiertag kaputt zu machen?
4Gegen das vierte Gebot verstößt, * wer sich der Armut, eines Gebrechens oder des geringen Ansehens seiner Eltern schämt.
* wer die Eltern, wenn sie in Not geraten, nicht mit Nahrung und Kleidung versorgt.
* wer ihnen vielmehr übel nachredet, sie verflucht, haßt und ihnen nicht gehorcht.
* wer um des von Gott gegebenen Gebotes willen nicht von ganzem Herzen groß von ihnen denkt.
* wer sie nicht auch dann ehrt, wenn sie Unrecht tun und Gewalt üben.
* wer die Gebote der christlichen Kirche mit Fastenzeiten, Feiertagen usw. nicht einhält.
* wer den Priesterstand herabwürdigt, ihm übel nachredet und Leid zufügt.
* wer seine Dienstherren und die Obrigkeit nicht ehrt und ihnen nicht treu und gehorsam ist, sie seien gut oder schlecht. Solches tun und hierzu gehören alle Ketzer und Aufrührer, die vom Glauben abgefallen und verbannt sind, Verstockte usw.
* wer nicht mithilft, daß dieses Gebot erfüllt wird und sich denen, die es übertreten, nicht entgegenstellt. Weiterhin gehören hierher aller Hochmut und Ungehorsam.
Soll man es das Gebot über die Bewältigung von Vergangenheit ohne Selbstgerechtigkeit nennen? Es wäre eine lohnende Aufgabe, die Aussagen etwa der 68iger-Bewegung oder auch der moderneren "Jugendkultur" an den hier aufgezählten Verstößen gegen das vierte Gebot zu messen.
5Gegen das fünfte Gebot verstößt, * wer seinem Nächsten zürnt.
* wer zu ihm "Du Nichtsnutz!" sagt und was es dergleichen Zeichen des Zornes und Hasses gibt, wer zu ihm sagt "Du Dummkopf und gottloser Narr!" oder was es an Schimpfworten, Flüchen, Verlästerungen, bösen Nachreden, Richten, Verurteilen, Hohnreden usw. gibt.
* wer die Sünden und Mängel seines Nächsten hervorkehrt statt sie (vor den anderen) zu verdecken und zu entschuldigen.
* wer seinen Feinden nicht vergibt, nicht Fürbitte für sie tut, nicht freundlich und gut mit ihnen umgeht, Hierein gehören alle Sünden aus Zorn und Haß, wie Morden, Kriegführen, Rauben, Niederbrennen, Zanken, Hadern, Trauern über des Nächsten Glück, Sichfreuen über sein Unglück.
* wer nicht auch gegenüber seinen Feinden die Werke der Barmherzigkeit übt.
* wer die Leute gegeneinander aufhetzt oder (durch Hetzreden und Lügen) miteinanderverstrickt.
* wer Zwietracht sät zwischen den Menschen.
* wer die Zerstrittenen nicht versöhnt.
* wer sich Zorn und Haß und der Zwietracht nicht entgegenstellt und ihnen nicht zuvorkommt, wo er nur kann.
Wieso fallen einem hier auf Anhieb -neben eigenen Sünden- sofort Politiker ein? Wie gerne hörte man speziell auch "christlichen" Politikern im Fernsehen zu, wenn sie Wahlkampf oder auch Opposition unter strenger Einhaltung dieses Gebotes betrieben!
6Gegen das sechste Gebot verstößt, * wer unverheiratete Frauen verführt und entehrt, die Ehe bricht, Blutschande betreibt und dergleichen Unzucht mehr.
* wer sich geschlechtlich auf eine unnatürliche Weise betätigt; das sind die stummen Sünden.
* wer durch schamlose Worte, Lieder, Geschichten und Bilder unzüchtige Gelüste weckt oder vor Augen stellt.
* wer sich selbst mit Ansehen (unzüchtiger Bilder), mit unzüchtigen Handlungen und Gedanken anstachelt und befleckt.
* wer die Ursachen nicht meidet (die dazu führen,) wie Fressen, Saufen, Müßiggang, Faulheit, zu lange im Bett liegen und mit ehrlosen Manns- und Weibspersonen Umgang haben.
* wer durch überflüssigen Schmuck, unzüchtige Gebärden usw. andere zur Unzucht reizt.
* wer Haus, Raum, Zeit und Hilfe gestattet, solche Sünde zu tun.
* wer nicht mit Rat und Tat eines anderen Keuschheit zu bewahren hilft.
Nach der "sexuellen Revolution" der letzten Jahrzehnte liest sich dies furchtbar altmodisch. Ist es das wirklich? Was hat die sexuelle Revolution eigentlich gebracht? Hat sie irgend jemanden glücklicher, gesünder, zufriedener gemacht?
Man wird ja mal fragen dürfen!
7Gegen das siebente Gebot verstößt, * wer Dieberei und Räuberei und Wucher treibt.
* wer falsche Gewichte und Maße benutzt und schlechte Ware für gute ausgibt.
* wer auf unrechtmäßige Weise Erbschaften erwirbt und Zinsen einnimmt.
* wer jemand den verdienten Lohn vorenthält und Schulden ableugnet.
* wer seinem Nächsten, wenn dieser bedürftig ist, nicht borgt und ihm nicht zinslos leiht.
* alle die (verstoßen gegen das Gebot, die) geizig sind und sich beeilen, reich zu werden, und wie sonst fremdes Eigentum behalten oder an sich gebrachtwird.
* wer den Schaden des anderen nicht abwehrt. wer den anderen nicht vor Schaden warnt.
* wer den Vorteil seines Nächsten hindert.
* wer gegen dessen Gewinn verdrießlich ist.
Unsere über alles geliebte Marktwirtschaft befördert in fataler Weise die Unarten, die Luther hier benennt. Oder ist die Übertretung des siebten Gebots gar Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg?
8Gegen das achte Gebotverstößt, * wer vor Gericht die Wahrheit verschweigt und unterdrückt.
* wer durch Lug und Trug Schaden macht;
* ebenso (verstoßen gegen das Gebot) alle die gefährlichen Schmeichler und Ohrenbläser, die Doppelzüngigen, die Uneinigkeit und Unfrieden verursachen.
* wer seines Nächsten Leben, Werk und Wort, obwohl es gut ist, schlecht auslegt und schmäht.
* wer solcher bösen Nachrede Raum gibt, sie unterstützt und ihr nicht widersteht.
* wer seine Zunge nicht dazu gebraucht, seinen Nächsten zu entschuldigen.
* wer den Verbreiter übler Nachrede nicht tadelt.
* wer nicht alles Gute von jedermann sagt und alles Böse totschweigt.
* wer die Wahrheit verschweigt und sie nicht verficht.
Gilt wohlwollender Umgang mit dem Mitmenschen mittlerweile nicht als Schwäche? Halten wir eine Gesellschaft ohne üble Nachrede nicht geradezu für eine Utopie? Man soll zwar nicht auf Fremde weisen; aber ist es falsch, dieses Gebot den Journalisten besonders ans Herz zu legen?
9+10Über die letzten beiden Gebote (und im Überblick über alle). Die beiden letzten Gebote gehören nicht in den Beichtkatalog, sondern sind zum Ziel und Zeichen gesetzt, zu dem wir hinkommen und auf das wir täglich durch Umbesinnung mit Gottes Hilfe und Gnade hinarbeiten sollen; denn die böse Neigung in uns stirbt nicht eher ganz, als bis der Leib zu Staub und Asche und danach neu geschaffen wird.
  Gegen die Sünden, die durch Mißbrauch der fünf menschlichen Sinne begangen werden, richten sich das fünfte und sechste, gegen die Verweigerung der sechs Werke der Barmherzigkeit das fünfte und siebente Gebot. Gegen die sieben Todsünden sind folgende Gebote gerichtet: gegen den Hochmut das erste und zweite, gegen die Unkeuschheit das sechste, gegen den Zorn und gegen den Haß das fünfte, gegen das Prassen das sechste, gegen die Trägheit das dritte und wohl alle zehn. Gegen die fremden Sünden (mit denen andere angestiftet werden) richten sich alle Gebote, denn mit Gutheißen, Raten und Helfen kann gegen alle Gebote gesündigtwerden. Die zum Himmel schreienden und die stummen Sünden sind gegen das fünfte, sechste und siebente Gebot gerichtet.
In allen diesen schlechten Handlungen sieht man nichts anderes als die Eigenliebe, die nur das Ihre sucht. Sie nimmt Gott, was sein eigen ist, und den Menschen, was ihnen zugehört, gibt aber weder Gott noch den Menschen etwas von dem, was sie hat, ist und kann, wovon Augustin gut (in einer Predigt) sagt: "Der Anfang aller Sünde des Menschen ist seine Selbstliebe."
Aus diesem allen folgt, daß die Gebote nichts anderes als Liebe gebieten - und nichts anderes als Liebe verbieten; und daß die Gebote nicht anders als durch Liebe erfüllt - und nicht anders als durch Liebe übertreten werden. Darum sagt Paulus (Röm. 13,10), daß die Liebe die Erfüllung aller Gebote ist, wie die böse Liebe die Übertretung aller Gebote ist.
Die Erfüllung der Gebote
1Die Erfüllung des ersten Gebotes ist Gott fürchten und lieben im rechten Glauben und jederzeit auf ihn fest vertrauen in allem, was man tut, ganz und gar in allen Dingen völlig gelassen sein, ob sie böse oder gut sind.
Hierher gehört alles, was in der Heiligen Schrift vom Glauben, der Hoffnung und der Liebe geschrieben steht; das ist alles aufs kürzeste inbegriffen im ersten Gebot.
2Die Erfüllung des zweiten Gebotes ist den Namen Gottes loben, ehren, preisen und anrufen, seinen eigenen Namen dagegen und die eigene Ehre ganz aus­löschen, damit nur Gott gepriesen wird, der allein alle Dinge er­hält und wirkt.
Hierher gehört alles, was vom Lob, der Ehre und dem Namen Gottes, vom Dank und der Freude in der Heiligen Schrift gelehrt wird.
3Die Erfüllung des dritten Gebotes ist sich für Gott öffnen und seine Gnade suchen. Das geschieht, indem wir beten, den Gottesdienst besuchen und das Evan­gelium hören, die Leiden Christi bedenken und das Heilige Abend­mahl im Glauben empfangen. Denn dieses Gebot fordert, daß wir "geistlich arm" sind (vgl. Matth. 5,3) und alles Gelten­wollen vor Gott aufgeben, damit er unser Gott ist und in uns sein Wirken und seinen Namen bekommt, wie die beiden ersten Gebote es verlangen. Hierher gehört alles, was vom Gottesdienst (vgl. Röm. 12,1 ff.), vom Hören auf die Verkündigung, von guten Werken und davon, den ganzen Menschen dem Heiligen Geist anheim zu geben, befohlen ist, damit unser ganzes Tun Gott gehört und nicht uns.
4Die Erfüllung des vierten Gebotes ist, williger Gehorsam, Demut und Unterordnung unter alle, die über uns zu bestimmen haben, ohne jedes Widersprechen, Klagen und Murren, wie es der Apostel Petrus (l. Petr. 2,18) sagt, weil es Gott so gefällt.
Hierher gehört alles, was von Gehorsam, Demut, Dienstbarkeit und Ehrerbietung geschrieben ist.
5Die Erfüllung des fünften Gebotes ist Geduld, Sanftmütigkeit, Güte, Friedsamkeit, Barmherzigkeit und in allen Dingen eine warme, freundliche Herzlichkeit, zu jedem Menschen, auch dem Feind gegenüber, ohne jeden Haß zu sein, ohne Zorn und Bitterkeit.
Hierher gehören alle Lehren von der Geduld, Sanftmütigkeit, Friedsamkeit, Einigkeit.
6Die Erfüllung des sechsten Gebotes ist Keuschheit, Zucht, Schamhaftigkeit in Taten, Worten, Gebär­den und Gedanken; auch Maßhalten im Essen, Trinken und Schlafen und alles, was der Keuschheit förderlich ist
Hierher gehören alle Lehren von der Keuschheit, dem Fasten, dem Nüchternbleiben und Maßhalten, dem Beten, Wachen, Arbeiten und davon, womit Keuschheit bewahrt wird.
7Die Erfüllung des siebenten Gebotes ist Armut des Geistes, Mildtätigkeit, Willigkeit, sein Eigentum zu verleihen, abzugeben und ohne Geiz und Habgier zu leben.
Hierher gehören alle Lehren vom Geiz, von unrechtem Gut, Wucher, List, Betrug, und davon, wodurch der Nächste in seinem Eigentum geschädigt und behindert wird.
8Die Erfüllung des achten Gebotes ist eine friedsame, heilsame Sprache, die niemandem schadet und jedem nützt; eine Zunge, die die Zerstrittenen versöhnt und die Verleumdeten entlastet und besonnen spricht, d. h. wahr und eindeutig.
Hierher gehören alle Lehren, wann und wo man schweigen und reden soll, wenn es des Nächsten Ehre, Recht, Sache und Seligkeit betrifft.
9+10Die Erfüllung der beiden letzten Gebote ist vollkommene Keuschheit und gründliche Verachtung aller vergänglichen Freuden und Güter, was nur im ewigen Leben vollbracht wird.
  In allen diesen Handlungen sieht man nichts anderes als eine einem anderen zustehende, allgemeine Liebe, das ist eine Liebe, die Gott und dem Nächsten gehört. Sie sucht reicht das Ihre, sondern das, was Gott und dem Nächsten dient, und gibt sich jedermann aus freien Stücken zu eigen, ihm zu dienen und willig zu sein.
So siehst du, daß in den Zehn Geboten alle Lehren, die dem Menschen im Leben vonnöten sind, wohlgeordnet und kurz zu­sammengefaßt vorliegen, Wenn er sie einhalten will, hat er stündlich gute Taten zu tun, so daß es ihm nicht nötig wird, andere zu wählen, hierhin und dahin zu laufen und etwas zu tun, wovon nichts geboten ist.
Das alles ist darum so eindrücklich aufgezeigt, weil in diesen Geboten nicht gelehrt wird, was der Mensch zu seinem Vorteil tun, lassen oder von anderen begehren soll, sondern was er für andere, für Gott und die Menschen tun und lassen soll, damit wir es begreifen müssen, daß die Erfüllung der Gebote in der Liebe zu anderen und nicht zu uns selbst besteht. Denn der Mensch tut, läßt und sucht für seinen Vorteil schon zuviel, so daß die Eigenliebe nicht noch zu lehren, sondern ihr zu wehren vonnöten ist. Darum lebt der am allerbesten, der nicht für sich selber lebt, und der lebt am allerschlimmsten, der nur für sich selber lebt; denn so lehren die Zehn Gebote. Daraus sieht man, wie wenig Menschen gut leben, ja, daß niemand gut zu leben vermag, da er ein schwacher Mensch ist. Weil wir das erkennen, müssen wir nun lernen, woher wir es nehmen sollen, damit wir gut leben und die Gebote erfüllen.
© Pfarramt Ahrenshagen, 21.12.2002