| Auf der Suche nach den verschwundenen Farben Mecklenburgische & Pommersche Kirchenzeitung Sonntag, 6. Juni 2004 Innensanierung der Tribohmer Kirche hat begonnen / 25000 Euro Spendengelder gesammelt Das Innere der Dorfkirche von Tribohm wirkt ziemlich düster. Einerseits ist das auf die im Laufe der Jahre nachgedunkelten Wände zurück zu führen, die noch dazu an vielen Stellen von Rissen durchzogen sind. Auch wachsen mancherorts Algen, was auf die Feuchtigkeit zurück zu führen ist, die lange Zeit ins Mauerwerk eindringen konnte. Doch mindestens eben so düster wirken die in Holztönen bemalten Bänke, die Kanzel und der Barockaltar. Wenn die Stralsunder Restauratorin Elke Kuhnert von ihren Forschungen erzählt, dann entsteht vor dem Auge des Betrachters ein ganz anderes Bild. Eigentlich war die Kirche in ihrer Barockausstattung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts viel farbenfroher: Blau, Grau und Gold dominierten den Raum. Dazu gemalter Marmor nicht nur an den Säulen des Altars. Und auch die erste neugotische Bemalung der Wände hatte diese Farbigkeit noch respektiert. Erst später dann habe der Zeitgeist dazu geführt, die Figuren der Evangelisten auf der Kanzel ebenso in Holztönen zu streichen wie die Barock-Engel auf den Logen der Kirchenpatrone und die Säulen des Altars. Doch die Geschichte der Tribohmer Kirche reicht noch weiter zurück, bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Spuren davon sind noch immer vorhanden, wenn auch nur an wenigen Stellen sichtbar. Insgesamt vier weitere Farbschichten hat die Restauratorin unter den neugotischen Ornamenten gefunden: So entdeckte sie Ornamente aus der Bauzeit und Bilder von noch nicht identifizierten Figuren ebenfalls noch aus dem Mittelalter, die sämtliche Wände bedeckten. In der Barockzeit dann wurden Vorhänge und Kordeln auf die Wände gemalt, um den Raumeindruck zu verstärken. | Diese verschiedenen Bemalungen aus mehreren hundert Jahren sind nun gefährdet, weil sich der Putz an vielen Stellen von den Wänden löst. Mindestens 90 000 Euro wird es kosten, um nur die Wände des Chorraumes zu sichern. Doch auch wenn die kleine Dorfgemeinde selbst kaum Geld dafür hat, können jetzt immerhin die Arbeiten an der besonders gefährdeten Nordwand zu beginnen. 25 000 Euro an Spendengeldem aus ganz Deutschland konnten gesammelt werden, weil nicht nur die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, sondern auch Privatleute sich dafür einsetzen, dass die Tribohrner Kirche, die 1997 baupolizeilich gesperrt worden war, erhalten und weiter saniert werden kann. "Es ist jetzt wichtig, dass auch im Inneren ein Anfang gemacht wird", meint Kuhnert. "Denn wenn die Menschen erst einmal sehen, wie schön diese Kirche wieder werden kann, dann setzen sie sich auch dafür ein, dass die Arbeiten nicht aus Geldmangel wieder eingestellt werden müssen." Sie selbst plädiert dafür, aus Kostengründen vorerst nur die letzte Bemalung der Wände wieder herzustellen. Da dabei die Farbschichten darunter erhalten blieben, könnten spätere Generationen entscheiden, ob sie die mittelalterlichen Bilder wieder freilegen wollten. Und der braune Anstrich der Bänke und anderen Ausstattungsstücke soll natürlich auch verschwinden und Platz für die ursprünglichen Farben machen. Doch bis die Tribohmer Kirche wieder in Grau, Blau und Gold erstrahlt, wird es wohl noch Jahrzehnte dauern, meint Pfarrer Klaus-Christian Hirte. Wie teuer das Vorhaben werden soll, lässt sich heute noch gar nicht abschätzen. Und derzeit fehlt ja auch noch däs Geld, um die im letzten Jahr begonnene Sanierung des hölzernen Kirchturms zu beenden. Denn nachdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz über viele Jahre die Arbeiten in Tribohm gefördert hat, hat sie in diesem Jahr ihre Finanzierungszusage zurück gezogen. RAIMUND NITZSCHE |