Orgeleinweihung Schlemmin Am 16. Februar 2003 fand in der kleinen Kirche zu Schlemmin ein bemerkenswertes Ereignis statt: Die 162 Jahre alte Buchholz-Orgel, die 30 Jahre verstummt war, konnte mit einem Gottesdienst wieder eingeweiht werden. Das Tonkünstler-Lexicon" Berlins von der ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart von Carl Freiherr von Ledebur. Berlin, 1861 vermerkt: Die Orgeln von Carl August Buchholz zeichnen sich durch vorzügliches Baumaterial, durch grosse Mannigfaltigkeit charakterisierter Klangfarben und durch unvergleichlich schöne und gleichmäßige Intonation und Ansprache alle, selbst der verschiedenartigsten Töne aus. Diese herrliche Intonation, und somit die wohlthuende Wirkung der ganzen Orgel hat vorzüglich darin ihren Grund, dass bei der Intonation jeder Pfeife nur das zugemuthet wird, was sie ihrer Natur nach, vollkommen schön leisten kann." Die Prospektpfeifen dieses romantischen Instrumentes mussten bereits 1917 für die Rüstungsproduktion abgeliefert werden. Die Orgel hatte insofern noch eine kleine Überlebenschance, als die Holzpfeifen jedenfalls für die Rüstung unbrauchbar waren. Erst der 2. Weltkrieg und seine Wirren führten dazu, dass auch weitere Pfeifen gestohlen oder soweit beschädigt wurden, dass dieses schöne Instrument seit 1973 nicht mehr bespielt werden konnte, obwohl die Holzpfeifen zwei Weltkriege und den Vandalismus der Nachkriegszeit überlebt hatten. Die Gemeinde, allen voran Frau Staude, ließen aber nicht locker und vermochten, zusammen mit Pfarrer Hirte die nötigen Mittel für eine Restaurierung der Orgel zusammenzubringen. | Die Landeskirche und die Zeit-Stiftung legten erhebliche Beträge zu und so konnte endlich der Firma Schmidt in Rostock der Auftrag für die Restaurierung der Orgel erteilt werden. Da nahezu alle Holzpfeifen und ein Teil der Metallpfeifen noch vorhanden waren, gelang die Restaurierung so gut, dass der von Carl August Buchholz angestrebte Klang vollkommen wiederhergestellt werden konnte. Zur Orgeleinweihung waren eigens die Superintendentin Helga Ruch und der Orgelbeauftragte der Pommerschen Landeskirche Kantor Martin Rost, Organist an der Marienkirche zu Stralsund, angereist, um mit der Gemeinde das feierliche Ereignis mit einem Gottesdienst und einem Konzert zu begehen. In dem durchdacht zusammengestellten Orgelkonzert brachte Rost im Wesentlichen Komponisten des 19. Jahrhunderts zu Gehör, die seinerzeit auf Buchholz-Orgeln häufig gespielt wurden. Hervorzuheben sind die Fantasie in d-moll von Johann Baptist Kucharz, die dem Organisten nach Art eines Potpourris Gelegenheit gab, alle Register der Orgel mit ihren vielfältigen Klangschattierungen vorzuführen, zwei Kompostionen von Johann Gottlieb Goldberg und Wolfgang Amadeus Mozart, in denen das Flauto-dolce-Register zeigen konnte, was es seiner Natur nach, vollkommen schön leisten kann", und eine Fuga in D-Dur von Christian Friedrich Ruppe, die das volle Werk farbenprächtig und mit der dieser Buchholz-Orgel eignenden Intonationsreinheit mit ihrem weichem Klang und den reichen Obertönen zum Erklingen brachte. Dr. Rainer Dally, 16. Februar 2003 |