 Schön sind diese großen Strohrollen auf den Feldern. Für einige Tage waren sie auch bei uns zu sehen. Aber nicht lange. Denn das Wetter war in diesem Jahr so unbeständig, daß jeder Landwirt versucht hat, die Ernte möglichst schnell ins Trockene zu bringen. Rekorde wird es wohl in diesem Jahr nicht geben. Und trotzdem hat auch diese Ernte wieder viel Arbeit gemacht. Tag und Nacht sind die Traktoren und Mähdrescher unterwegs gewesen. Aber es liegt nicht allein in unserer Hand, ob unsere Arbeit gelingt. Immer wieder kann auch etwas dazwischenkommen. Das Wetter zum Beispiel ist ein wichtiger Faktor in der Landwirtschaft. | In Sachsen wären viele Landwirte sicherlich froh gewesen, wenn sie überhaupt etwas geerntet hätten in diesem Jahr. Aber oft genug hat das Wasser Monate der Arbeit in wenigen Stunden hinweg geschwemmt. Und betroffen ist dann nicht nur die Ernte dieses Jahres, sondern mitunter auch die Existenz des ganzen Betriebes. Wir haben hier in unserer Region also - trotz der durchwachsenen Ernte auf Feldern und in den Gärten - allen Grund zur Dankbarkeit auch und gerade in diesem Jahr. Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: "Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen." "An Gottes Segen ist alles gelegen" - wir kennen dieses Sprichwort, aber nimmt das überhaupt noch jemand ernst heute? Das Erntedankfest, das wir in diesem Jahr am 6. Oktober in Tribohm feiern wollen, soll uns auch an den Segen Gottes erinnern, auf den wir bei all unserm Tun angewiesen sind. Erntedank ist ein buntes und eindrückliches Fest in der Christenheit, seit vielen Jahrhunderten. Man bringt seine Gaben - die des Feldes und der Gärten - zum Altar, um damit Gott zu danken. Und gleichermaßen geben sie, wenn man so will, auch ein Zeugnis der Tatkraft unseres Glaubens. Und so betrifft Erntedank immer auch uns selbst. Es stellt, wenn es gut geht, uns infrage. Wie selbstverständlich gehen wir mit den Gaben der Natur um? Welche Mühe kostet es, sie herzustellen? Wie dankbar dürfen wir sein, das wir genug davon haben. 12. September 2002 |