Pastor Rudloff hat als schwerbeschäftigter Pfarramtsverwalter leider viel weniger Notizen in der Ahrenshäger Chronik hinterlassen, als wir es, der bewegten Zeiten halber, heute gern hätten. Hier wird, um sich nicht der unbeabsichtigten Geschichtsmanipulation schuldig zu machen, (fast) alles Vorhandene gezeigt, unabhängig von der historischen Bedeutung. Dem Bericht liegen viele Zeitungsausschnitte bei (Rudloff: "mögen auch der Erinnerung an die Vergangenheit dienen."), die hier, anders als im Bericht, chronologisch gezeigt werden. Die Wiedergabe der Zeitungstexte erfordert große Dateien, weswegen wir die Nutzer eine Telekom-Kriechspur herzlich um Verzeihung bitten. Das Warten lohnt sich aber. Die handschriftlichen Einträge beginnen im Juli 1936.



d. 8. Juli 1936. Im Anschluß an das, was ich am Schluß des alten Chronikbuches geschrieben habe (liegt dem Webmaster nicht vor), füge ich noch Folgendes hinzu. Im Jahre 1935 bewarb sich der Hilfsprediger Koppe in Franzburg um die Pfarre, da er den Patronen nicht zusagte, blieb die Pfarre weiter unbesetzt. Dann erkundigte sich der Pfarrer Fries aus Bockwitz über die Verältnisse, konnte sich aber zu einer Bewerbung nicht entschließen u. ging nach Treptow/Rega. So wird die Gemeinde bis auf den heutigen Tag, bereits seit mehr als drei Jahren unbesetzt, vom Prädikanten Sendler und mir versorgt. Obwohl S. tut soviel er kann - er hat den Winter 36/37 auch in der Gemeinde Bibelstunden gehalten, in Wiepkenhagen gepredigt, einen Bibelkursus für junge Mädchen und Frauen durch die evangelische Frauenhilfe durchgeführt - ist der jetzige Zustand für das kirchliche Leben der Gemeinde nicht günstig. Die Kirchenvisitation, die unter nicht zahlreicher Beteiligung seitens der Gemeinde stattfand und von der oben (Zeitungsbericht!) ein kurzer Bericht gegeben ist, war ein Zeichen dafür. Bei der Visitation ist von mir wieder die Notwendigkeit einer Parochialregulierung betont worden; Wiepkenhagen müßte nach Lüdershagen, Tempel nach Damgarten gelegt werden. Kirchenslang: Die Dörfer sollen nicht wirklich umgesiedelt werden!Die Wiepkenhäger Gemeinde ist schwierig zu behandeln, zumal in der Gemeinde gegen Kirchensteuerzahlung usw. von bestimmter Seite gehetzt wird. Der Gemeindekirchenrat sah sich anfangs dieses Jahres veranlaßt gegen einige besonders säumige Kirchensteuerzahler - auch ein Pachtzahler war seit vier Jahren im Rückstande - gerichtlich vorzugehen mit dem Erfolg, daß sie zur Zahlung verurteilt wurden. Ein unerhört beleidigender Brief des Siedlers A..., der bei den Akten liegt (liegt dem Webmaster leider nicht vor) - gab den letzten Anstoß zu dem Beschluß des Gem.kirchenrates, gerichtlich vorzugehen. Auch andere Verhältnisse erschweren die Verwaltung sehr; je eher die Pfarre endgültig wieder besetzt würde, umso besser wäre es für das kirchliche Leben der Gemeinde. -
Die Besiedlung des großen Gutes Altenwillershagen mit etwa 3000 Morgen ist durchgeführt. In einer Verhandlung am 26. Mai d. J. zur Regelung der öffentlich-rechtlichen Verhältnisse wurden den Kirchengemeinden Ahrenshagen-Pantlitz - auch von Behrenshagen werden 300 Morgen besiedelt - 17 Morgen für Ablösungen zugesprochene (siehe die Akten über die Besiedlung von Altenwillershagen); außerdem bekommt die politische Gemeinde Altenwillershagen noch 10 Morgen als Hufenlastenerleichterungsfonds. Die Abfindung ist für die Kirchengemeinde nicht sonderlich günstig. Ein besonderer Friedhof ist für Altenwillershagen nicht vorgesehen, so daß die Gemeinde Altenwillershagen auch weiterhin ihre Toten auf dem Kirchhofe bei der Kirche beerdigen wird.

Die Sammlung am Volkstage der I.M.(wahrscheinlich die Innere Mission) im Mai d.J. 1936 ergab im Pfarrsprengel Ahrenshagen-Pantlitz 104 M.
Am 15. Juli ging ein verheerendes Unwetter über unsere ganze Gegend dahin. Am meisten gelitten hat die Gemeinde Wiepkenhagen im Kirchspiel Ahrenshagen. Mit ungemein starkem Regen ging ein orkanartiger Sturm über große Teile der Siedlung dahin; eine Windhose richtete große Zerstörungen an, wie nebenstehende Abbildungen es zeigen. Standen sich die Siedler schon sowie so in Wiepkenhagen nicht gut, so ist darum dies Naturereignis besonders schmerzlich und verhängnisvoll für einen Teil der Siedler.
Bericht unter dem Bilde



Über Petrus Roloff, Pastor zu Pantlitz bis 1677 findet sich in Gustav Willgeroths "Die Mecklenburg-Schwerinschen Pfarrer seit dem 30jährigen Kriege in der 9. Lieferung Seite 1440 bei ... nicht im Kirchenbuch), Sohn des Domküsters und Leinewebers Peter (sind einer Roland) Halbbruder des P. Kieskow in Vietlübbe Güster, vorher Pastor zu Pantlitz in Pommern, von wo ihn nach 14jähriger Amtstätigkeit 1675 das Kriegselend nach Rostock vertrieb, Pastor an St. Katharinen 1677 März 22. Pastor an St. Petri 1677 Oktob.8., eingeführt November 5. †1695. Jun.21 im 60. Jahre. -Verheiratet 1) 1661 mit einer Bäckerstochter aus Grevesmühlem 2) 1668 Sept.9 Elisabeth Lüschow, Tochter des Kaufmanns Markus L. zu Rostock, Enkelin des Ratsherrn Markus L. und Urenkelin des Prof. juris Markus L. daselbst. †1678 Aug.9. 3) 1689 Febr.4 Katharina Gercke, Kaufmannstochter aus Rostock, wohl Frauenschwester des P. Roland - Prestin. Der älteste Sohn, Julius Henoch wurde Diakonus an St. Michaelis zu Hamburg; ein zweiter Ulrich Thomas, Pastor zu Archangel und Moskau."
- In demselben Werke Willgeroths1. Lieferung S. 121findet sich folgende Notiz beim Kirchspiel Lichtenhagen: "1668-1712 Schwengebeck, Johannes, aus Pantlitz in Pommern,immatr. 1663 P. 1668 voc. Febr.25; emerit 1712(gestorben kurz vor 1717) und Seite 124 bei Kirchspiel Rethwisch: "...seit 1566 war nach Schlie Elias Mesekow da (wohl Sohn des P. Joachim M. in Teterow, vorher P. in Retzow, sowie Porschendorf; wurde Pastor zu Pantlitz in Pommern, dann Kloster Wulfshagen und zuletzt in Groß Methling...". .
5.II.37. Die Pfarrstelle ist noch nicht besetzt. Die Kirchenbehörde selbst beabsichtigt wohl erst dann auf endgültige Besetzung zu drängen, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind, also wenn z.B. das Pfarrhaus wieder in einen würdigen Zustand gesetzt und mit elektrischen Licht versorgt ist.
Durch Verfügung vom 2.II. d.J. ist der Überschuß der Pfarrkasse von 1934-35 auf 6372 M. festgesetzt. Hiervon fielen den beiden Kirchengemeinden 2124(1/3) zu; 4248 M. der Landeskirche (2/3) Konsistorium will sich beim E.O.K. dafür einsetzen daß ein weiteres Drittel den Kirchengemeinden gelassen wird, wenn sie sich verpflichten, beide Drittel zur Anlage des elektrischen Lichtes zu benutzen. Gem.Kirchenräte haben dem entsprechend beschlossen. Die Summe von 4248 M. würde zur Anlage ausreichen, da die Kostenanschläge einschließlich Pfarrpächterhaus mit rund 4000M. abschließen. Bis zum heutigen Tage ist noch keine Nachricht eingelaufen, ob die Gemeinden das 2. Drittel bekommen. - Viel Schwierigkeiten macht die Einziehung der kirchlichen Umlagen. Gem.Kirchenrat hat deswegen Ende November v. J. beschlossen, die hartnäckigsten Steuerbummellanten durch Rechtsanwalt Dr. Partensky-Barth mahnen bezw. die z.T. seit 1930 u 32 geschuldeten Beiträge beitreiben zu lassen. Langsam scheinen die Steuerrückstände jetzt einzugehen. Es ist ein bedauerlicher Zustand, daß der Pastor das Odium des Steuereintreibers auf sich laden muß.

d. 16.7.37 Am 15. April verließ nach gut bestandenem 2. Examen Hans-Theodor Sendler Ahrenshagen, nachdem er 2½ Jahr - Oktober 1934 bis April 1937 - Vikar und Prädikant in Ahrenshagen gewesen war. Nach kurzem Aufenthalt in Stolp ging er als Inspektor an das Predigerseminar in Soest. Wissenschaftlich gut ausgerüstet wird er dort am rechten Platze sein. Der größere Teil der Gemeinde bedauerte seinen Fortgang; das Konsistorium hätte gut getan, ihn in Ahrenshagen sein Dienstjahr über zu belassen; die Patrone hätten ihn dann zum Pfarrer gewählt und ich wäre die Last der Verwaltung los. Sendler war wohl im Umgang und Verkehr etwas schwierig, hat aber mit großem Eifer und in unermüdlicher Thätigkeit in Ahrenshagen gearbeitet. Leider wird er nun wohl für Gemeinde verloren sein. - Sein Nachfolger wurde der Vikar W. Saalfeld. Im Juni hielt der Hilfsprediger Puhlmann In A. u. P. eine Gastpredigt. Die Patrone konnten sich leider aber mit Recht nicht entschließen, ihn wegen seines nicht ausreichenden Gesundheitszustandes zu berufen. - Am 5. Juli beschloß der vereinigte Gemeindekirchenrat nunmehr sofort, die elektrische Anlage herstellen zu lassen. Pfarrhaus, Pfarrpchthof, Küsterei, Predigerwitwenhaus uns Pfarrkate sollen elktr. Licht erhalten. Die Ausführung ist den Siemens-Schuckert-Werken übertragen worden. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf rund 5700M. Die Arbeiten werden noch in diesem Monat begonnen werden.
d. 26.10. Im August beriefen die Patrone auf seine Bewerbung hin den Pastor Kley in Hille i.W. zu einer Gastpredigt. Sie beriefen ihn daraufhin zum Pfarrer und er nahm die Berufung an. Daraufhin beschloß der Gemeindekirchenrat, das Pfarrhaus sofort in einen würdigen Zustand setzen zu lassen.
Der Vikar Saalfeld verließ am 21. Oktober Ahrenshagen. Er hinterläßt kein gutes Andenken in der Gemeinde. Ich verweise auch auf sein Anschreiben, das er in vielen Exemplaren nicht nur innerhalb der Gemeinden sondern auch weit über sie hinaus versandt hat. Es befindet sich auf der letzten inneren Einbandseite und zeigt uns, wie man heute auch im Raum der Kirche arbeitet, wie man sie aber nicht baut, sondern zerstört.
- Pastor Kley kam am 21. Oktober. Der Vakanzverwalter gibt mit dem 1. November die Verwaltung ab, nachdem die Gemeinde Ahrenshagen-Pantlitz 4 Jahre 5 Monate ohne eigenen Pfarrer war. Gott lasse es dem neuen Pfarrer gelingen, segne ihn und die Gemeinde und baue in ihr sein Reich.
Auf die Wiedergabe des erwähnten, tatsächlich unsäglichen "Anschreibens" sei trotz allen Willens zur historischen Genauigkeit hier verzichtet. Überschrieben ist es mit: "An die Christen mit den deutschen Herzen!" Nach frommem Geschwafel folgen rhetorische Fragen: "Wer ist heute unser Nächster?" .."in dem uns von Gottvater eine dringende Aufgabe gewiesen" ist, "die wir mit christlicher Liebe erfüllen sollen?" Es ist, man kann es heute kaum noch glauben, der "Schöpfer der deutschen Volksgemeinschaft", dessen Name, damit kein Irrtum möglich ist, dann in Überschriftengröße folgt.
Später wird in gesperrtem Druck noch erläutert: "Nur der darf sich heute Christ nennen, der freudig an seinem Nächsten, dem deutschen Volk Hilfsdienst tut, der in Liebe dem Führer Adolf Hitler unbedingte Treue hält!"
Das Ganze stammt von "Ahrenshagen-Pfarrgut, im Gilbhart 1937", der Autor, identisch mit dem Verbreiter, verschweigt auch nicht seinen Namen. (Für Jüngere: Gilbhart ist der "germanische" Name für Oktober; die Versuche der Nazis, die germanischen Monatsnamen allgemein durchzusetzen, waren nicht erfolgreich.)

