Berichte des Pfarramtsverwesers Rudloff (Damgarten)
aus der Zeit 1933-37

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Pastor Rudloff hat als schwerbeschäftigter Pfarramtsverwalter leider viel weniger Notizen in der Ahrenshäger Chronik hinterlassen, als wir es, der bewegten Zeiten halber, heute gern hätten. Hier wird, um sich nicht der unbeabsichtigten Geschichtsmanipulation schuldig zu machen, (fast) alles Vorhandene gezeigt, unabhängig von der historischen Bedeutung. Dem Bericht liegen viele Zeitungsausschnitte bei (Rudloff: "mögen auch der Erinnerung an die Vergangenheit dienen."), die hier, anders als im Bericht, chronologisch gezeigt werden. Die Wiedergabe der Zeitungstexte erfordert große Dateien, weswegen wir die Nutzer eine Telekom-Kriechspur herzlich um Verzeihung bitten. Das Warten lohnt sich aber. Die handschriftlichen Einträge beginnen im Juli 1936.

vom 17.8.1935
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zeitungsbericht

Die Besiedlung des großen Gutes Altenwillershagen mit etwa 3000 Morgen ist durchgeführt. In einer Verhandlung am 26. Mai d. J. zur Regelung der öffentlich-rechtlichen Verhältnisse wurden den Kirchengemeinden Ahrenshagen-Pantlitz - auch von Behrenshagen werden 300 Morgen besiedelt - 17 Morgen für Ablösungen zugesprochene (siehe die Akten über die Besiedlung von Altenwillershagen); außerdem bekommt die politische Gemeinde Altenwillershagen noch 10 Morgen als Hufenlastenerleichterungsfonds. Die Abfindung ist für die Kirchengemeinde nicht sonderlich günstig. Ein besonderer Friedhof ist für Altenwillershagen nicht vorgesehen, so daß die Gemeinde Altenwillershagen auch weiterhin ihre Toten auf dem Kirchhofe bei der Kirche beerdigen wird.

Unwetter

Die Sammlung am Volkstage der I.M.(wahrscheinlich die Innere Mission) im Mai d.J. 1936 ergab im Pfarrsprengel Ahrenshagen-Pantlitz 104 M.


Am 15. Juli ging ein verheerendes Unwetter über unsere ganze Gegend dahin. Am meisten gelitten hat die Gemeinde Wiepkenhagen im Kirchspiel Ahrenshagen. Mit ungemein starkem Regen ging ein orkanartiger Sturm über große Teile der Siedlung dahin; eine Windhose richtete große Zerstörungen an, wie nebenstehende Abbildungen es zeigen. Standen sich die Siedler schon sowie so in Wiepkenhagen nicht gut, so ist darum dies Naturereignis besonders schmerzlich und verhängnisvoll für einen Teil der Siedler.

Bericht unter dem Bilde



5.II.37. Die Pfarrstelle ist noch nicht besetzt. Die Kirchenbehörde selbst beabsichtigt wohl erst dann auf endgültige Besetzung zu drängen, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind, also wenn z.B. das Pfarrhaus wieder in einen würdigen Zustand gesetzt und mit elektrischen Licht versorgt ist.
Durch Verfügung vom 2.II. d.J. ist der Überschuß der Pfarrkasse von 1934-35 auf 6372 M. festgesetzt. Hiervon fielen den beiden Kirchengemeinden 2124(1/3) zu; 4248 M. der Landeskirche (2/3) Konsistorium will sich beim E.O.K. dafür einsetzen daß ein weiteres Drittel den Kirchengemeinden gelassen wird, wenn sie sich verpflichten, beide Drittel zur Anlage des elektrischen Lichtes zu benutzen. Gem.Kirchenräte haben dem entsprechend beschlossen. Die Summe von 4248 M. würde zur Anlage ausreichen, da die Kostenanschläge einschließlich Pfarrpächterhaus mit rund 4000M. abschließen. Bis zum heutigen Tage ist noch keine Nachricht eingelaufen, ob die Gemeinden das 2. Drittel bekommen. - Viel Schwierigkeiten macht die Einziehung der kirchlichen Umlagen. Gem.Kirchenrat hat deswegen Ende November v. J. beschlossen, die hartnäckigsten Steuerbummellanten durch Rechtsanwalt Dr. Partensky-Barth mahnen bezw. die z.T. seit 1930 u 32 geschuldeten Beiträge beitreiben zu lassen. Langsam scheinen die Steuerrückstände jetzt einzugehen. Es ist ein bedauerlicher Zustand, daß der Pastor das Odium des Steuereintreibers auf sich laden muß.

dreissigjähriger Krieg

- Pastor Kley kam am 21. Oktober. Der Vakanzverwalter gibt mit dem 1. November die Verwaltung ab, nachdem die Gemeinde Ahrenshagen-Pantlitz 4 Jahre 5 Monate ohne eigenen Pfarrer war. Gott lasse es dem neuen Pfarrer gelingen, segne ihn und die Gemeinde und baue in ihr sein Reich.

Rudloff
Pfarrer von Damgarten




Auf die Wiedergabe des erwähnten, tatsächlich unsäglichen "Anschreibens" sei trotz allen Willens zur historischen Genauigkeit hier verzichtet. Überschrieben ist es mit: "An die Christen mit den deutschen Herzen!" Nach frommem Geschwafel folgen rhetorische Fragen: "Wer ist heute unser Nächster?" .."in dem uns von Gottvater eine dringende Aufgabe gewiesen" ist, "die wir mit christlicher Liebe erfüllen sollen?" Es ist, man kann es heute kaum noch glauben, der "Schöpfer der deutschen Volksgemeinschaft", dessen Name, damit kein Irrtum möglich ist, dann in Überschriftengröße folgt.
Später wird in gesperrtem Druck noch erläutert: "Nur der darf sich heute Christ nennen, der freudig an seinem Nächsten, dem deutschen Volk Hilfsdienst tut, der in Liebe dem Führer Adolf Hitler unbedingte Treue hält!"
Das Ganze stammt von "Ahrenshagen-Pfarrgut, im Gilbhart 1937", der Autor, identisch mit dem Verbreiter, verschweigt auch nicht seinen Namen. (Für Jüngere: Gilbhart ist der "germanische" Name für Oktober; die Versuche der Nazis, die germanischen Monatsnamen allgemein durchzusetzen, waren nicht erfolgreich.)

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