
Blick durch das Schiff zum Chor. Der Chor birgt die bemerkenswerten Deckengemälde (nächste Seite dazu mehr) und ist durch das renovierte Patronatsgestühl, das rechts andeutungsweise zu sehen ist, heller und freundlicher geworden.
Der sichtbare, originale Ziegelrand am Chorbogen soll eine architektonische Rarität sein.
An der Chorwand, gleich rechts neben dem Rand des nebenstehenden Bildes, sehen wir ein großes Kruzifix. Teile des Korpus stammen aus dem 13. Jahrhundert, die Arme wurde 1846 ergänzt. Mit dem zurückhaltend geschmückten Kreuz wirkt das Kruzifix vornehm, schlicht und überzeugend.
Der Stadtbaumeister von Haselberg aus Stralsund, der 1881 die Baudenkmäler des Regierungsbezirkes Stralsund amtlich beschrieb, meint zu diesem Kruzifix: "Ein Gekreuzigter in etwas steifer Darstellung, mit großer Dornenkrone; im Gesicht mehr Ruhe, als Schmerz zeigend, ..."

Der barocke Kanzelaltar von 1745 ist gut erhalten. Leider wird er von ferne durch den Zugbalken für das Gewölbe des Chores verdeckt. Von Nahem birgt er eine Fülle interessanter Details, die die nähere Betrachtung lohnen.
Wer ihn erbaut hat, ist nicht ganz sicher. Ein Kanzelaltar in Velgast ist diesem sehr ähnlich. Man weiß, daß jener von Michael Müller aus Stralsund gebaut wurde. Kann man auf den gleichen Künstler schließen?


An der Kanzel sieht man das "Auge Gottes", ein seinerzeit sehr beliebtes Motiv, welches Gottes Gegenwart auf etwas problematische Weise darstellt. Die dreieckige Umrandung symbolisiert die Dreieinigkeit.

Detail vom Altar, das Wappen des Stifters: Hans Albrecht von Plüschow d. J. (verstorben ca. 1755) und seine Frau haben den Altar gestiftet. Sie waren seinerzeit Gutsherren in Todenhagen.
Auf der anderen Seite, noch dekorativer, das Wappen des Freiherrn von Göden, der also sicher ebenfalls am Altar beteiligt war. Beide Wappen, wesentlich aufwendiger gestaltet, zieren auch das Patronatsgestühl, das gleichzeitig mit dem Altar errichtet worden sein soll.

Der "Kopfschmuck" des Patronatsgestühls. Das war womöglich teurer als der Altar. Da wir nicht zu den Patronen gehören, können wir unbefangen fragen: Sollte eine Kirche nicht eher dem Lobe Gottes als dem der Patrone dienen? Um fair zu bleiben, für die Menschen der damaligen Zeit war die Obrigkeit "von Gottes Gnaden"; Untertänigkeit und Ehrerbietung gegen die Guts- und Landesherren also zugleich Gehorsam gegen Gott.


Rechts die Bekrönung des Patronatsgestühls im neuen Gewand, nach der malerischen Instandsetung von 2004. Darüber, wie original das Grau ist, darf getrost nachgedacht werden. Jedenfalls sind die prachtvoll umrandeten Wappen der Familien Plüschow und Göden, die sich damit ein dekoratives und ausdauerndes Denkmal gesetzt haben, nun besser zu erkennen.

Entdeckung zwischendrin: An der Trinwillershagener Tür des Gestühls findet sich -scheinbar- von Narrenhand eingeritzt (nur schwer fotografisch zu bannen): DER PATRONEN DIENER STOL und etwas tiefer: 1591.
Jetzt gibt es Stoff zum Nachdenken!
Gehören beide Inschriften zusammen?
Ist demnach der Anstrich des Gestühls mehr als 400 Jahre alt? Ist er nicht! Belegt ist ein kompletter Anstrich des Gestühls für 1845. Man darf annehmen, daß die gemalten Ortsnamen von dieser Renovierung stammen. Die älteren Beschriftungen waren vertieft. Die alten Türen sind, an mehreren Stellen erkennbar, recycelt worden. Die heutige Anordnung des Gestühls stammt von 1964.
Unten zu sehen der Orgelprospekt vor der 2003/2004 erfolgten Instandsetzung und Renovierung.
Gebaut wurde die Orgel von Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella (1793-1858), einem der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit, unbekannt, wann genau. Bevor sie 1846 nach Ahrenshagen kam, stand sie in Greifenhagen (Pommern).

Neben der Orgel hängen zwei prachtvolle Epitaphe, die aus der Pantlitzer Kirche stammen. Das Wappen, ursprünglich ein Löwenkopf, hier als Sonne. Der alte Herr Mörder hat mit 74 Jahren ein für diese kriegerischen und ungesunden Zeiten hohes Alter erreicht.


Lesehilfe:
Der Weyland Wollgebohrner HErr Henning Julius Mörder Erb Herr auff Daschau, Prustorff, Todenhagen, Gruel und Schorrentin ist auff diese mühsame Welt gebohren Anno 1625 den 17 February, und seelig in Gott dar auß geschieden Anno 1699 den 15 Marty seines Alters Vier und siebenzig Jahr weniger 25 tage

... noch mal Hilfe:
Der Weyland Wollgebohrner Herr Herr Arend Christoffer von Mörder Erb Herr auff Dasschau Prustorff Todenhagen Gruel und Schorentien ist auff diese
mühsame Welt gebohren, Anno 1665, den 24 July, und seelig in Gott wieder dar auß geschiede(n) Anno 1702 den 11 Decembris seines Alters 37 Jahr 4 Monat, 17 Tage
