
Willkommen zum kriminalistischen Teil!
Obwohl die Pfarrakten viele Nachrichten über das Baugeschehen an der Kirche enthalten, ist nicht wirklich klar, was wann warum an der Kirche geändert wurde. Um zu sehen, daß vielfach verändert wurde, um nicht zu sagen geflickt, genügt schon ein Laienblick.
Begleiten Sie uns auf eine Spurensuche.
Damit sie eine Basis hat:
Rechts der Grundriß der Kirche mit ihren drei Teilen, von rechts nach links gesehen der Chor, das Schiff und der Turm.

Fangen wir mal hinten an.
Der älteste Teil der Kirche ist der Chor. Die eingesetzten Backsteine erwecken zumindest im oberen Teil den Eindruck, als habe man mit ihnen eine Feldsteinruine ausgeflickt. Zwar hat man schon in sehr früher Zeit Fensterumrandungen im Feldsteinmauerwerk in Backstein ausgeführt. Das große Ostfenster hat vermutlich erst 1845 seine heutige Größe erhalten.
Der Stützpfeiler rechts im Bild ist im Jahre 1752 zur Sicherung des Gewölbes errichtet worden.

Der Blick aus nordöstlicher Richtung auf den Übergang vom Chor zum Schiff. Man erkennt, das Dach des Chores war früher steiler. Die Giebelspitze lag etwa in Höhe derjenigen des heutigen Schiffes.

Nun ein Blick über die Südseite aller drei Dächer.
Zunächst etwas verwirrt, erkennt man doch in der Bildmitte den Ostgiebel des Schiffes, weiter oben die Turmwand, die in Wahrheit zum Westgiebel des Schiffes gehört.
Auffällig an dieser Wand sind die Fensterbögen.
Man findet keinen originalen oberen Abschluß dieser Giebelwand, demnach muß das Schiff mindestens so hoch wie der heutige Turm oder sogar noch etwas höher gewesen sein. Da die seitlichen Wandhöhen des Schiffes nur unwesentlich verändert worden sein können, muß das Dach erheblich steiler gewesen sein als das heutige.
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Damit wären wir beim Schiff.
Es ist jünger als der Chor. Daß die Giebelhöhe früher höher war als heute, ist klar. Was die Höhe der Seitenwände angeht, die Südwand, einheitlicher erhalten als die zur Straße gelegene Nordwand, zeigt bis heute die obere ursprüngliche Zierkante; übrigens wie die Nordseite auch die Gerüstlöcher. Letztere werden oft mißdeutet. Es sind wirklich keine Granatspuren oder netterweise vorgeplante Nistgelegenheiten.
Wenn man die Fenster betrachtet, die 1845 anläßlich einer Grundrenovierung ihre heutige Größe und Form erhalten haben, kann man durchaus die ganze Kirche für klassizistisch halten. Was ihr Unrecht tut. Man könnte sich passendere und besser isolierende Fenster denken. Sie dürfen (leider) trotzdem nicht einfach erneuert werden. Denkmäler eben!


Ein kurzer Besuch im Dachstuhl zeigt diesen datierten Balken. Obwohl mehrfach der Dachstuhl verändert wurde und das bis in die jünste Zeit, ist sehr altes Balkenmaterial erhalten geblieben. Natürlich ist das Mauerwerk des Schiffes viel älter, als die Jahreszahl angibt. Es ist nicht ganz auszuschließen, daß die Kirche im Schwedisch-Preußischen Krieg (nach 1675) Schaden genommen hat und deshalb 1688 einen neuen Dachstuhl brauchte.

Oben waren schon ehemalige Fensterdurchbrüche in der Turmwand bzw. im westlichen Giebel des Schiffes erwähnt worden. Solche gibt es auch unterhalb der heutigen Dächer. Der Westgiebel vom Dachboden des Schiffs aus aufgenommen.

Auch von der Turmseite aus findet man ehemalige Fensteröffnungen. Daneben wird auch die Gliederung der Wand erkennbar. Leider ist es nicht möglich, den ganzen Giebel gleichzeitig zu übersehen. Das Bild zeigt den unteren, linken Teil der Dachschräge.

Nur als Illustration.
So oder ähnlich könnte der Westgiebel vor dem Bau des Turmes ausgesehen haben. Kleiner Unterschied, der Giebel besaß auch noch seitliche Türmchen, wie sie auch an gotischen Häusergiebeln vorkommen. Hier abgebildet ist die Kirche von Sassen, welche auch noch das extrem steile Dach besitzt, wie es Ahrenshagen offenbar auch hatte.

Der Blick aus der Ferne offenbart ein so harmonisch proportioniertes Gebäude, daß man die komplizierte Baugeschichte kaum glauben mag. Vor der Kirche das vor 1744 errichtete ehemalige Predigerwitwenhaus, welches in der DDR-Zeit leider einen Teil seiner Fachwerkwände verlor. Das Blau der Wand soll nur den gelben Anorak in der Ecke aufwiegen und ist hoffenlich so flüchtig wie dieser.

Der Turm, jüngster Teil der Kirche mit dem Portal. Interessant ist, daß hier, genau wie am ältesten Teil, dem Chor, die Einfassung der Bauöffnungen in Klinker ausgeführt wurde. Die Türumrandung hier ist so sauber eingepaßt, daß sie bei der Erbauung des Turmes erfolgt sein könnte.
Oben sichtbar ist der Klinkerteil des Turmes, der vermutlich im Zuge der Erneuerung von 1752 errichtet wurde.