
So sieht man die Kirche von der Strasse, selbst in kürzestem Abstand ist sie nur verdeckt zu sehen. Die vielen alten Bäume rund um die Kirche haben vielleicht einen wichtigen Grund. Direkt vor dem Turm findet man in der einzigen heutigen Sichtschneise den Stubben eines uralten Baumes. Könnte es sein, daß man sich bemüht hat, die Kirche zu verstecken? In der Grenzlage und angesichts der vielen Kriege, die die Gegend verwüsteten, wäre es zu verstehen.
Die Perspektive täuscht große Höhenunterschiede zwischen Turm, Schiff und Chor vor, die es in Wirklichkeit nicht gibt.
Der etwas andere Blick von Osten nach Westen (hier nicht anzüglich gemeint) korrigiert den falschen Eindruck.
Ganz vorn links ist kein eigentlicher Gebäudeteil zu sehen, sondern ein Pfeiler, der die Gewölbe des Chores stützt.

Der älteste Teil der Kirche ist der Chor. Man datiert ihn auf die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Die eingesetzten Backsteine erwecken zumindest im oberen Teil den Eindruck, als habe man mit ihnen eine Feldsteinruine ausgeflickt. Zwar hat man schon in sehr früher Zeit Fensterumrandungen im Feldsteinmauerwerk in Backstein ausgeführt. Das große Ostfenster ist aber ganz sicher nicht ursprünglich. Der Stützpfeiler ist im Jahre 1752 zur Sicherung des Gewölbes errichtet worden.


Das Nordportal, vor dem es früher eine Eingangshalle gegeben haben soll, wie Fundamentreste nahelegen. Den senkrechten Zierkanten fehlt der obere Abschluß. Schwer zu raten, wie der mal ausgesehen hat.

Das sieht aus, als habe man gegen alle denkmalschützerischen Grundsätze auf einmal verstoßen. Die nordwestliche Ecke des Schiffes zeigt oben unterschiedliche, offensichtlich neue Zierziegel. Dieser kleine "Schönheitsfehler" sollte zum Anlaß genommen werden, die Kirche auf ihre Baugeschichte hin näher zu untersuchen.
Warum hat man die Zierziegel hier eingesetzt?
Weil Ahrenshagen früher eine solche Kante hatte. Das stellt man fest, wenn man die Südseite der Kirche besieht, wo diese Kante noch fast vollständig erhalten ist.
Auch der Übergang zwischen Schiff und Turm im Dachbereich macht stutzig.
Besuchen wir das Innere, im Turm:
Die sehr hübsche Bronzeglocke von 1899.
Die Inschriften lauten, auf der gezeigten Seite:
"O Land, Land, höre des Herrn Wort! / Jer. 22,29";
auf der Rückseite wird es umfangreicher:
"Patrone: Königlicher Kammerherr Wilhelm von Stumpfeld-Lillienanker auf Daskow./ Königlicher Rittmeister a. D. Hugo Freiherr von Mecklenburg auf Pantlitz. / Rittergutsbesitzer Wilhelm Rewoldt auf Wiepkenhagen. /
Pastor: Leopold Wilhelm Lotzow. / August Dieckmann - Altenwillershagen. /
Aelteste: Robert Hecht - Trinwillershagen. /
Küster: Herrmann Lücht: /
Gegossen von C. Voss & Sohn in Stettin 1899./ No 1540."

Weil Kirchenglocken zu den bestversteckten Kunstwerken überhaupt gehören, bieten wir hier für Interessierte und Geduldige eine genauere Ansicht der Glocke:
Die Aufhängung der Glocke, die sicher noch einen fachmännischeren Namen hat (sorry!), ist liebevoll modelliert. Leider hat kaum ein Gemeindeglied überhaupt eine Ahnung davon, welchen Schauwert seine Glocken haben.
Ahrenshagen verfügt seit 1999 wieder über ein dreistimmiges Geläut.


Zum Abschied grüßt der heute in Ahrenshagen ansässige glatzköpfige Apostel Paulus (vermutlich), der zu den nicht völlig verborgenen Kunstwerken gehört. Daß ihm die Nase fehlt, liegt an respektlosen Holzwürmern. Er wurde gegen 1900 aus der Pantlitzer Kirche geborgen und gehört wahrscheinlich zur Ausstattung des Vorläuferbaus dieser Kirche.